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Pinselalgen,
Büschelalgen
(Rotalgen)
Erkennen (Diagnose) Dunkelgrüne
bis schwarze, bis 1 cm lange Büschel. Junge Pinselalgen entwickeln sich
aus einem etwa stecknadelkopfgrossen, grauen Punkt (v.a. an den Aquariumscheiben)
und werden dann als Punktalgen angesprochen. Hauptsächlich auf älteren oder
langsamwüchsigen Pflanzen anzutreffen, z.B. Anubias (Speerblätter), Echinodorus (Schwertpflanzen),
Vallisneria gigantea (Sumpfschraube), Cryptocorynen (Wasserkelche), Microsorium pteropus
(Javafarn). Kommen leider sehr häufig vor und sind mit Algenmitteln
schwer bis überhaupt nicht zu bekämpfen.
Ursache CO2-Mangel,
Einschleppung mit Pflanzen, Nährstoffüberschuss im Aquarium, überalterte
Neonröhren, falsches Licht und Kombinationen aus diesen Faktoren. Die Hauptursache
für Piselalgen liegt oft in der Kombination
aus einer plötzlichen Änderung der Lichtfarben
der Beleuchtung (bläuliche Spektren), einem
CO2-Mangel und einem Depot von ausgefallenem
Eisen(III)-phosphat im Bodengrund. Nach einem
unvorhergesehenen grosszügigen Teilwasserwechsel
können durch den eingetragenen Sauerstoff
möglicherweise grössere Mengen Phosphat
freigesetzt werden, die dann den Pinselalgen
unmittelbar zur Verfügung stehen. Diesen
Effekt erhält man auch, wenn man schlagartig
die Beleuchtungsverhältnisse verbessert,
also 'überalterte' Neonröhren (+ 12 Monate)
gegen neue Lampen
austauscht. Durch die verbesserten Lichtverhältnisse
beginnen die Aquariumpflanzen verstärkt
zu assimilieren und Sauerstoff zu produzieren.
Dieser Sauerstoff bewirkt eine Rücklösung
von Eisen(III)-phosphat aus den unteren Bodengrundschichten.
Das freigesetzte Phosphat stellt dann den
Pinselalgendünger schlechthin dar. Untersucht
wurde dieses Phänomen im Bodensee.
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Pinselalgen
befallen gerne Blattränder langsamwachsender Pflanzen
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Die oberste Schicht des Bodensediments
besteht aus oxidiertem Schlamm, d.h. unlösliche
Verbindungen wie Eisen(III)-oxid und Eisen(III)-phosphat
sind zum großen Teil vorhanden. Die Oxidation
dieser Schicht ist aber nur bei Vorhandensein
von genügend Sauerstoff im Tiefenwasser
möglich. Dabei bildet sich aus gelösten
Eisen(II)-Ionen und gelöstem Sauerstoff
durch langsame chemische Oxidation oder
durch Eisen-Bakterien Eisen(III)-oxid, wobei
zusätzlich Eisen(III)-phosphat mittels der
im Wasser gelösten Phosphat-Ionen entsteht:
12Fe2+(aq) + 8PO43-(aq) + 3O2(aq)
<--->
2Fe2O3¯ (s) + 8FePO4¯ (s)
Dadurch
wird Phosphat einerseits gebunden, andererseits
befinden sich unter dieser oxidierten Schicht
Stoffe wie unlösliches Eisen(II)-sulfid
und lösliche Eisen(II)-Phosphat-Verbindungen,
z.B. Vivianit, sodass weiterem Phosphat
der Wasserkörper nicht zugänglich ist. Wie
aus der Reaktionsgleichung zu schlussfolgern
ist, befindet sich das Gleichgewicht auf
seiten des Oxids. Dies gilt jedoch nur bei
genügendem Sauerstoffgehalt an der Grenzfläche
zwischen oxidierter Schicht und Wasser.
Nimmt die Sauerstoffkonzentration erheblich
ab, z.B. durch erhöhten Bedarf seitens der
Destruenten und Reduzenten, so verläuft
die Hinreaktion wesentlich langsamer und
das Gleichgewicht verschiebt sich zu den
gelösten Komponenten hin. Weiterhin ist
nun die unlösliche Sperrschicht verschwunden,
die die löslichen Phosphat-Verbindungen
vom Wasserkörper üblicherweise trennt, sodass
noch weiteres Phosphat in Lösung geht. Aus
diesem Grund steigt die Phosphatkonzentration
zunächst im Tiefenwasser durch den Sauerstoffmangel
an. In höheren Wasserschichten, in denen
noch genug Sauerstoff vorhanden ist, werden
die durch die Gleichgewichtsverschiebung
neu gelösten, aufsteigenden Phosphat- und
Eisen(II)-Ionen wieder ausgefällt, dadurch
dass Eisen(II) zu Eisen(III) oxidiert wird
und sich wiederum Eisen(III)-phosphat sowie
Eisen(III)-oxid bildet.
