warum so unterschiedliche ph-werte?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von shary, 3. September 2004.

  1. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    hi
    ich hab da mal eine frage an die chemiker unter euch...
    hab heut mal wieder werte gemessen und ein seit einiger zeit auftretendes phänomen in meinen becken versteh ich nicht...

    in manchen becken sind der ph, gh und kh deutlich niedriger als in anderen...

    112 l
    ph 7,6, gh 12, kh 8, nitrat 10, lw 418
    360 l
    ph 7,6, gh 11, kh 9, nitrat 0, lw 342

    im vergleich dazu:
    140 l
    ph 6,4, gh zw. 5 und 6, kh 3, nitrat 0, lw 190
    54 l
    ph 6,6, gh 7, kh 3, nitrat 0, lw 241
    20 l
    ph 6,7, gh 8, kh 4, nitrat 0, lw 269
    (edit: hab das lw-messgerät nochmal geeicht und nachgemessen, da die werte nicht ganz hinhaun konntn... sind jetzt korrigiert)

    jetzt die frage: ich wechsle in allen becken mit normalem wr leitungswasser (ph 7,6, gh 12, kh 8, nitrat 0, lw 200)... in allen becken sind eichenblätter und wurzeln... das 140er und das 20er haben sandboden, der rest feinen kies... alle haben einen sprudelstein drin, das 360er einen intervallfilter, das 140er einen normalen aussenfilter, das 20er keinen filter, der rest innenfilter... wie kommen diese stark unterschiedlichen ph-werte zu stande? ich hab vor monaten mal mit eichenextrakt den ph auf ca. 6,8 - 7 (je nach becken) etwas runtergedrückt (allerdings auch im 360er und 112er)... dann aber nicht mehr, weil er eben von selbst unten blieb bzw sogar noch sank... blos warum? den hohen wert im 360 könnt ich mir ev noch durch den rieselfilter erklären... aber warum ist er im 112er wieder oben und warum sinkt er zb im 140 so ab? ich mein es stört mich nicht, den welsen taugts... ich würd nur gern verstehen warum das so ist
    lg shary

    nachtrag: weitere werte in allen becken gleich: phosphat zw 0 und 0,5 (verfärbung ist genau dazwischen), nitrit 0, kupfer 0, ammonium/ammoniak 0... alles gemessen mit jbl (ausser der lw natürlich)

    noch was vergessen: im 112er ist der ph immer so und durchaus gewollt, im 360er war er vor ein paar wochen noch bei ph 7! war ein bisserl schleissig mitm messn und bin heut aus den socken gekippt weil er so hoch war... normal bleibt er recht stabil bei 7 - 7,2
     
    #1 3. September 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    ich fühle mich zwar nicht als Chemiker angesprochen, kann aber vielleicht den einen oder anderen Wert - und was die Ursache sein könnte - erläutern. Die chemischen Vorgänge zu erklären ist meine Sache nicht :roll:

    Mal ausgehend davon, dass keine Materialien im Becken sind, die den Lw, GH, KH oder pH-Wert erhöhen oder senken könnten. Sobald Wurzeln drin sind oder Torf bzw. Eichenblätter o.ä. verwendet werden wirds ungleich schwieriger.

    112 l
    ph 7,6, gh 12, kh 8, nitrat 10, lw 418

    Der höhere Leitwert im Vergleich zum 360 l Becken kommt durch den höheren Nitratwert bzw. möglicherweise höherer Futtergaben (mehr Fische) als im 360-er Becken zustande. Möglicherweise ist eine Wurzel (Mangrove) drin, die Nitrat und Salz abgibt. GH und KH sind gleich wie im Leitungswasser - ein Hinweis, dass das Becken noch recht wenig Mulm aufweist, der die KH ähnlich wie Torf schwach kationenaustauschend reduzieren kann. Kaum bis keine raschwüchsige Pflanzen.

