Quarantäne für "neue Fische"....

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Leo, 21. Dezember 2003.

  1. Leo
    Leo Bekanntes Mitglied
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    Hallo!

    Wie versprochen, hier ist er, mein Artikel:

    Die Quarantäne bei zugekauften Fischen:

    So mache ich das, in Anlehnung an Rolf Meyer:

    Ich hab’ da so ein 40cm-Pfützchen, 40x25x25, mit einer Glühbirne (25 W) als Beleuchtung und mit einem Heizer und mit einem kleinen Innenfilter (Rena). Ein Durchlüfter ginge auch/habe ich auch. (ist auch zur Krankheitsbehandlung sinnvoller als ein Filter)
    Den „Unterschrank“ hab’ ich selber gebastelt, aus dekor-furnierten vom Bauhaus zugeschnittenen Spanholz-Platten.
    DAS hab’ sogar ich handwerklich völlig unbegabtes Wesen hingekriegt, und damit wertvollen Stauraum gewonnen... :gut:

    Bevor ich Fische kaufen gehe – 50% Wasserwechsel mit normalem Leitungswasser, ohne Wasseraufbereiter.
    (Meist muß ich auch die Pflanzen, die grad drin sind umquartieren...)
    Am nächsten oder übernächsten Tag komme ich mit den Fischen an – die kommen mit offenem Transportbeutel bei ausgeschaltetem Licht erst mal zur Temperatur-Angleichung ins Becken gehängt (Wäscheklammer geht gut)
    Bei Lebendgebärenden: Das Q-Becken vorher aufsalzen, mit dem Wert, den ich beim Zoohändler :?: erfragt habe.
    Profis messen die Wasserwerte im T-Beutel! (na, vielleicht komm’ ich auch noch so weit...)
    Nach 20 min, einer halben Stunde entleere ich den Transportbeutel in einen kleinen Eimer (faßt 6-7 Liter)
    Dann kommt mal ein viertel Liter Beckenwaser dazu. Später wieder.....-> Wasserwerte langsam angleichen.
    Dann keschere ich sie ins Q-Becken. Ich schau eben, daß mir kein Transportwasser da mitreinkommt....hab’ da einfach ein schlechtes Gefühl dabei...
    Seit ich die Vitamintropfen hab’ gibt’s die dazu (Vit-B->Schleimhautschutz, andere Vitamine – bei Streßsituationen nicht schlecht)
    Mein Filter kann Luft mitreinblasen – das laß’ ich ihn mal -> in Sauerstoffreichem Wasser fühlen sich viele Fische sehr wohl, viele Krankheitserreger vermehren sich schlechter. Es gibt dazu auch diese Sauerstoff-Tabletten. Das hab’ ich nur einmal ausprobiert, danach wieder gelassen. Mir scheint, wenn Luftreingeblasen wird bzw. die Oberfläche bewegt ist, daß man da nicht noch mehr Sauerstoff reinkriegt....
    Tja: dann wird beobachtet: :lupe: 3 Tage lang. Und nicht gefüttert.(Das halten die ohne weiteres aus)
    Bei Wildfängen, die Darmparasiten haben könnten, wird empfohlen, den Kot mehrmals täglich abzusaugen – mach ich nicht.
    Wenn sich alles im grünen Bereich bewegt – dann beginne ich sparsam zu füttern.
    Mein persönliches „Lieblingsfutter“ dafür sind gefriergetrocknete Mückenlarven. Fürs erste, weil sie relativ lange nicht untergehen, fürs zweite: was ist da drin, daß fast alle Fische „so heiß“ drauf sind. Mit Flocken gibt’s da schon Fische, die nicht draufgehen – außerdem belasten die ja das Wasser mehr. Bevor ich Flocken wähle, würd ich eher eine Tablette nehmen (meine beiden Sorten Sera und Dennerle werden von allen Fischen supergerne gefressen).
    Bei Panzerwelsen oder anderen „Bodenfischen“ geht eh’ nur die Tablette oder Gelatinefutter. Sonst Lebendfutter/Tiefgekühltem den Vorzug geben...
    Tja: Wenn Ausfälle, dann geht’s jetzt los: 3-4 Tage nach dem Kauf.
    Manchmal kippt einer ohne Symptome weg. Wenn Krankheiten – dann geht’s auch jetzt los....
    2 Möglichkeiten:
    a) alles o.k. -> nach einer Woche Wasserwechsel machen (das Becken faßt nur ca. 25l, das ist recht wenig)
    nach zwei Wochen 50% Wasser von dem Becken, in das sie reinsollen einwechseln – ich schreib’ jetzt extra: Langsam einwechseln.... Jedes Becken hat sei eigenes „Mikrobenklima“, so kann man schauen, ob die Neulinge das packen, bzw. die können sich das auch einmal anschauen und sich in Ruhe dran gewöhnen.
    Dann noch 2-3-4 Tage schauen – Rüberkeschern, per Litermaß ins große Becken „entlassen“...
    Variante: mit dem Wasser vom Becken einen Fisch vom Becken mitdazugeben (sollte aus der gleichen Familie stammen) – Das ist dann der Test, ob die Neuen Fische Keime mithaben, die den alten Bestand schädigen. Das ist bei Lebendgebärenden häufig der Fall. Selber tuts ihnen nichts, aber die haben was mit – die neuen überleben, die alten putzt es.
    b) nix o.k. – Krankheitsanzeichen: :hin: behandeln und auskurieren. Damit die Medikamente wirken – darf eben kein Wasseraufbereiter drin sein. Wenn auskuriert – 2 große Wasserwechsel (Medikamente müssen weg) und wieder 10 Tage beobachten, ob sie nicht rückfällig werden.... :twisted:

    Zu den Lebendgebärenden: Wegen der salzerei kaufe ich die separat, das geht leichter...