Als Erläuterung:
wenn bei der Düngung zu viel Eisen verabreicht
wird, bildet sich mit dem im Wasser anwesenden
Phosphat Eisen(III)-Phosphat, das wasserunlöslich
ist. Bei bestimmten Änderungen im Sauerstoffgehalt,
wie das zum Beispiel durch stärkere Assimilation
und Sauerstofferzeugung durch die Pflanzen
erfolgen kann, löst sich das Eisen wieder
aus der Verbindung und auch das Phosphat
wird wieder frei und steht den Algen zur
Verfügung. Es sollte also möglich sein,
den Pinselalgen in bepflanzten Aquarien
mit einer 'Wasserwechsel-Methode'
zu Leibe zu rücken (später mehr dazu). Diesen
Gedanken weiterspinnend könnte auch die
Verwendung eines Heizkabels bzw. Bodenfluters
durch ständige Zufuhr von sauerstoffreicherem
Wasser die Eisen(III)-Phosphat Bildung zumindest
verlangsamen. Auch wenn die Eisen(III)-phosphat
Ausfällung bzw. Rücklösung in der Form im
Aquarium nicht stattfindet bzw. eine Rücklösung
nicht möglich ist, funktioniert die Wasserwechsel-Methode
dennoch ganz gut. Meine Erklärung wäre dazu
die oben zitierte Untersuchung und ich stelle
sie einfach hier einmal zur Diskussion,
Leute mit besserem chemisch-biologischem
Hintergrundwissen können die Sache ja zu
ende denken.
Ich kenne zwar keine Untersuchung, die diesen
Zusammenhang im Aquarium ebenfalls herstellen
könnte, habe jedoch in meiner beruflichen
Praxis ständig mit den Folgen eines unsachgemässen
Lampenwechsels zu tun. Es fällt auf, dass
in Aquarien, die eine Laufzeit ab 8
Monaten aufweisen, nach der Änderung der
Beleuchtungsquantität Pinselalgenwachstum
auftreten kann, obwohl im Aquariumwasser
bei Auftreten des Problemes selber kein
überhöhter Phosphatgehalt nachweisbar ist,
wenn regelmässig eisenhältige Dünger verabreicht
werden.
Haben sich
die Pinselalgen einmal im Becken festgesetzt,
sind sie kaum mehr wegzubekommen, selbst
bei optimierten Aquarien lässt sich der
Algenbestand nur durch Entfernen befallener
Pflanzenteile und Einsetzen von Algenfressern
mittelfristig reduzieren. Am besten gegen
Pinselalgen vorbeugen kann man durch Verwendung
einer Kohlendioxid-Düngung und einer Bodenheizung.
Die CO2-Düngung hält den Kalk in Lösung
und verhindert feinste Kalkablagerungen
an den Pflanzenblättern und Dekorationsgegenständen,
die eine hervorragende Besiedelungsfläche
für Pinselalgen und Punktalgen darstellen.
Besonders gerne siedeln sich Pinselalgen
an den Blatträndern langsam wachsender Pflanzen
mit geringeren Stoffwechselleistungen als
z.B. Stängelpflanzen an, z.B. Anubias. Auch wenn die Ausfällung von Phosphat mittels
zweiwertigem Eisen längst bekannt und auch
in der Aquaristik häufig gezielt angewandet
wird scheint es mir diesen Hinweis wert,
dass unbeabsichtigtes Ausfällen durch
regelmässige Gaben von eisenhältigen Düngern
(Fe²+) und in der Folge die Rücklösung
des Phosphats und mögliches Pinselalgen-Wachstum
noch zu wenig bekannt sind. Krause schreibt
in seinem Buch "Handbuch Aquarienwasser"
(S. 26), dass dreiwertiges Eisen Fe³+ in
Bindung mit Phosphaten grundsätzlich nicht
mehr wasserlöslich ist.
