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Arterhaltung im Wohnzimmeraquarium
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ManniAT
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BeitragBeitrag #11 vom 20.10.2004 - 15:02  Titel:  

Hallo Leute,

hier wird IMHO ein wichtiges Thema angeschnitten, das sehr viel "Bemessungsspielraum" aufweist.

Eigentlich ist jeder, der Viktotriaseechiliden pflegt (und züchtet) eine Art Arterhalter.

Diesem See wurden von einem Kolonialbeamten ein paar Kübel Nilbarsch (Lates Niloticus) beigefügt. Die Auswirkungen - KEINE DIREKTEN.
Als aber Jahre später ein Programm zur Ansiedlung diese Fisches gestartet wurde war das Hauptargument gegen die Umweltschützer:
Es gibt ja schon eine Population im See - das passt schon.

Größere Menge dieser Tierart (eigentlich waren es zwei Arten) wurden freigesetzt. Das System schien einige Zeit lang zu funktionieren.
Die Idee war auch gut. Statt des (vom Nahrungsmittelstandpunkt aus gesehen) nutzlosen "Fugu" wurde ein großer Fisch eingesetzt, dessen Biomasse besser zu verwerten ist.
Klar, ein kleiner Chilide macht sich am Teller nicht wirklich gut, während man bei dem großen Fisch (IMHO bis 100 kg) ordentich was zum Knabbern hat.

Leider hat diese Aktion dazu geführt, dass die "Fugu" nahezu vollständig verschwunden sind. Mehr als die Hälfte der Arten existiern offensichtlich nicht mehr, beim Rest ist die Population sehr gering geworden.
Wie viele Arten genau "verschwunden" sind ist umstritten, es steht aber fest, dass wir in unseren Becken einige dieser Exemplare halten.

Somit sind wir (die unter uns, die VS-Chiliden halten) eigentlich Arterhalter.

Nun stellt sich aber die Frage WIE werden die Arten erhalten?

Oben wurde schon das Inzuchtproblem angesprochen. Grundsätzlich ist Inzucht nicht ganz so schlimm, wie sie sich in den Köpfen vieler darstellt.
Gerade bei gezielten Zuchten wird ja bewußt Inzucht betrieben um bestimmte Merkmale zu erzielen.
Aber hie und da braucht es "frisches Blut". Zudem besteht immer die Gefahr, dass ein Stamm einmal verloren ist, weil sich Gendeffekte eingestellt haben.
Das frische Blut kann aus Wildfängen stammen, oder aus anderen Zuchtstämmen.

Eine andere Problematik ist die Artenreinheit. Viele Fische können sich untereinander vermischen, es entstehen also ungewollte Kreuzungen.
Diese Gefahr besteht wenn man z.B. Gesellschaftsbecken mit sehr "artnahen" Genossen betreibt.
Oft werden auch im Handel Tiere als eine bestimmte Art vertrieben. In Wirklichkeit hat man dann 2 verschieden Tiere die ein Paar bilden und deren Nachzuchten dann "irgendwas" sind.
Auch solche Tiere gelangen dann u.U. wieder in den Handel......

IMHO ist echte Arterhaltung nur dann möglich, wenn wirklich sicher ist, um welche Spezies es sich handelt. Zudem müssen die Zuchtergebnisse entsprechen. Entstehen "Fehlbildungen" (welcher Art auch immer) müsste man den betroffenen Stamm "stillegen".
Ich spreche da einfach mal vom "PurpurBLASSbuntbarsch" den man recht oft im Handel sieht. Diese Tiere haben mit der ursprünglichen Art nur mehr wenig gemeinsam.

Ich würde mal ganz pauschal sagen:
Arterhaltung im Wohnzimmer ist unwahrscheinlich.
Arterhatlung im Wohnzimmer ist aber möglich, wenn sie mit hoher Professionalität erfolgt.
Zeiteres klingt für mich eher nach "Keller mit Zuchtregalen" als nach Wohnzimmer Lachen

Der in einem anderen Thread angesprochene L46 wäre ein typisches Beispiel (wobei ich mir nicht wirklich sicher bin, ob diese Art gefährdet ist).
Der Fisch ist relativ einfach zu bestimmen - ungewollte Kreuzungen fallen da einmal flach.
Aber er ist nicht einfach zu züchten - der Profi ist gefragt.

