Warum Fische an neues Wasser anpassen?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Bernd, 19. Juni 2004.

  1. Bernd
    Bernd Bekanntes Mitglied
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    Hy.

    Mir ist gerade noch etwas eingefallen dass sich aber grundsätzlich auf alle
    "Fischgeschäfte" bezieht. Ich hab' oft Nachwuchs und verkauf den meistens an irgendeinen Händler zurück. Wies halt grad geht. Meistens an den der am meisten bezahlt. Aber egal um das geht es nicht.

    Wenn man Fische kauft wird einem ja immer gesagt: Schön langsam umsetzten usw. und auf den Säckchen steht das auch meistens drauf (Temperatur anpassen und Wasser vermischen und auf keinen Fall das Wasser ins Aquarium leeren).
    Wenn ich Fische zurückgebe (egal welches Geschäft), wird das Transportsackerl geöffnet, ein geeignetes Becken gesucht und schwupp Fische mit Wasser im Becken.

    Wo bleibt da das "Temperatur anpassen und Wasser vermischen und auf keinen Fall das Wasser ins Aquarium leeren"???
    Angenommen ich hätte kranke Fische bzw. Krankheiten im Wasser hätte der Händler sie jetzt auch. Haben die da keine Angst vor so etwas??? (Die Frage ist vor allem an JÜRGEN gerichtet, ich weiß ja nicht wie du das machst, aber hast du da eine plausible Antwort für mich)?

    MfG Bernd
     
    #1 19. Juni 2004
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  3. Dominik
    Dominik Bekanntes Mitglied
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    hi!

    ja die antwort würd mich auch interessieren!

    lg
     
    #2 19. Juni 2004
  4. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    alsoooo... ich bekomme eine Zierfischlieferung, das sind dann etwa 15 Kartons, mal mehr mal weniger. In jedem Karton sind etwa 12 Beutel mit Fischen drin, würde 180 x anpassen bedeuten. Das schaff ich von der Zeit her nicht, das Einsetzen der Fische dauert so schon an die vier Stunden.

    Anpassungen nehme ich bei Wildfangtieren vor, also Roten Neons z.B. oder L-Welsen, bei Lebendgebärenden wenn ich weiss, dass sie in Salz gehältert werden, bei Discusfischen, bei stark transportgeschwächten Tieren - bei Panzerwelsen ist das meistens dringend notwendig - oder bei stark belastetem Transportwasser, wie das bei Platys oder Goldfischen oft vorkomm.
    Die Fische sind durch den Transport ziemlich gestresst, das Wasser in den Beuteln ist meistens miserabel und stark belastet. Im dunklen Karton sind sie ruhiggestellt. Wenn ich jetzt grossartige Anpassungen vornehme, die ja nur gehen würden, indem ich die Beutel in die Becken hänge (denn ich kann ja nicht 150 Kübel rumstehen haben), 'erwachen' die Fische aus ihrer 'Lethargie' (nenn ma das mal ruhig so), sie bekommen irrsinnigen Stress:

    - da ist plötzlich Licht
    - da gäbe es eine Fluchtmöglichkeit aus dem Beutel ins Aquarium, wo schon andere Fische schwimmen, aber - sie kommen nicht raus
    - die Fische können ihr Seitenlinienorgan im runden Beutel nicht benützen, Schallwellen, die entstehen, wenn alle gegen den Beutel schwimmen, werden im runden Beutel x-fach gebrochen, reflektiert, mit anderen Worten: das totale Schall-Chaos entsteht.
    - dann: die anderen Fische schwimmen an den Beutel ran. Die Fische im Beutel können aber mit ihren Sinnesorganen keinen 'Kontakt' mit diesen Fischen aufnehmen, sie 'spüren' die Absicht der alten Beckeninsassen nicht und bekommen daher noch mal ziemlich Stress.
    - jetzt wird auch noch der Sauerstoff im Beutel knapp, wenn man sich an die 15 min Anpassung halten würde, denn der O2-Verbrauch unter Stress steigt um ein Vielfaches an. Die Fische koten in ihrer Angst und die Konzentration an Ammonium oder Ammoniak steigt ebenfalls gewaltig an.

    Wenn man die Wasserwerte des Grosshändlers kennt und die mit den eigenen WW identisch oder beinahe identisch sind und sich auch die Temperaturen im Beutel nicht zu sehr von den Beckentemperaturen unterscheiden ist das alles nicht notwendig: Box auf, Kontrollblick in den Beutel, Beutel aufschneiden, Fische und Wasser über ein Netz abgiessen und die Fische rein ins Becken. Das klingt brutal, ist es auch. Aber - es minimiert den Stress der Fische ganz erheblich bzw. vermindert die Stresszeit.

    Das Transportwasser sollte man nicht in sein Becken geben. Viele Krankheitserreger haben ihr Vermehrungsstadium im freien Wasser, nicht am Fisch selber. Ebenso muss man sich nach den Wasserwerten erkundigen. Auch das Reinkippen der Fische ins Aquarium bei Temperaturunterschieden von mehr als 2 °C ist ein grober Fehler.

    Ich sehe auf einen Blick, ob deine Fische o.k sind. Wenn die Fische also gesund aussehen hab ich keine Angst vor Krankheiten, zumindest nicht vor solchen, die ich nicht selbst behandeln könnte.
    Aber - ich verrate dir/euch ein Geheimnis: ich kaufe selber ziemlich viele Nachzuchten von Aquarianern zurück, ja - ich tausche sogar Fische, die meine 'Pappenheimer' in Unkenntnis in anderen Läden 'angedreht' bekommen haben, problemlos um (mit einem kleinen Abschlag natürlich), aber: in den fast 7 Jahren als Zoo-Händler ist es mir nicht ein mal passiert, dass ich mit der Sackerl-auf-rein Methode eine Krankheit eingeschleppt hätte, wenn die Nachzuchten von privat kamen bzw. ich den Kunden kannte.

