Wasser wird im Sommer zu warm - was tun?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Jürgen Ha, 4. Juni 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    jetzt kommt wieder die Zeit wenn mit den steigenden Aussentemperaturen auch die Temperaturen im Aquarium steigen. Und zwar bis zu einem Wert, der vielleicht manchen Zierfischarten abträglich ist.

    Warum steigt die Temperatur im Aquarium mit den Aussentemperaturen an?

    Im Becken oder ausserhalb befinden sich - neben dem Stabheizer - noch weitere direkte oder indirekte Wärmequellen. Im Einzelnen - neben den Fischen oder der Wärme, die bei Stoffwechselvorgängen entsteht, sind das:

    1. Stabheizer
    2. Filter
    3. Beleuchtung


    Ein ungeheiztes Wohnzimmeraquarium wird die gleiche Wassertemperatur aufweisen wie die durchschnittliche Lufttemperatur im Raum.

    Ein Aquarium mit 160 Liter und 2x30 Watt Neonröhrenbeleuchtung, untergebracht in einer handelsüblichen Abdeckung, wird sich durch die Vorschaltgeräte und Abwärme der Röhren um etwa 2° C über Raumtemperatur erwärmen, bei Verwendung elektronischer Vorschaltgeräte etwas weniger.

    Ein Innenfilter mit 10 Watt erwärmt das jetzt 22 °C warme Wasser um etwa 1,5 °C über Raumtemperatur. Ein Aussenfilter mit 25 Watt schafft locker 2,5-3 °C. Unser Aquarium ist jetzt also - ohne Stabheizer! - bereits mindestens 24 °C warm. Das erklärt auch, warum manche keinen Stabheizer benötigen, wenn solche Fische gepflegt werden, die mit 24 °C gut ihr Auslangen finden.
    Wenn jetzt das durchschnittlich 20 °C warme Wohnzimmer bei Aussentemperaturen von sagen wir 34 °C auf 24 °C erwärmt wird, können sich die Abwärme der Beleuchtung und die Motorwärme des Filters bis auf 28 °C oder mehr summieren.

    Kurzfristig, also über 2-3 Tage, wird das für die meisten Zierfischarten kein Problem sein. Längerfristig, z.B. bei einer wochenlangen Hitzephase, werden die steigenden Temperaturen auf jeden Fall problematisch. Zumindest das Pflanzenwachstum wird ins Stocken geraten. Ich habe schon Becken gesehen, die locker an die 30 °C bei ausgeschaltetem Stabheizer erreicht haben.

    Vor allem die 60-Becken mit 1x15 W Neonröhrenbeleuchtung ohne elektr. Vorschaltgerät und einem 5-Watt-Filter sind in der Hinsicht gleich einmal 30 °C warm.

    Abhilfe:

    1. Stabheizer einmal ausschalten

    2. Deckel der Abdeckung anheben - bei der Wasserverdunstung wird Energie, also Wasserwärme, verbraucht und "vernichtet"

    3. Beleuchtungsdauer so regeln, dass zur Zeit der grössten Tageshitze Dunkelphasen eingelegt werden. Dabei nicht vergessen, dass die Pflanzen "ihre" gewohnte Tageslänge von etwa 11,5 Stunden in Summe bekommen können

    4. Teilwasserwechsel mit kühlerem Wasser durchführen. Darauf achten, dass die Temperaturunterschiede nicht zu gross sind und empfindliche Fische Schaden erleiden könnten. Diese Methode halte ich am geeignetsten, am besten in Kombination mit dem "Aufbocken" der Abdeckung oder dem Anheben der Fütterungsklappen. Gleichzeitig sollte auch die Beleuchtung um die Mittagszeit oder in den Nachmittagsstunden (wenn möglich) reduziert werden. Wenn man keinen kühleren Standplatz für sein Aquarium finden kann sind diese das Pflanzenwachstum erwiesenermassen hemmenden Eingriffe sicher besser als ein zu warmes Wasser, das die Fische - und um deren Wohl müssen wir uns kümmern - schädigen könnte.