Abschliessend stellt sich für mich noch die Frage: was tun mit der erhaltenen Art?

Bei Säugern werden ja in den letzten Jahren mit Erfolg Auswilderungen durchgeführt.
Kann man sich so etwas bei Fischen auch vorstellen?
Da gibt es einmal das wahrscheinlich nur schwer zu beseitigenden Grundproblem des Lebensraumes.
In den Viktoria kann man sicher tausende "Fugus" reinkippen - die sind bald wieder weg!

Aber bleiben wir wieder beim L46. Wie darf ich mir das vorstellen?
Ich reise mit einem Kontainer der Tierchen um die halbe Welt?
Dort angekommen kippe ich "Aquasafe" in den Fluss und passe die Tiere langsam an die Wasserwerte an... Lachen

Sorry für den Scherz, aber wenn dann kann es wohl (traurig) nur so aussehen, dass es gewisse Tier nur mehr im Handel gibt.
Also am Regal steht dann halt "XXX-Fisch garantiert kein Wildfang weil in freier Wildbahn ausgestorben".

Unsereiner hat kaum die Möglichkeiten einer "Auswilderung" und ob die "dummen Fische" jemals so "wichtig" werden, dass jemand ähnlich Programme wie für die Säugetiere auf die Beine bringt, ich zweifle daran.

Andererseits könnte jedoch im indirekten Weg durch ausreichende Nachzuchten dafür gesorgt werden, dass die natürlichen Bestände nicht so intensiv abgeschöpft werden.

Um die Komlexität des Theams zu betonen:
Würden wir (z.B.) den L46 intensiv nachzüchten könnten die Preise fallen.
Daraus resultiert, dass der Fisch öfter gekauft wird. Im schlimmsten Fall wird das Tier zum "Modefisch". Was wiederum dazu führen könnte, dass mit den Nachzuchten der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann.....

lg

Manfred



ManniAT
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BeitragBeitrag #12 vom 20.10.2004 - 15:03  Titel:  

Hallo Tatjana,

OT==Off Topic

Ich wollte dein Statement extra behandeln, weil es zwar wichtig ist, aber nicht den Kernpunkt von Jürgens Thema trifft!

lg

Manfred
Tatjana
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BeitragBeitrag #13 vom 20.10.2004 - 15:05  Titel:  

Hi Werner,

finde Deinen Beitrag sehr interessant. Die sogenannte Auswilderung ist sehr wichtig und ich glaube nicht, dass der L-046 soweit mutiert, dass er mit den Wildfängen gentetisch nicht mehr vergleichbar ist.
Ein gutes Auswilderungsbeispiel ist bei uns der Steinadler. Ist aber nur Sinnvoll wenn die jeweilgen Arten in ihrem ursprünglichen Lebensräumen geschützt sind.
lg
Tatjana
Zagon
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BeitragBeitrag #14 vom 20.10.2004 - 15:13  Titel:  

Hallo.

Wie helmut sagt "austausch unter den Clubs, Vereinen" -- es wird vielleicht Clubs oder einfach interessierte Private geben, die untereinander Zuchten austauschen, um so ein wenig die gene zu verteilen um mutante Nachkommen zu dezimieren.

ich find, jeder der halbwegs spaß am züchten hat, kann sich diese zeit nehmen und sich um den austausch kümmern. würd für mich jedenfalls mal in frage kommen, wenns soweit ist. überhaupt im falle zebraharnischwels.

es wird sicher mehrere individuen unter uns geben, die ein "hobby" aus purem interesse betreiben und gerne ein wenig mehr zeit investieren. sonst machts eh keinen sinn, und ein fischfoto auf der wand würd reichen.

Lg

Zagon


PS:
ManniAT meint:
Hallo Leute,

hier wird IMHO ein wichtiges Thema angeschnitten, das sehr viel "Bemessungsspielraum" aufweist.

