Trüber Teppich auf Wasseroberfläche

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Philipp, 10. Oktober 2003.

  1. Philipp
    Philipp Bekanntes Mitglied
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    Hi euch allen!

    In meinem kleinen Garnelen-Becken hat sich innerhalb kürzester Zeit (weniger als 1 Tag) auf der Wasseroberfläche ein trüber Teppich bebildet (ziemlich sicher Bakterien).
    Ich hab ihn einfach mit einem Schwamm "abgewischt". Dabei ist er in kleinere Schollen zerbrochen, die im Licht bunt geschimmert haben. Heute morgen war der Teppich dann wieder da.

    Zustandegekommen ist er warscheinlich, weil in dem Becken so gut wie keine Oberflächenbewegung ist. Gefiltert wird mit einem luftgetriebenen Billy-Filter.
    Den Garnelen geht es gut.
    Soll ich mir wegen des Teppiches Sorgen machen, oder stellt der keine Gefahr da?

    lg
    Philipp
     
    #1 10. Oktober 2003
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Re: Kahmschicht

    Hallo,

    es handelt sich dabei um die "Kahmhaut" oder "Kahmschicht". Der Begriff "Kahm" kommt aus dem Weinbau und benennt dort eine aus Bakterien und anderen Mikroorganismen gebildete Schicht, die auf nährstoffhaltigen Flüssigkeiten rasch wächst (Mycoderme vini = Wein-Pilzhaut).

    Aussehen: weisslich-graue hautähnliche Schicht, die an der unbewegten Wasseroberfläche "verschoben" und gebrochen werden kann und u.u. auch ölig schillert. Es handelt sich dabei jedoch definitiv nicht um einen Ölfilm.

    Im Aquarium besteht diese Schicht aus Hefepilzen, Bakterien und Hausstaub, die von der Oberflächenspannung des Wassers getragen wird. Es handelt sich dabei NICHT um eine Fettschicht, wie mancherorts irrtümlich beschrieben, sondern ursächlich um eine Schicht aus Hefepilzen, die zusätzlich an ihrer Oberfläche von Bakterien besiedelt werden.
    Die Hefepilze sind sehr sauerstoffbedürftig und können nur an der Wasseroberfläche wachsen. Sie spalten dort mit Hilfe der Bakterien organische Abfallstoffe auf, die mit dem Futter bzw. Fischkot ins Wasser gelangen. IdR handelt es sich dabei um Eiweissverbindungen, die nicht oder nur unzureichend von den Filterbakterien im Wege des Stickstoffkreislaufs umgebaut werden.

    Daneben ist auch die Entstehung der Kahmhaut durch Bakterien wiederholt beschrieben worden, Stäbchenbakterien, die in Kolonnen die Wasseroberfläche besiedeln und dort mit Hilfe des Luftsauerstoffs aerob anfallende organische Stoffe aufspalten können - im Prinzip die gleiche Tätigkeit, die auch die sessilen (=festsitzenden) Filterbakterien verrichten. Möglicherweise ist jedoch im Aquarium aufgrund hoher Fischdichten nur ein unzureichendes Sauerstoffangebot (auch durch hohe Pflanzzahlen in den Nachtstunden möglich) verfügbar und die Bakterien "müssen" an die Wasseroberfläche "ausweichen" oder finden dort, v.a. bei unbewegter Wasseroberfläche, optimalere Vermehrungsbedingungen vor als im Filtersubstrat. Das würde auch erklären, dass in "perfekten" Aquarien mit geringem Fischbesatz und optimalem Pflanzenwuchs und daraus resultierend sehr guten Wasserwerten mit geringem Nitrat/Phoshat-Depot Kahmhaut auftreten kann. In diesem Fall könnte eine nächtliche Belüftung des Aquariums sicher Abhilfe schaffen, indem nachts das (überflüssige) CO2 ausgetrieben wird, das Wasser mit Sauerstoff angereichert und durch die Oberflächenbewegung der Luftperlen die Kahmschichte zerstört wird. Natürlich unter der Voraussetzung, dass man nicht mittels elektronischem pH-Mess- und Regelgerät einen bestimmten pH-Wert (CO2-Zufuhr) voreingestellt hat und diese Bemühungen damit erschwert oder zunichte macht. In dem Fall würde nur durch die Oberflächenbewegung die Kahmschichte zerstört werden. Diese nächtliche Belüftungs-Aktion über eine Woche kann aber schon ausreichend sein, dass die Kahmhaut für immer (oder für eine längere Zeit) verschwindet.

    Ursachen für Kahmhaut:

    1. zu geringe Wasserbewegung (Abhilfe --> Luftpumpe installieren, Oberflächenabsauer in Kombination mit einem Aussenfilter verwenden, Diffusor in Kombination mit einem Aussenfilter verwenden, Wasserauslauf vom Filter so einstellen dass das gereinigte Wasser INS Aquarium plätschert und die Kahmschicht zerstört)

    2. zu starke Wasserbelastung (Abhilfe --> Fischbesatz und in der Folge die Futtermenge reduzieren)

    3. zu geringe Filterleistung (Abhilfe --> Filter mit grösserem Filtermassenvolumen bzw. höherer Leistung wählen)

    4. zu geringer Sauerstoffgehalt im Wasser (Abhilfe --> Oxydator verwenden, Luftpumpe installieren); Sauerstoff unterstützt mit seiner oxidierenden Wirkung die Filterleistung


    Die Kahmhaut wirkt sich - neben der optischen Beeinträchtigung - im Aquarium insofern nachteilig auf das System aus, als die Sauerstoffdiffusion (eigentlich der gesamte Gasaustausch) zusätzlich erschwert wird. Für Fische ist die Schicht unschädlich. Mosaikfadenfische und Lebendgebärende fressen die Schicht sogar von der Wasseroberfläche, und auch Panzerwelse hab ich schon beim "Beckenrandschwimmen" und Kahmhautschlürfen beobachtet.
    Entfernen kann man sie mit Löschblättern oder Papier, das man kurz auf die Wasseroberfläche legt und dann wieder entfernt. Die Kahmschicht bleibt dann auf dem Papier haften. Küchenpapier ist dafür auch sehr gut geeignet (Küchenrolle), von Zeitungspapier würde ich - wegen der Druckerschwärze - absehen.
    Natürlich kann man die Schicht auch abschöpfen, die Frage ist nur, ob sie dann am nächsten Tag doch wieder gleich stark vorhanden ist. Am zuverlässigsten kann man sie mit einem stark perlenden Ausströmer zerstören. Oft hilfts schon, wenn man die Luftpumpe einige Tage laufen lässt, dass sie dauerhaft verschwindet.
    Eine andere Möglichkeit wäre die Verwendung von antimykotisch und antibakteriell wirkenden Medikamenten; aber davon rate ich prinzipiell ob der schädlichen Auswirkungen auf das Gesamtsystem ab und sei auch nur als theorethische Variante erwähnt.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 10. Oktober 2003
  4. Philipp
    Philipp Bekanntes Mitglied
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    Hi Jürgen!

    Dann mach ich mir mal keine allzugroßen Sorgen. Sauerstoffarm sollte das Wasser ja nicht sein - es ist ja eine luftbetriebene Pumpe.

    Versuchsweise hab ich jetzt mal den kleinen Schwamm beim Auströmer entfernt - und das reicht anscheinend auch schon - die Kahmhaut ist schon so gut wie weg.
    Ich hab den Schwamm ja dort installiert um die kleinen Amanolarven zu schützen - die sind aber nicht gekommen... also brauch ich den Schwamm auch nicht mehr.

    lg
    Philipp
     
    #3 10. Oktober 2003