    Zum Becken: ist superpraktisch, läuft immer mit, sei es um einen Bund Pflanzen :klee: zwischenzulagern, einen kranken Fisch zu separieren, oder einen von dem man es glaubt „zur Beobachtung“ rüberzusetzen, zur Behandlung mit Medikamenten, als „Brutbecken“ für Cory-Eier, als Wurfbecken für Guppys/Platys (dann aber dicht bepflanzt)
    Theoretisch könnte man es auch zur Wasseraufbereitung nützen, einen Strumpf mit Torf rein und das Leitungswasser damit verschneiden, beim Wasserwechsel, soll ja für Salmler ganz gut sein....
    Und wieder theoretisch: Man könnte mit Plexiglas gaanz vorne ein Abteil mit so 2-3 cm Breite machen und hätte schon eine Art improviesiertes Fotobecken..... :shock:
    Es soll ja auch Fische geben, die sich in so einer Pfütze zur Fortpflanzung bewegen lassen, ich hätt’ da schon ein Paar Ideen – aber das kriegt ihr alles ins Züchterforum gepostet, sobald ich den „Neuen Pinter“ hab’ >>freu<<

    Die Gedanken zur Quarantäne/zum Q-Becken allgemein: Fürs erste ist es ärgerlich, wenn man sich diese lästigen Kiemenwürmer :angry: einfängt – die sind eine echte Plage! Und in den Händlerbecken – naja, nicht gerade selten (mit einer Ausnahme – bisher - wie macht er das bloß?). Dann gibt’s Fische, die leben versteckt. Spontan fällt mir da der von vielen geliebte Zebrawels ein – tja – im Q-Becken hat man Gelegenheit, mal zu schauen, was los ist. Ähnliches denke ich mir bei den Otocinclus-Welsen – wenn die alle mal im Dschungel sind, hast null Kontrolle, über deren Gesundheitsbild.
    Es ist schon vorgekommen, daß man Fische mit angebissenen Flossen heimbringt – oder solche, die sich im Transportbeutel oder beim Fang Verletzungen zugezugen haben – das heilt im relativ „Keimarmen“ Q-Beckenwasser besser...bzw. würde da auch Meersalz-Zusatz ein Mittel sein...
    Und man liest im Internet von Wildfängen, die eine weite Reise hatten und dementsprechend desolat und ausgehungert daherkommen – die gehören angeblich aufgepäppelt, bis der Bauch nicht mehr so eingefallen ist und sie etwas „zugelegt“ haben – das dauert aber sicher länger als zwei Wochen.
    Und dann gibt’s die Futterfrage: Die Fische können „in Ruhe“ lernen, was es alles zu mampfen gibt, im Neuen Domnizil. Und würden sie von Anfang an zu den anderen kommen – naja, da ist es schon schwerer....Da schwimmt was freßbares? Soll ich probieren? Bis der „Neue“ Fisch den Gedanken zuendegestrickt hat, hat ihm der „Alte Schwarm“
    alles weggefressen...


    Und zum Schluß: Die größte Fischmenge, die ich einmal da drinn hatte waren 16 Schlußlichter und 4 Otocinclus-Welse. :blaulicht:
    Das würde ich nicht nochmal machen, bei der Menge Fisch auf sowenig Raum stehen die auch unter Strom. Hab’ ihnen damals ziemlich bald was Grünes zum Verstecken reingegeben...
    Man sieht also: Das Q-Becken ist eine Art „Ventil“ das den Zustrom von Fischen ins große Becken etwas bremst – deshalb ist auch alles gutgegangen – andere kaufen alle Fische aufeinmal und kriegen den Nitrit nie wieder runter!
    Und ganz zum Schluß: Als Aufzuchtbecken ist das 40er nicht das Wahre, die meisten Fische haben ja viel Nachwuchs, da wird’s bald eng.....und apropos eng: Wer richtig große Fische kauft, und eine Quarantäne machen will, der sollte sich natürlich ein dementsprechend großes Q-Becken anschaffen.

    @Jürgen: Was kostet so eine 40er-Pfütze aktuell? Meine ist ja uralt, die hat’ mich mal angelacht, ist lange am Dachboden leer gestanden...
    Und: Der Artikel fehlt uns noch im katts&co-Forum - kopier Du den rüber, kannst das besser!

    So. Und wenn wer was ergänzen will/Anregungen hat – jederzeit willkommen!


    Liebe Grüße!

    Leo
     
    #1 21. Dezember 2003
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Re: Quarantäne

    Hi Leo,

    ganz vernünftig wie Du das angehst. Vielleicht könnte das Quarantäne-Becken etwas grösser sein, so um die 70 Liter, damit man, wenn man sich mal einen Schwarm grösserer Fische zulegt nicht in Versuchung gerät, die Qu-Zeit zu verkürzen oder gar zu umgehen.

    Von der Verwendung von Sauerstofftabletten im Qu-Aquarium dagegen halte ich nicht viel, diese Tabletten zerlegen sich in Sauerstoff und lassen dabei chemische Stoffe zurück, die den Fischen nicht besonders gut bekommen, v.a. wenn man sich bei der Dosierung vertut. Verätzungen der Schleimhäute könnten u.U. die Folge sein. M.E. haben Sauerstofftabletten wirklich nur in Notfällen eine Einsatzberechtigung, z.B. beim Fischtransport, wenn keine Belüftungsmöglichkeit oder Frischwasserquelle vorhanden ist und die Fische zu "kippen" beginnen. Aber darüber kann man natürlich streiten (und das sollte man auch tun ;-) )

    Lg
    Jürgen
     
    #2 22. Dezember 2003