    5. Kühlgerät installieren. Das wird vor allem bei Meerwasseraquarien die einzige Möglichkeit sein, nicht zu hohe Temperaturen zu erhalten. V.a. Mittelmeer- oder Nordseeaquarien sind in dieser Hinsicht sehr empfindlich.

    6. Weitere Kühlvarianten wie Eiswürfelgaben funktionieren auch, wenns nicht so umständlich und energieaufwändig und die Eismenge nicht so gering wäre, dass der Effekt nur von kurzer Dauer ist.


    Bei dem von mir dargestellten Beispiel handelt es sich um Erfahrungswerte. In anderen Aquarien können sich durchaus andere Werte einstellen. Wäre interessant, ob es diesbezüglich schon Artikel oder Beschreibungen gibt.

    Bei der Gelegenheit kann ichs mir nicht verkneifen und möchte einmal mit dem Märchen vom "Kaltwasseraqurium" im Wohnzimmer aufräumen: bei geheizten Räumen, Beleuchtung und Filter ist die Herstellung eines Kaltwasseraquariums ohne Kühlgerät per Definition gar nicht möglich. Es wird immer ein subtropisch oder tropisch warmes Aquarium sein,

    meint
    Lg :glass:

    Jürgen
     
    #1 4. Juni 2003
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  3. Anonymous
    Anonymous Gast
    hallo zusammen,
    eins wurde vergessen:
    die methode mit 1 oder besser 2 Computerkühlventilatoren - schafft durch die schon erwähnte verdunstungskälte gleich ein paar grad linderung. gute, kugelgelagerte (z.b. Papst) , sind flüsterleise.

    vor allem, wenn man eh grade eine eigene abdeckung baut würd ich die sofort mit einplanen - zum umdrehen: einmal zum blasen....hohe kühlung, dann zum absaugen....gute kühlung für normale sommertage.

    grüsse
    aquanaut
     
    #2 29. Juli 2004
  4. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Hallo Jürgen,

    die von Aquanaut erwähnte Lüftung ist ein Mittel, das mir sehr hilft!

    Der von dir erwähnte Wasserwechel......????

    Wo sind die Physiker unter uns?

    Ich gehe mal davon aus, dass mein Becken 30° aufweist, und ich auf 26° runter will. Bei einem Volumen von 300 Litern und einer Leitungswassertemperatur von 10° (alles schön runde Werte); wie viel Wasser muss ich da tauschen?
    Und vor allem, wie lange hält das an?

    Grundsätzlich ist die erreichte Temperatur ja ein Wert, der sich aus der vorhandenen Raumtemperatur und der zugeführten Energie ergibt.

    Wenn ich also n Watt zuführe, dann erhöht sich meine Temperatur um m Grad. Durch diverse Faktoren (Verdunstung, abgegebenen Wärme usw.) stabilisiert sich das System!
    Bei z.B. 300 Litern und 22° Raumtemperatur würde bei einer (dauernden) Beheizung mit 100W die Temperatur ca. 30° erreichen.

    Das Problem unserer sommerwarmen Becken liegt, wie du ja sagst in der Zufuhr von Energie (Beleuchtung, Filter, etc.).
    Wenn ich jetzt das Wasser mit TWW (würde echt gerne wissen, wie viele Liter ich brauche um die 4° bei 300l zu erzielen!!!) etwas abkühle, dann dauert es leider nicht wirklich lange, bis die Temperatur wieder da ist, wo wir sie nicht wollen!
    Ich halte diese Massnahme daher eher für "kosmetisch" und auf die Dauer nicht realisierbar - warten wir mal ab, ob wer die Menge errechnen kann -- Donnerstagsrätsel :lol:

    lg

    Manfred
     
    #3 29. Juli 2004
  5. derflo
    derflo Mitglied
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    hi leute,

    ich habs vollgendermaßen gelöst.