Eigentlich ist jeder, der Viktotriaseechiliden pflegt (und züchtet) eine Art Arterhalter.


das ist interessant, dann gibts umso mehr einen grund, mich um diese zu kümmern!
wklotz
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BeitragBeitrag #15 vom 20.10.2004 - 15:39  Titel:  

Hallo Tatjana!

Tatjana meint:
Die sogenannte Auswilderung ist sehr wichtig und ich glaube nicht, dass der L-046 soweit mutiert, dass er mit den Wildfängen gentetisch nicht mehr vergleichbar ist.


Dazu kann ich nicht richtig Stellung nehmen, da ich mich mit der Systematik der Welse kein bisschen auskenne. Ich betrachte das Ganze immer mit meiner "Garnelenbrille".
Die verschiedenen Zuchtlinien der Bienengarnele differieren zum Teil in ihren morphologischen Merkmalen deulicher als nah verwandte, aber als eigenständige Arten beschriebene Garnelenarten in der Natur. Die rote, durch Zuchtauswahl hervorgegangene Farbform der Bienengarnele, die Crytal Red wurde von Prof. Y. Cai einer aderen Art zugeordnet als die wildfarbene Bienengarnle. Das alles zeigt, dass die Tiere, wenn sie jahrelang als Zuchtlinien geführt werden, sich evolutionär auseinanderbewegen.

Tatjana meint:

Ein gutes Auswilderungsbeispiel ist bei uns der Steinadler. Ist aber nur Sinnvoll wenn die jeweilgen Arten in ihrem ursprünglichen Lebensräumen geschützt sind.


Der Steinadler gehört zumindest zum Teil zu jener Gruppe, die ich als Wölfe/Bären /Raubtiere bezeichnet haben. Sein Aussterben war in erster Linie auf eine intensive Bejagung zurückzuführen. Aber der Lebensraum dieser Tiere besteht zumindest zum Teil noch. Hier ist eine Wiederansiedlung möglich. Wenn ein Tier aber durch die Zerstörung des angestammten Lebensraumes ausgerottet wird sieht es mit der Wiederansiedlung schlechter aus.

mfg Werner
ManniAT
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BeitragBeitrag #16 vom 20.10.2004 - 15:58  Titel:  

Hallo Werner,

schön dass du da "mitmischt".
Ganz konkrete Frage - hast du eine praktische Idee (Info) über die Auswilderung von "Wasserlebewesen".

Bei heimischen Arten kann ich mir das ja noch vorstellen.
Aber bei Exoten - irgendwie tu ich mir da hart.

Zudem gibt es ja so gewisse "Schwellwerte" an denen eine Population "selbsterhaltend" wird. Bei den angesprochenen Säugern bzw. Adlern kann ich mir das auch noch gut vorstellen.
Ein Paar (oder einige wenige Paare) auszusetzen mag ja angehen.

Würde es aber auch funktionieren wenn man ein paar Garnelen (ich bleibe bei deinen Lieblingen) irgendwo in einen Tümple gibt?

Bei Fischen fällt mir da immer der typische "Fischereibesatz" ein. Dort werden die Tierchen in Massen ins Gewässer gekippt.

Das wäre ja IMHO auch ein Problem. Weil mit einem Päarchen Zebras um die halbe Welt zu fliegen, das kann ich mir noch vorstellen.
Aber - sagen wir mal 100 Paare zu finden......

Wobei sich mir hier der Gedanke aufdrängt, ob so eine "Arterhaltungszucht" nicht eher im Heimatbiotop stattfinden müsste?
So eine Art "Fischfarm" stelle ich mir da vor!

lg

Manfred
Leo
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BeitragBeitrag #17 vom 20.10.2004 - 21:49  Titel:  Re: Arterhaltung

Hallo!

Schönes Thema.

Werner hat schon geschrieben: Ohne Schutz des Lebensraumes/des Biotops/der Landschaft macht's keinen großen Sinn.
Wenn man das machen wollte, sollte ein Austausch von Zuchttieren - wie von Helmut angesprochen und offensichtlich von den angesprochenen Organisationen praktiziert unbedingt stattfinden. Auch ein "Zuchtbuch" in irgendeiner Form (leider haben Fische keine Ohren, wo man reintätowieren könnte....) wäre vonnöten.
Also meine Meinug: Wenn, dann g'scheit!