    Man darf einfach nur nicht den Fehler machen, die Nachzuchten zu gewerblichen Nachzuchten der gleichen Art in ein Becken zu kippen, das geht fast immer schief. Das ist dann auch das gleiche Problem, das Aquarianer im kleineren Umfang haben: nämlich dass man sich beim Ergänzen eines Bestandes einer Art bei einem Neukauf einen Erreger einschleppt, auf den entweder die Neuen nicht vorbereitet sind oder den die 'Altfische' nicht kennen und dann daran erkranken. In diesem Fall wäre ein Quarantäne-Aquarium zu verwenden.

    Das Anpassen der Fische an andere Wasserwerte verhindet ja nicht 100%ig den Ausbruch von Krankheiten, ganz sicher nicht! Die Fische kommen entweder in Kontakt mit neuen Keimen und erkranken daran oder auch nicht, oder tragen neue Keime ins Becken ein, an denen dann auch die Neuen oder - meistens - die Alten erkranken (oder eben nicht). Das passiert aber auch nach stundemlangen Anpassen, das ändert kaum etwas an dieser Situation. Der Umsetzstress wird dadurch ja nicht vermindert.
    Es schützt den transportierten Fisch davor, einen Osmose-Schock oder einen Temperatur-Schock, einen pH-Schock oder einen anderen direkten Schaden durch das Umsetzen selber zu erleiden, der den Fisch entweder sofort tötet oder soweit schwächt, dass er von an und für sich latent vorhandenen Keimen oder Einzellern befallen wird und dann daran erkrankt.
    Aber das Anpassen der Fische nach der auf den Beuteln angegebenen Methode verringert einige Stressfaktoren ganz wesentlich, die eine Erkrankung der neuen Fische bzw. des Altbestandes (in einer Kettenreaktion) verursachen könnten. In der Minimierung dieser Stressfaktoren besteht auch die grösste Chance, Krankheiten vorzubeugen. Trotzdem bleibt der Transportstress selber natürlich erhalten, die Eingewöhnungszeit, die fremde Umgebung, die (wenn auch minimal) geänderten Wasserwerte, das neue Futter, die andere Beleuchtung, andere Wassertemperatur.

    Wenn sich eure Händler also nicht nach euren Wasserwerten erkundigen, euch nicht kennen und die Fische ohne Temperaturprüfung oder Anpassung mitsamt dem Beckenwasser ins Händlerbecken kippen ist das schon ziemlich riskant. Ich würde das so ohne weiteres nicht machen. Aber ich kenne ja meine Leute ziemlich gut, meistens den kompletten Fischbestand und - im ggs. zu vielen - auch die wichtigsten (Leitungs-)Wasserwerte. Eine beiläufige Frage nach dem Wohnort genügt mir da schon. Vermutlich hören eure Zoo-Händler aus den wenigen beiläufigen Worten zur Transaktion mehr heraus als ihr bemerkt. Oder sie sind einfach nur d&d :mrgreen:

    Lg
    Jürgen
     
    #3 20. Juni 2004
  5. masterperegrin
    masterperegrin Bekanntes Mitglied
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    Ist das Reinkippen an sich (nachdem man die Temperatur per Sackerl ins Becken reinhängen angeglichen hat) auch ein grober Fehler? Jetzt einmal abgesehen von der Sache mit den Krankheitskeimen im Transportwasser.
     
    #4 20. Juni 2004
  6. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Wenn man die Wasserwerte nicht angeglichen hat bzw. die Wasserwerte im Transportbeutel nicht annähernd mit den Werten im Hälterungsbecken identisch sind ist das eine grobe Nachlässigkeit, ja.
     
    #5 20. Juni 2004
  7. Klaus R.
    Klaus R. Bekanntes Mitglied
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    Hi

    Boah,wenn ich das so lese muß mein Händler mit den Wasserwerten gut übereinstimmen mit meinen.
    Ich gleiche zwar die Temp. aus,aber das Wasser habe ich immer mit reingegeben.Nach anpassung der Temp. kippe ich den Beutel damit sich das Wasser mischt und dann warte ich bis die Neuankömmlinge von selbst ins Aq schwimmen.
    Hatte aber noch nie Probleme mit eingeschlebten Krankheiten,aber ich habe ja einen guten Händler.

    Mfg Klaus
     
    #6 20. Juni 2004
  8. Schorsch
    Schorsch Bekanntes Mitglied
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    [/quote] Boah,wenn ich das so lese muß mein Händler mit den Wasserwerten gut übereinstimmen mit meinen.

    ja bei mir auch ich kippe auch den ganzen beutel rein
     
    #7 24. Juni 2004
  9. Bernd
    Bernd Bekanntes Mitglied
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    Hy.

    Ich würde nie das Wasser vom Beutel ins Becken leeren. Hab' da so meine Bedenken.

    Wenn ich in meinem Becken 25°C habe und dann zu meinem Händler fahre verändert sich die Wassertemperatur nach oben oder nach unten (kommt auf die Jahreszeit an) und beim Händler hats wieder eine andere Temperatur denke ich dass es schon nötig wäre wenn er die Temperatur angleichen würde. Zumindest tun das die meisten Händler die ich kenne wenn sie Lieferungen von den Großhändlern bekommen.

    MfG Bernd
     
    #8 24. Juni 2004
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