    bin im besitz eines 54 l juwel aquariums. dieses besitzt an der oberseite der abdeckung einen "futterschacht". in diesen lege ich an besonders heissen tagen eine 2 l flasche mit gefrorenem wasser. die kalte luft ström nach unten und kühlt sowohl die durch die beleuchtung aufgewärmte luft, als auch die wasseroberfläche.
    zusätzlich hab ich seitlich einen 2,5 cm lüfter aus einer alten apple wechselfestplatte eingebaut, der mittels einem alten modemnetzteil betrieben wird und die kühle luft rund um die flasche ins becken saugt.
    in der flasche bleibt etwa 2-4 stunden eis. am abend ist sie jedoch immer noch kühl.
    temperatursenkung im laufe des tages 2-3 ° C.

    hab nur ein 54 l becken, drum funktioniert wahrscheinlich so gut.
    bei größeren becken sind wahrscheinlich mehrere eisflaschen zu empfehlen, wobei eine davon sicher auch direkt im becken schwimmen kann....(??)
    möcht garnicht wissen, was es kostet täglich 3x2 l wasser einzufrieren, aber soviel ist einem das wohl der AQ-bewohner wohl wert.....

    lg
    flo
     
    #4 29. Juli 2004
  6. Pegasus70
    Pegasus70 Aktives Mitglied
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    Hallöle
    Da ich bereits schon auf 30°C war, habe ich folgendes gemacht:
    ich habe die letzten Tage (knapp 2 Wochen) die Beleuchtungszeiten verschoben, sodass ich die meiste Beleuchtungszeit eher in den frühen Morgenstunden und den Vormittag gezogen habe. Leider seh ich zwar dann nimmer sovíel vom AQ aber mir ist das Überleben im heissen Sommer lieber als die schöne ausschau auf gekochte Fischis :cry:

    Dann sind meine Rolläden an den heissen Tagen immer unten.. bis auf die Schlitze. Desweiteren habe ich unseren Wohnzimmerventilator gegen das AQ gerichtet. Der Wind prallt dann an der Scheide ab und wir bekommen noch genügend Kühle ab.

    Da wir im Erdgeschoss das AQ stehen haben ist nachts nicht an Dauerbelüftung zu denken (was an den extrem heissen Nächten wie letztes Jahr eh unmöglich ist.
    Das Aufzuchtsbecken steht im Keller und wenn das alles nichts hilft werd ich die Fischis wohl oder übel dahinversetzen müssen, und die pflanzen so gut es geht eben mit Kühlakkus kühlen. Den Fischen möchte ich diesen Kältesturz nicht zumuten.

    Ich plane bereits an diesen PC-Lüfterdeckelbauten. nur mit der Stromversorgung habe ich noch meine Bedenken. Ich habe derzeit nur ein älteres ausrangiertes Netzteil vom PC +2 beleuchtete Moddinglüfter, die sehr leise sind. Die sollten eigendlich in den PC aber die Fischis sind mir momentan wichtiger, da derzeit mein Budgett geschmälert ist (die Lüfter habsch schon 4 Monate da liegen ;-) .
    Fotos werden dann folgen :p

    Grüsse
    Pega
     
    #5 29. Juli 2004
  7. Jelly
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    #6 30. Juli 2004
  8. Philipp
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    Hallo Manni!

    Das Berechnungstool von Deters ist wirklich super! Kannst wirklich verwenden.

    Ich bin zwar kein Physiker, kann dir aber trotzdem sagen wie man das berechnet - wenn du willst.

    Die allgemeine Formel lautet:

    (Vaq-x)*istTempAq + x*TempLeitung = Vaq*sollTempAq

    Vaq.... Volumen Aquarium
    x... Wasserwechselvolumen
    istTempAq..... ausgangstemperatur im Aquarium
    TempLeitung.... Temperatur des Leitungswassers
    sollTempAq.... gewünschte Temperatur im Aquarium

    Umgeformt kommt man zu dieser Formel:

    x= -V*[(istTempAq-sollTempAq)/(TempLeitung-istTempAq)]

    lg
    Philipp
     
    #7 30. Juli 2004
  9. Leo
    Leo Bekanntes Mitglied
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    Hall i. T.
    Kühles Wasser

    Hallo!