Der Haken an der Sache ist in meinen Augen der, daß die Natur anders selektiert, als wir Menschen - das Inzuchtproblem läßt sich ausschalten, aber das Problem: Wie suche ich das Paar aus, mit dem ich die nächste Generation ziehe - das bleibt. Nicht einmal eine Art "Zufallsgernerator" würde Abhilfe schaffen... Und nach ein paar Generationen (wievielen?) hat man dann nicht den Fisch, der draußen überleben kann, sondern den, der die ganze Prozedur, die Haltung, die Aufzucht im Aquarium usw. ausgehalten hat....wer spielt schon im Aquarien die Szenerie von Hungerzeiten/Naturkatarophen/Freßfeinden usw.. durch?...Weiters ist zu bedenken, daß sich ja in der Natur auch leise Veränderungen abspielen - und an die sollte sich die Art draußen anpassen können....

Wens interessiert: Es gibt bei den Haustierrassen Bemühungen "alte Rassen" nicht aussterben zu lassen - Die ÖNGENE-Organisation beißt sich da schon länger die Zähne aus....der Fehler, den ich als Außenstehender gesehen hab' ist vielfach der, daß ALLES aufgezogen wurde, auch der größte Müll, nur um die Kopfzahl (mit Gewalt) zu erhöhen - und das hat mit "Zucht" so wie ich sie verstehe nix mehr zu tun gehabt....jeder weiß, daß diese Fehler eine Generation lang untertauchen um dann wieder aufzutauchen - diesmal aber gleich um den "Faktor X" öfters....

Naja, seinen wir optimistisch, die Zebras sind zu schön, um sie so klanglos untergehen zu lassen - eine komerzielle Zucht findet wohl auch (noch nicht?) statt?

Servus!

Leo
Gitti
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BeitragBeitrag #18 vom 21.10.2004 - 00:03  Titel:  

Einige Gedanken auch meinerseits zu diesem sehr interressanten Thema (dass auf viele bedrohte Tierarten zutrifft).

Nachzucht zur Arterhaltung ist nur dann längerfristig erfolgsversprechend und sinnvoll, wenn gleichzeitig der natürliche Lebensraum einer bedrohten Tierart, und die dort noch vorkommenden Tiere streng geschützt und somit erhalten bleiben.

Die Problematik einer "Arterhaltung" über Jahre (Jahrzehnte) ohne die Zuführung frischer Blutlinien (Wildfänge) sehe ich darin, dass auch bei regem Tausch.. irgendwann alle noch vorhandenen Tiere miteinander verwandt sind, ebenso, dass das "Zuchtpotential" immer schlechter wird.

In einem gesunden Ökosystem überleben die stärksten Tiere mit dem besten Genpotential. So wird die Weitergabe gesunder Erbmasse zur Erhaltung einer Art gesichert.
Zur Fortpflanzung kommen nur die aggressivsten- in diesem Fall die für die Weibchen attraktivsten Bewerber, die sich gegen Konkurrenten erfolgreich durch gesetzt haben.

Leider ist es ja so, dass bei der Zucht oft Quantität statt Qualität den Vorzug erhält (finazieller Anreiz). Das auch Tiere zur Fortpflanzung gelangen (z. B. durch liebevolles Aufpäppeln von Kümmerlingen, Zufallszuchten ohne geziehlt ausgewählte Zuchtpartner etc.) deren Erb- (gen) material mangelhaft ist und die in der Natur eigentlich ausgeschieden werden würden.
Dadurch kommen genetisch nicht optimale Nachzuchten in den Handel und werden auch weiter zur Zucht herangezogen.

Auch die Vermischung von Formen, die zwar der gleichen Art zugehören, aber aus anderen Populationen stammen und sich manchmal nur geringfügig unterscheiden (z. B. durch die erreichbare Größe etc.) wird ein Schwierigkeit darstellen.

