Nitrazorb

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von hutzili, 4. August 2004.

  1. hutzili
    hutzili Bekanntes Mitglied
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    Kennt irgendjemand das Produkt Nitrazorb?

    das hab ich von meinem Fischhändler erhalten, weil bei Neueinrichtung des Aquariums der Nitrit-Wert zu hoch war. Das ist so ein Beutel mit einem Pulver drinnen, den man ins Wasser legt und das bindet die Nitrit-Stoffe.

    Einmal am Tag soll man den Beutel rausnehmen und für ca. 2 Stunden in eine Salzlösung geben (dafür hab ich das JBL-NovoSal empfohlen bekommen).

    Dazu jetzt meine Frage: Muss ich jeden Tag eine neue Salzlösung herstellen, oder kann ich dieselbe von gestern verwenden. Die Beschreibung vom Nitrazorb ist nämlich auf englisch und ich hab lediglich eine deutsche Übersetzung erhalten, die aber so unvollständig ist, dass ich mich nicht ganz auskenn.

    Ich verwende das jedesmal nach dem Teilwasserwechsel, der Nitritwert ist seither immer 0, Nitratwerte liegen aber zw. 20 und 40 mg/ltr, da bereits das Leitungswasser auch diese Werte hat. Und mit dem Nitrazorb wird neben Nitrit auch Nitrat und Ammoniak gebunden.

    Wäre Euch für Eure Hilfe sehr dankbar, lg Hutz
     
    #1 4. August 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    ich kann dir mal eine kleine zusammengefasste Gebrauchsanweisung geben:

    Wirkung:
    • entfernt gezielt Ammoniak, Nitrit und Nitrat im Süßwasseraquarium
    • ist ein regenerierbares Filtermedium aus natürlichen und synthetischen Ionenaustauscherharzen
    • verbessert die Wasserqualität in stark belasteten Becken beträchtlich

    Anwendung:
    • Ein Beutel mit 210 g reicht für Aquarien bis 200 Liter. Den Beutel mit Leitungswasser spülen und dann direkt in den Aquarienfilter legen. Nach dem Ende der Bindungskapazität den Beutel in einer warmen Salzwasserlösung regenerieren.

    Das wars dann auch schon.

    >> Einmal am Tag soll man den Beutel rausnehmen und für ca. 2 Stunden in eine Salzlösung geben (dafür hab ich das JBL-NovoSal empfohlen bekommen).
    Also - wenn nicht eben massig Nitrit nachweisbar war/ist muss das nach meiner Erfahrung nicht täglich rausgenommen und regeneriert werden. Eine wöchentliche Regenerierung sollte normalerweise genügen. Ich weiss jetzt leider nicht, wieviel mg Stickstoffverbindungen die Packung binden kann. Aber bei vergleichbaren Produkten liegt dieser Wert bei 9.000 mg (JBL NitratEX).
    Dort wird bei der Regeneration angegeben (JBL NitratEX):
    • In einem Kunststoffgefäss (nicht Metall!) eine Salzlösung herstellen aus 100 g jodfreiem Kochsalz und 1 l Wasser. Netzbeutel ein bis 2 Tage in diese Lösung legen und öfter hin und her bewegen, leichtes Kneten sorgt für eine optimale Durchdringung des Harzes mit Salzlösung (Anm.: ein Ausströmerstein unterhalb des fixierten Harzkissens tuts vermutlich gründlicher). Danach Beutel gründlich in frischem Wasser spülen. Je sorgfältiger diese Regeneration des Harzes durchgeführt wird, desto länger bleibt die optimale Bindungskapazität erhalten. Bei diesem Produkt soll max. 30 °C heisses Wasser zum Regenerieren verwendet werden. Ich weiss zwar nicht, warum es nicht heisser sein darf, habe allerdings im Hinterkopf, dass dann möglicherweise in Verbindung mit dem NH4 eine explosive Salzwasser-NH4-Mischung entstehen könnte.

