Warum sinkt die GH nicht, wenn die KH reduziert wird?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Jürgen Ha, 16. Januar 2004.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Warum sinkt die Gesamthärte nicht mit ab, wenn die Karbonathärte reduziert wird?

    Interessante Frage, Joschi, die ich Dir leider nicht beantworten konnte. Also hab ich mir mal Sanders Buch "Aquarientechnik" geschnappt und ein wenig nachgelesen.

    Ich zitiere mal (aber auch in jedem Chemie-Buch nachlesbar):
    Die Gesamthärte entsteht durch gelöste Ionen der Erdalkalimetalle. Innerhalb dieser Gruppe bilden vor allem Calcium und Magnesium die Wasserhärte. Die Gesamtsumme aller gelösten Erdalkaliionen bildet die Gesamthärte.

    Die Karbonathärte wird von Salzen gebildet, die aus einer Verbindung von Calcium oder Magnesium mit der Kohlensäure in der Form HCO3- bestehen, nämlich Calciumhydrogencarbonat Ca(HCO3)2 und Magnesiumcarbonat Mg(HCO3)2. Diese Härtebildner entstehen, wenn kohlensäurereiches Wasser im Grundwasserbereich Kalkstein durchströmt. Oberflächenwässer sind daher relativ weich, Wässer aus tiefen Quellen eher hart. Als Teil der Gesamthärte ist die KH in der Regel kleiner als sie.

    Und:

    Neben den Erdalkalikarbonaten gibt es auch Karbonatverbindungen mit Natrium, wie das Natron NaHCO3, das Natriumkarbonat Na2CO3 oder das Kaliumkarbonat K2CO3. Diese Salze werden bei der Messung der Karbonathärte mit erfasst, sind jedoch nicht in der Gesamthärte enthalten, die ja nur die Erdalkali-Ionen berücksichtigt.
    Befinden sich derartige Verbindungen in nennenswertem Umfang im Wasser, kann es zu dem Fall kommen, dass die KH grösser als die Gesamthärte wird. Der überzählige Teil wird dann auch "scheinbare Härte" genannt. Die GH stellt dann die Summe der KH und der NKH dar. Typischer Vertreter für eine solche Zusammensetzung: der Tanganjikasee.
    Durch Kochen kann die Karbonathärte ausgetrieben werden, deshalb auch die Bezeichnung vorübergehende oder temporäre Härte. Das gut wasserlösliche Calciumhydrogencarbonat ist Bildner der temporären Wasserhärte, es fällt bei Kohlensäure-Mangel als Calciumkarbonat CaCO3 (Kalkstein) aus. Ausgetrieben wird beim Kochen ja der Kohlensäure-Anteil des Karbonats, was bleibt verkalkt den Wasserkocher oder die Waschmaschine. Abstehenlassen des Leitungswassers reduziert übrigens auch die temporäre Härte.
    Damit alle "Härtefälle" komplett sind zähl ich noch rasch die Nichtkarbonathärte auf, die ebenfalls von Erdalkali-Ionen gebildet wird. Die Ionen haben sich allerdings nicht mit dem Karbonat verbunden, sondern mit Sulfaten, Chloriden, Nitraten, Silikaten oder Phosphaten. Typischer Vertreter: Calciumsulfat (Gips, CaSO4). Die NKH wird durch Kochen nicht ausgetrieben und daher als bleibende oder permanente Härte bezeichnet.

    Mal davon ausgehend dass in J.'s Aquarium KH-Bildner mit Natrium oder Kalium in grösserem Ausmass vorhanden sind als KH-Bildner aus Salzen von Calcium oder Magnesium-Verbindungen könnte das die Ursache dafür sein, dass bei Reduzierung der Karbonathärte durch KH-Senker die Gesamthärte gleich bleibt. Das Natriumkarbonat oder Kaliumkarbonat werden zwar bei der KH-Messung mitgemessen und reduzieren sich auch durch die CO2-Düngung, finden jedoch in der Gesamthärte keinen Eingang, weil sie keine Erdalkaliverbindungen sind.

    Es könnte aber auch durchaus "banalere" Gründe haben, nämlich dass kalkhaltige Einrichtungsgegenstände bei zu wenig CO2-Zufuhr im Aquarium vorhanden sind und damit das "Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht" in etwa aufrechterhalten wird, weil ausffallender Kesselstein und sich lösende Kalkbestandteile sich bis zum nächsten Wasserwechsel nur unmerklich die KH verändern. Oder dass J. genau die richtige Menge CO2 zusetzt, dass das Calciumhydrogenkarbonat im Lösungsgleichgewicht gehalten wird und nicht als "Kalkrand" am Beckenrand ausfällt und damit KH und GH reduziert. Ergo: keine Reduzierung der Erdalkali-KH-Bildner, die Bestandteil der GH sind. Und deshalb auch keine Reduzierung der GH.

    Lg
    Jürgen
     
    #1 16. Januar 2004
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  3. masterperegrin
    masterperegrin Bekanntes Mitglied
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    Jürgen, dein Engagement ist betretend. Ich komm mir vor wie ein Wurm.
     
    #2 4. Juni 2004
  4. Robin
    Robin Bekanntes Mitglied
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    Hi masterperegrin und Jürgen

    Also ich finde Jürgens Enagemont nicht betretend sondern sehr lobensewert :gut: Er vermittelt einem nicht nur die Lösung sondern auch der Lösungsweg und die Gründe. Ohne jürgen wäre ich nie auf die "Früchte" der Aquaristik gekommen :wink:

    Mach weiter so Jürgen :!:

    LG
    Robin
     
    #3 4. Juni 2004