Es gibt Beobachtungen von Züchtern (zumindest in der Terraristik im Gespräch), die bei manchen bisher gut nachzüchtbaren Tierarten, eine Verhaltensänderung beim Fortpflanzungverhalten von in Gefangenschaft aufgezogenen Nachzuchten, feststellen.

Ausgelöst wahrscheinlich durch die von der Natur abweichenden Haltungs- und Aufzuchtsmöglichkeiten (oder auch durch fehlende noch unbekannte Stimulansreize).
z.B.
Durch eine gemeinsame Aufzucht von Jungtieren auf begrenztem Raum (Aquarium, Terrarium etc.) ergeben sich veränderte Verhaltensweisen wie mangelndes Aggrssionsverhalten, mangelndes Balzverhalten und damit eine mangelnde Paarungsbereitschaft.

Also denke ich wird es nicht möglich sein, über einen langen Zeitraum, eine bedrohte Art (besonders wenn sie in der Natur ausstirbt) "im Wohnzimmer" zu erhalten.
Zumindest nicht, wenn es keine geeigneten Richtlinien (Zuchtprogramme) gibt, und jeder züchten kann wie er will.
Zumindest kann man aber durch "fleissiges Nachzüchten" bedrohter Tierarten die Entnahmen aus der Natur einschränken.

Ein "Dilema" der Menschheit finde ich, dass so viele Tierarten oft fast unbemerkt durch den Faktor Mensch, im Vorkommen bedroht oder schon von der Erde hinweggefegt sind, deren interressante Lebensweisen aber noch kaum erforscht sind und waren.


MfG
Gitti
Gast
Gast









BeitragBeitrag #19 vom 21.10.2004 - 02:31  Titel:  

Hallo!

Dies ist wirklich ein sehr interessantes und ansprechendes Thema. Ich habs am Nachmittag schon mal durchgelesen, hatte aber nicht die Zeit, um ausführlich zu antworten.

Ich finde, daß wohl eine kleine Arterhaltung im Wohnzimmer möglich ist, jedoch diese Tiere wohl für eine Auswilderung nicht mehr geeignet sein werden, da sie ja unter ganz anderen Voraussetzungen aufgewachsen sind.

Arterhaltung im Wohnzimmer kann nur stattfinden, wenn man sich auch mit anderen Züchtern austauschen kann - die Fische meine ich damit.

Ich pflege ja einige Wildformen von Lebendgebärenden und davon sind zumindest die Xenotoca eiseni in der Natur bereits ausgestorben, obwohl mal ein Auswilderungsversuch eines Wiener Biologen gemacht wurde. Es hat nicht lange geklappt. Weiters auch Ameca splendens, die mittlerweile sehr stark bedroht sind.

Diese Arten schwimmen allesamt in Artenbecken und in den Becken findet auch die Vermehrung statt. Ich tue dazu nicht viel, außer daß die Bepflanzung ein wenig dichter ist, damit sich Jungfische darin aufhalten können. Die schnellsten und intelligentesten Jungfische kommen durch und der Großteil wird wohl gefressen, speziell bei den Xiphophorus helleri "grün" und Limia melanogaster, ganz schlimm ists bei den Brachyrhaphis roseni, da kommt selten mal ein Jungfisch durch.

Ich kann mit dieser Methode meinen Bestand sichern und hin und wieder an interessierte Kollegen Jungfische abgeben.

Dabei ist es natürlich ganz wichtig, daß der Erstbesatz dieses Artenbeckens nicht nur aus 2-3 Tieren besteht, sondern schon eine größere Gruppe ist, wo sich die Tiere untereinander vermischen und so auch für einen guten Genpool sorgen können.

Gruß
Helga
wklotz
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Anmeldungsdatum: 05.04.2004
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BeitragBeitrag #20 vom 21.10.2004 - 09:23  Titel:  

Hallo Manfred!

ManniAT meint:

Ganz konkrete Frage - hast du eine praktische Idee (Info) über die Auswilderung von "Wasserlebewesen".