    [edit]: falsche Formel entfernt, Wirkungsweise siehe bitte die nachfolgenden Postings.

    Die Nitrat-Reduktion muss bei sorgfältiger Anwendung übrigens schon nach 2 Tagen erfolgt sein. Ist dann noch immer Nitrat in der gleichen Konzentration wie vor der Anwendung im Wasser, hast du etwas falsch gemacht, z.B. den Beutel vor der ersten Anwendung nicht in Wasser gelegt.
    Die Anwendung über mehrere Tage ist auch deshalb sinnvoll, weil die Harze nach erfolgreicher Stickstoff-Bindung keine Nitrate oder Nitrite mehr ans Aquariumwasser abgeben.

    Das NovoSal ist zwar geeignet, allerdings wärst du mit ganz normalem jodfreien Meersalz um einige Euros billiger ausgestiegen.

    >> Dazu jetzt meine Frage: Muss ich jeden Tag eine neue Salzlösung herstellen, oder kann ich dieselbe von gestern verwenden.
    Ja, bei jedem Regeneriervorgang eine neue Salzlösung herstellen.


    Neben NH4 werden natürlich auch negativ geladene Stickstoff-Verbindungen entfernt, also Nitrit und Nitrat.

    Du solltest also die Wirksamkeit bzw. Effektivität messen können, indem du die Salzlösung auf Nitrit-Stickstoff (Nitrit-Test) bzw. Nitrat (Nitrat-Test) prüfst.

    Lg
    Jürgen[/list]
     
    #2 4. August 2004
  4. Starbuck
    Starbuck Mitglied
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    Hallo!

    "NH4Cl + NaNO2 => NaCl + N2 + 2 H20"

    für diese Reaktion ist ziemlich viel Wärmeenergie notwendig. Sie läuft nämlich nur im festen Aggregatzustand ab - und zwar unter starkem Erhitzen, will sagen >100°C!!!
    In gelöster Form (Ionen) niemals.
    Die Ionentauscher binden Nitrit als Anion im Austausch gegen Chlorid. Ammonium als Kation dürfte gegen Protononen getauscht werden.
    Deshalb mußt du die Ionentauscherharze auch regenieren. Die Salzlösung dürfte u.a. NaCl (Kochsalz) enthalten.
    Und ja, ich würde jedes Mal neue Salzlösung ansetzen, um die vollständige Regeneration der Ionentauscher zu gewährleisten.
    Grüße
     
    #3 5. August 2004
  5. hutzili
    hutzili Bekanntes Mitglied
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    sorry, das versteh ich jetzt nicht. ich hab ja nur ein sackerl mit einem pulver drinnen, und das regenerier ich eh schon, wie oben geschrieben.
    was meintest du damit, dass ich noch zusätzlich regenerieren soll??
    bitte auf deutsch für nicht-physiker und nicht-chemiker
     
    #4 5. August 2004
  6. Philipp
    Philipp Bekanntes Mitglied
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    Auwei, Jürgen.... da hast aber wirklich eine gewagte Formel aufgestellt. Da kann ich mich Starbuck nur anschließen!

    Bei einem Ionenaustauscher läuft KEINE chemische Reaktion ab!!!

    Das geht nur über ionische Wechselwirkungen. Das Trägermaterial im Sackerl ist also z.B. negativ geladen - und das Ammonium (NH4)+ ist ja positiv geladen (also ein Kation). Durch die ionische Wechselwirkung (+ und - ziehen sich an) wird so das Ammonium an das Trägermaterial gebunden.
    Analog läuft es mit einem positiv geladenen Trägermaterial und dem Anionen Nitrit (NO2)- ab.
    Nitrat ist ungeladen und kann deshalb von einem Ionenaustauscher nicht gebunden werden.