    360 l
    ph 7,6, gh 11, kh 9, nitrat 0, lw 342

    Die Differenz zwischen dem Leitwert des Leitungswassers und den 342 µS kommt kommt durch die regelmässigen Futtergaben und die ausgezeichnete oxidierende Wirkung des Intervallfilters (bzw. der darin siedelnden Bakterien) zustande: Chelate werden geknackt, Wasseraufbereiter und Flüssigdünger detto. Die Mineralien erhöhen den Leitwert, das organische fressen die Bakterien auf und wandeln es in mineralische Substanz um. Deutlich sichtbaren Mulm bzw. viele raschwüchsige Pflanzen, die auf die KH zugreifen könnten, gibt es in diesem Becken nicht.
    Die um 1 ° höhere KH und 1 ° niedrigere GH könnte auch ein Hinweis sein, dass sich vorübergehend mal bei einem Tw-Wechsel die chemische Zusammensetzung des Leitungswassers im Wasserwerk selber geändert hat. Nachdem es im Intervallfilter nicht zur Reduktion von Nitrat zu gasförmigem Stickstoff kommen dürfte ist das ein Hinweis, dass die Nitratreduktion im feinen Kiesboden sehr gut funktioniert. Jedenfalls können die Schwankungen der chem. Zusammensetzung des Leitungswassers v.a. in den durstigen Sommermonaten für geänderte WW in den Becken sorgen, wenn du z.B. ein Intervall hast und nicht jede Woche in allen Becken, sondern in einem 2-wöchigen Intervall mal in diesen, mal in jenen Becken wechselst.
    Dass der pH-Wert kaum sinkt scheint auch erklärbar: im Intervallfilter wird jedes von Bakterien 'ausgeatmete' (also im Wege des Stoffwechsels entstandene) Co2 gründlichst ausgetrieben, Huminsäuren, die auf die KH wirken könnten, werden nach dem chemischen Prozess als CO2 gleich wieder ausgepustet.

    im vergleich dazu:
    140 l
    ph 6,4, gh zw. 5 und 6, kh 3, nitrat 0, lw 190
    54 l
    ph 6,6, gh 7, kh 3, nitrat 0, lw 241
    20 l
    ph 6,7, gh 8, kh 4, nitrat 0, lw 269

    Die Leitwerte liegen normal im Bereich des üblichen. Mit 190 µS ist das 140-er ein Ausreisser. Möglicher Grund: das Leitungswasser wies zu einem Zeitpunkt, an dem ein umfangreicherer Tw-Wechsel durchgeführt wurde, mal einen geringeren Leitwert auf. Die anderen Lw können durch unterschiedliche Temperaturen mal höher, mal niedriger ausfallen.
    Die Nitratreduktion funktioniert in allen Becken sehr gut bzw. es ist ein Hinweis, dass ausreichend wassergewechselt wird und der Fischbesatz vergleichsweise niedrig ist.
    Die niedrigen KH-Werte lassen die Vermutung aufkommen, dass in diesen Becken viele raschwüchsige Pflanzen enthalten sind, z.B. Hornblatt oder Wasserpest, die bei CO2-Mangel auf die Härtebildner zurückgreifen können. Andere Gründe: die Becken laufen einfach schon länger als die beiden oben genannten oder weisen erheblich mehr ionenaustauschenden Mulm bzw. im Vergleich zur Wassermenge mehr pH-Wert senkende Eichenblätter auf. Vielleicht sind in diesen drei Becken ja auch mehr Schnecken oder Garnelen enthalten, die Härtebildner für den Gehäuseaufbau oder die Panzerbildung benötigen als in den oben genannten.

    Alles reine Vermutung, aber ich würde mich freuen, wenn wenigstens ein Detail zutreffen könnte.
    Ansonsten kann dir sicher Werner zu diesem Zeitpunkt besser weiterhelfen, zumindest nach deinem Antwort-Posting, v.a. im Hinblick auf verwendete Wurzeln, die Menge eingebrachten Laubes oder der Pflege von 'kalkeinbauenden' Wirbellosen.
    Genau wird man das so nicht beurteilen können. Man müsste schon jeden der Lebensräume gründlich in seine 'biologischen oder chemischen Einzelteile' zerlegen und analysieren, um die Sache nachvollziehbar zu machen. Zu viele Variablen in Wechselwirkungen.