Idee?? Ich verstehe, glaube ich, deine Frage nicht ganz. Wenn du konkrete wissenschaftliche Untersuchungen über das Aussetzten von Tierarten meinst, das gibt es eine ganze Menge. Z. B. über die Süßwassergarnele Neocaridina denticulata, die von Aquarianern auf Hawai freigelassen wurde und jetzt bereits in praktisch allen Fließgewässern der Insel zu finden ist. Gleich verhält es sich mit dieser Art in Zentralchina, wo diese aus Südostasien stammende Garnelenart druch Besatzfische aus Südostasien in die chinesischen Seen eingeschleppt wurde.
Bei den Fischen kennen wir viele Beispiele des Besatzes der Bergseen mit Saiblingen unter Kaiser Maximilian, die heute noch in diesen Gewässern leben. Oder der Besatz von gewässern mit Regenbogenforellen, die auch in vielen Gewässern selbsterhaltende Bestände gebildet haben.
Auch die Steinböcke, die jetzt wieder in ganzen Rudeln durchs Karwendel ziehen, stammen IMHO aus den Pyrenäen.

ManniAT meint:

Bei heimischen Arten kann ich mir das ja noch vorstellen.
Aber bei Exoten - irgendwie tu ich mir da hart.


Auch für Exoten gibt es genug Beispiele. Zum Beispiel die sich ausbreitenden Bestände an Waschbären, bei den Pflanzen zum Beispiel das große tropischen Springkraut, das die Weg- und Waldränder Europas im Sturm erobert.
Wenn du mit Exoten primär tropische oder subtropische Tiere meinst, gibt es auch hier Beispiele. Zum Beispiel die Sittiche, die seit Jahrzehnten bei uns in Innsbruck im Hofgarten leben. Oder die Guppypopulationen, die man praktisch in jedem Kühlwasserauslauf der großen kalorischen und Atomlraftwerke findet. Oder in warmen Quellen , wie beim Warmbad Villach.


ManniAT meint:

Würde es aber auch funktionieren wenn man ein paar Garnelen (ich bleibe bei deinen Lieblingen) irgendwo in einen Tümple gibt?

Ich fürchte ja. Ich nehme an, daß auf Hawai auch nicht tausende Tiere ausgesetzt, sondern ein paar nicht mehr gebrauchte Futtergarnelen "entsorgt" worden sind.
Es gibt mehrere Beispiele, wo Aquarianer in Deutschland Neocaridina denticulata im Gartenteich ausgesetzt haben und sich diese dort gut vermehrten. Auch wenn ein Teich eine Zeit lang mit einer Eisdecke geschlossen war.
In einem natürlichen Gewässer kommt es sicher auf den Fressdruck an, der auf soche Garnelen lasten würde. Ein fischloses Teich im Wald, vor allem wenn dieser quellgespeist und dadurch auch im Winter nicht vollständig zugefroren ist, dürfte ein ideales Biotop für solche Arten sein.

ManniAT meint:

Das wäre ja IMHO auch ein Problem. Weil mit einem Päarchen Zebras um die halbe Welt zu fliegen, das kann ich mir noch vorstellen.
Aber - sagen wir mal 100 Paare zu finden......

Prinzipiell ist auch das Nachziehen von 100 Paaren kein Problem. Und das der Transport auch größerer Mengen Fische nicht wirklich ein logistisches PRoblem darstellt, zeigen uns die Importeure in die umgekehrte Richtung.


ManniAT meint:

Wobei sich mir hier der Gedanke aufdrängt, ob so eine "Arterhaltungszucht" nicht eher im Heimatbiotop stattfinden müsste?
So eine Art "Fischfarm" stelle ich mir da vor!


Das wird da, wo es "sich rentiert" oder wo der Druck der Allgemeinheit groß genug ist schon gemacht. Z. b. gäbe es ohne die Fsichzucht des Alpenzoos wohl keine Äsche mehr im Inn. Beispiele wären auch die Tieren in manchen Nationalparks auf der ganzen Welt, die oft durch gezielte Zuchtprogramme gestützt werden.

Aber das hat mit "Wohnzimmerhaltung" nicht mehr viel zu tun.

mfg Werner
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