    Ich spiel mich grad bei einem 60cm-Becken mit einer Kühlung und schaffe - dank den "kühlen Nächten" die 22° als Obergrenze einzuhalten -nur einmal war ich auf 24°, für einen Tag (letzte Woche, der schwüle Tag da mit 30°C draußen, und eine laue Nacht im Anschluß)

    Ich hab' einen PC-Lüfter, der wegsaugt, die Futterklappe ist ein wenig offen, damit der Durchzug paßt. Geräusch ist inzwischen auch o.k. - hab' ihn anstatt auf 12V mit 6-7.5V laufen.
    (Es verdunstet "sauviel" Wasser >>gg<<)

    Dann hab' ich inzwischen den Außenfilter drangehängt - erstens bringt der mehr Wasser ins Spiel, was die ganze Sache "träger" macht, zweitens läuft der Schlauch aus dem Außenfilter raus und "dreht eine Runde" in einem Eimer mit kaltem Wasser. Das Wasesr im Eimer kriegt jeden Tag am Morgen einen TK-Aku und eine Lage Eiswürfel ab, ist so eine Art primitiv-Kühlschrank.

    An der linken Aquarienwand hab ich eine "Styropor-Box" drangebaut, da haben inzwischen zwei TK-Akkus Platz. Vor den TK-Akkus hab ich mit Fliesen probiert, das ing auch, die wurden aber ziemlich schnell warm. Jetzt mit den TK-Akkus muß ich nur aufpassen, daß sie "keinen Bauch" kriegen, beim Einfrieren, sonst haben sie in der schmalen Box nicht Platz.

    Nachts mache ich das Fenster ganz auf, damit die Luft abkühlen kann, Tagsüber sind die Schalusien halb zu und das Fenster gekippt.

    Überlegenswert fände ich noch, das Becken auf den zwei anderen Seiten auch noch mit Styropor zu verkleiden - das Becken wäre teilweise isoliert, man könnte die eingebrachte Kälte besser erhalten.
    Auch der "Kühleimer" wäre in Styropor gepackt länger kühl.

    Meine 8) Kardinalfische 8) freut's, ich bin schon gespannt, ob ich's mit einem größeren Becken auch schaffe.

    Servus!

    Leo
     
    #8 30. Juli 2004
  10. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Hallo Leute,

    das Berechnungstool (welches auch mit den mir vorliegenden Formeln übereinstimmt) kommt also bei 300l 30° und 26° angestrebt auf 60 Liter.
    Will ich 24° sind es schon 90 Liter.
    Aber bleiben wir bei den 60 Litern. Ich habe das Spiel (TWW zum Kühlen) mit 50 Litern probiert. 3 Mal hätte ich den TWW machen müssen!
    Ich habe es bei 2mal gelassen, weil das dritte Mal war es schon 20 Uhr, und da bin ich davon ausgegangen, dass es eh in der Nacht kühler wird!

    Also für mich nur eine "Notfallmassnahme", wenn es wirklich mal "brutal" werden sollte, weil ich was übersehen habe, dann ja - sonst ist mir das viel zu viel Stress!

    lg

    Manfred
     
    #9 30. Juli 2004
  11. Pegasus70
    Pegasus70 Aktives Mitglied
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    Re: Kühles Wasser

    Moin moin

    Wenn der Schlauch AUS dem Filter kommt und ins Becken geht, ist es ok. Aber für alle anderen bitte nicht den Schlauch kühlen, der IN den Filter reingeht!! Manche meinen auch den Filter in eine Fühltasche mit Akkus packen zu können..... bitte nicht! Denn die Bakterien im Filter mögen es schön warm kuschelig und sind das auch so gewohnt! Bei "Kaltbecken" siedeln sich die Bakterien ja bereits angepasst an, bei herkömmlichen Temperaturen wäre es dann ein Kälteschock und würde somit die vorhandenen Bakterien erst einmal vernichten. Nitritpeak ist dann vorprogrammiert wie zur Einlaufphase. Also vorsicht bitte.
     
    #10 1. August 2004
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