    Ah - die Angabe des Leitwertes (bzw. der elektrischen Leitfähigkeit) erfolgt in µS/cm, schlampig und allgemein üblich in Aquarianerkreisen als µS ;-)

    Lg
    Jürgen
     
    #2 5. September 2004
  4. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    hi jürgen und thx erst mal... eine komplette chemische analyse wär mir eh zu hoch *g*... ich wollt einfach mal dem ganzen ein bisserl auf den grund gehn um zu verstehn warum die werte so sind und womit ich eventuell auf natürlichem weg änderungen hervorrufen kann...

    zum 360er... da hab ich den höheren ph-wert durch den filter bereits vermutet...

    zum 112er... den höheren nitratwert vermute ich - so wie du geschrieben hast - durch meinen besatz... da sind platy drin, die ständig junge haben und ziemlich viel "mist" machen... zum ph und co... es ist mein ältestes becken also sehr gut eingelaufen (bald 2 jahre)... hat in etwa gleich viel mulm und eichenblätter wie die anderen becken (ganz genau ists natürlich schwer zu sagen)... was es im vergleich zu denen mit niedrigerem ph, gh und kh nicht hat: 1. es sind nur spitzschlammschneggs und turmdeckels drin, im 140er und 54 sind auch apfelschnecken und im 140er zusätzlich rückenstrichgarnelen, 2. es ist kein froschbiss drin (dafür sind aber sonst mehr pflanzen wie zb wasserpest drin... in den andren beiden becken sind nur anubias, javafarn, javamoos und im 140er valisnerien)...

    können allein 1 oder 2 apfelschnecken, die garnelen im 140er und froschbiss den ph, gh und kh derart herabsetzen?

    lg shary
     
    #3 5. September 2004
  5. Walter
    Walter Bekanntes Mitglied
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    Hallo Shary,
    ohne jetzt auf jeden Wert im einzelnen genau einzu gehen und ohne Jürgen´s Ausführungen auch nur irgendwo zu widersprechen:

    Du wirst es nie schaffen, zwei parallel laufende "idente" Becken mit den selben Wasserwerten zu halten.
    Jürgen hat Dir ja schon die möglichen Ursachen genannt.
    Zusätzlich:
    Bei der Nitrifikation entsteht auch noch Salpetrige Säure, welche die KH reduzieren kann (und damit die GH),
    Wurzeln haben ganz unterschiedliche Eigenschaften, manche beeinflussen das Wasser fast gar nicht, andere Exemplare (da mein ich jetzt nicht die Art der Wurzeln - Moorkien, Mangrove, ... - sondern wirklich jedes einzelne Exemplar) sind richtige KH Fresser und Sauermacher wenn hier die "echte" KH sinkt, sinkt mir ihr natürlich auch die GH), ähnliche Unwägbarkeiten gibt es natürlich mit dem Laub im Aquarium;
    und zu guter Letzt sind Messungen mit Fehlern behaftet, da mein ich jetzt vor allem auch die GH/KH Messung, auf 1° genau.


    BTW: "Normales" Wiener Leitungswasser ist weicher (280 µS/cm GH/KH ~8/6) :lol: SCNR - haben alle innerstädtischen Bezirke den Großteil des Jahres
     
    #4 5. September 2004
  6. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    hi walter
    ich hab nicht vor alle becken gleich einzustellen... das würd allein vom besatz her nicht passen... aber jetzt weiss ich wieder ein bisserl mehr drüber wie doch recht grosse unterschiede trotz nahezu gleicher behandlung entstehen können... wobei gerade beim ph-wert des 112ers gehts mir immer noch nicht wirklich ein... aber vielleicht sinds ja wirklich die apfelschnecken und garnelen, die soviel kalk verbrauchen...

    ich hab übrigens nochmal "meine" wiener wasserwerte in einem aussenbezirk gemessen und eine recht starke veränderung bemerkt...

    früher: ph 7,6, gh 12, kh 8, leitwertmessgerät hat ich damals noch nicht

    jetzt: ph 7,9, gh 6, kh 4-5, lw 204 µS/cm

    :shock:

    das ändert natürlich auch nochmal alles... hab ehrlich gesagt vor meiner frage nicht extra das leitungswasser gemessen, da die werte da seit 2 jahren immer gleich waren...

    lg shary
     
    #5 5. September 2004
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