    Um sowohl Nitrat als auch Ammonium zu binden ist in dem Sackerl also sehr warscheinlich ein Gemisch aus positivem Trägermaterial (Anionenaustauscher) und negativem Trägermaterial (Kationenaustauscher).
    Nachdem das Sacker einige Zeit im Aq war ist der Anionenaustauscher dann mit Nitrit beladen und der Kationenaustauscher mit Ammonium.
    Gibt man das Sackerl nun in eine Salzlösung, so werden die gebundenen Ionen ausgetuscht (--> daher die bezeichnung "Ionenaustauscher")
    Das postitiv geladene Na+ verdrängt das (NH4)+ und das negativ geladene Cl- das (NO2)- solagen bis sich ein Gleichgewicht einstellt. Das soll heißen: die verträngung findet nur solange Statt, bis das Verhältnis von z.B. Na+ und (NH4)+ AM Trägermaterial gleich groß ist wie in der Lösung. Deshalb sollte immer wieder eine frische Lösung verwendet werden um das Trägermaterial zu regenerieren, da sonst immer weniger austausch stattfinden kann.

    Ich hoffe das war jetzt halbwegst verständlich - war eh schon stark vereinfacht :roll: .
     
    #5 5. August 2004
  7. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    > Durch die ionische Wechselwirkung (+ und - ziehen sich an) wird so das Ammonium an das Trägermaterial gebunden.

    Das ist mir schon klar. Ich will eine Formel, WIE das dann genau abläuft.
    Hab keine finden können im I-net, mit Ausnahme dieser Reaktionsgleichung, die zum Ablauf Wärme benötigt.
    Müsste doch für dich oder Werner zu machen sein, hmm?

    Grüsse,
    Jürgen
     
    #6 5. August 2004
  8. Starbuck
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    Wie der Ionenfänger aussieht, hängt natürlich vom Harz ab, das verwendet wird (oder auch andere Materialien wie Silicon etc.)
    Die Oberfläche dieser Ionentauscher ist aktiviert, dh. mit spezifischen, meist geladenen Gruppen versehen, die im Falle von Anionentauschern (z.B. Nitrit, Nitrat (ist auch geladen -I!)) positiv geladen sind.

    Bsp.:

    Matrix-N(CH3)3Cl + NO2- --> Matrix-N(CH3)3NO2- + Cl-


    Regeneration durch Kochsalzlösung (enthält NaCl (Kochsalz)):

    Matrix-N(CH3)3NO2 + Cl- --> Matrix-N(CH3)3Cl- + NO2-

    In die aktive Gruppe ein trimethylierter Ammoniumrest. Das Gegenanion ist Chlorid (Cl-). Die Reaktion ist eigentlich ein Gleichgewicht. Unter Überschuß von Nitrit oder anderen Anionen wird es gemäß der ersten Gleichung verschoben. Um den Anionentauscher zu regenerieren, muß man Chlorid wieder im Überschuß zuführen, daher auch die Salzlösung.
    ich hoffe, ich konnte es zufriedenstellend veranschaulichen!?
    Grüße
     
    #7 5. August 2004
  9. wklotz
    wklotz Moderator
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    Sascha hat schon erklärt, wie der Austausch der Ionen an der Oberfläche des Trägermaterials abläuft. Ohne dass man genau weiß, welches Material im jeweiligen Fall verwendet wird, kann man den Ablauf nicht viel genauer darstellen als es Sascha gemacht hat.

    Zu den Ausführungen von Phillipp möchte ich noch korrigieren:
    Das NH4+ Ion ist positiv geladen und Nitrat NO3- ist natürlich auch ein Ion und negativ geladen.

    mfg Werner
     
    #8 5. August 2004
  10. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Oki, danke - ich bin zufrieden ;-)
    Jetzt werd ich mal meine reisserische Formel editieren :oops:

    Grüsse,
    Jürgen
     
    #9 5. August 2004
  11. Philipp
    Philipp Bekanntes Mitglied
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    stimmt - war ein Tippfehler

    stimmt - war ein Denkfehler

    danke für die Richtigstellung!

    lg
    Philipp
     
    #10 5. August 2004
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