Sind
die Verhältnisse im Aquarium nach dem Auftreten
von Pinselalgen sowohl in technischer Hinsicht
als auch in Bezug auf den Fischbesatz optimiert
worden, kann auch eine Serie von Teilwasserwechseln
in Kombination mit Torffilterung das Pinselalgenwachstum
eindämmen oder zum Stillstand bringen. Dabei
werden täglich 1 - 2 Teilwasserwechsel im
Umfang von 1/4 bis 1/3 des Beckenvolumens
über einen Zeitraum von bis zu einer Woche durchgeführt.
Sinn der Aktion ist es, ev. überhöhte Phosphat-
und Nitratwerte im Aquarium zu reduzieren,
ausgefallenes Eisen(III)-phosphat aus dem Bodengrund
rückzulösen und per Teilwasserwechsel wieder
zu entfernen. Das funktioniert natürlich
nur, wenn im Leitungswasser nicht schon
höhere Werte als im Aquarium vorhanden sind.
Zur Not könnte man Nitrat- und Posphatabsorbierende
Filtermaterialien verwenden und so die beiden
'Hauptalgennährstoffe' aus dem Aquarium
kurzfristig entfernen. Eine weitere Möglichkeit
ist natürlich, den Bodengrund komplett auszutauschen;
nur Durchwaschen genügt nicht, um das Phosphat
wegzubekommen. Von einer weiteren Verwendung
von 'altem' Aquariumkies in neuen Becken
ist deshalb schon aus diesem Grund (und
wegen anderer ausgefällter Metalle, z.B.
Kupfer) abzuraten.
Was in der
Aquaristik noch nicht so geläufig sein dürfte
ist die Erkenntnis, dass ein steigender
Phosphat-Gehalt auch für einen erhöhten
Nitrat-Gehalt im Aquarium sorgen kann. Das
dürfte für Aquarianer von Bedeutung sein,
die mit dem Leitungswasser bereits erhöhte
Phosphat-Werte 'geliefert' bekommen. "Durch eine steigende Phosphatkonzentration in einem Gewässer wachsen die
Bestände von autotrophen, stickstoffbindenden Bakterien an, die in der Lage
sind, molekularen Stickstoff in ihre Biomasse einzubauen. Dadurch erhöht sich
der Stickstoffeintrag in das Gewässer. Wird dieser organisch gebundene
Stickstoff durch Destruenten und Reduzenten wieder über Ammonifikation und
Nitrifikation zu Nitrat abgebaut, erhöht sich einerseits die
Nitrat-Konzentration. Andererseits findet durch diese Vorgänge eine
Sauerstoffzehrung im Hypolimnion statt, da der durch die autotrophen Bakterien
zusätzlich produzierte Sauerstoff durch die Lage dieser Organismen an der
Gewässeroberfläche in die Luft entweicht, gleichzeitig aber der Überschuss an
toter Biomasse auf den Gewässerboden absinkt und dort abgebaut wird. Eine Folge
von Sauerstoffmangel sowie Bildung von Fäulnisgasen ist unter anderem, wie oben
dargestellt, die Erhöhung der Phosphat-Konzentration." http://www.aqua-terra-net.de/Schule/musterarbeit1/Musterarbeit3.htm
Abhilfe CO2-Düngung
instalieren: Pinselalgen besiedeln gerne mikroskopisch kleine Kalkausfällungen
an Blatträndern oder Dekorationsgegenständen. Die Kohlensäure hält den Kalk
in Lösung und die Pinsel- und Büschelalgen lösen sich ab; Entfernen befallener
Blätter, Wurzeln und Steine aus dem Aquarium herausnehmen und auskochen;
Lichtfarben mit geringem Blauanteil wählen;
keine plötzlichen Änderungen in der Beleuchtungsqualität-
und Quantität vornehmen; Heizkabel zur Optimierung
des Pflanzenwuchses verwenden; Flüssigdünger
statt wöchentlicher Gabe mit täglicher
Zugabe verabreichen.
Schmerlen der Gara-Familie fressen Pinselalgen, auch algenfressende Garnelen
(Caridina japonica) können Abhilfe schaffen
Fischbesatz
reduzieren, Zahl und Intensität der Teilwasserwechsel erhöhen, überalterte
Neonröhren austauschen, Lichtfarben von bläulichen Spektren zu rötlichen
Spektren verändern (z.B. Dennerle Trocal Plant, Sylvania Daylightstar),
nitrat- und phosphatreduzierende Filtermaterialien verwenden
Algenmittel:
Es gibt keine Algenpräparate, die Pinselalgen zuverlässig in einer Konzentration
bekämpfen, ohne dass gleichzeitig die Pflanzen oder Fische Schaden nehmen
würden

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