Wasserwechsel

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Christian, 21. März 2004.

  1. Christian
    Christian Bekanntes Mitglied
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    Hi Jürgen,

    weil wir gerade so angenehm von Wasserwerten, destillierten Wasser usw plaudern, hab ich auch noch eine kleine Frage: worin besteht eigentlich der besondere Wert einen TW mit abgestandenen Wasser zu machen?

    Was ist eigentlich der Indikator für einen TW? Ist das nur der NO3 Wert oder spielen da noch andere Faktoren mit?

    Lg,
    Christian
     
    #1 21. März 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Wasserwechsel mit abgestandenem Wasser

    Hallo,
    Es wäre aus mehreren Gründen empfehlenswert, den Teilwasserwechsel mit abgestandenem Leitungswasser durchzuführen.

    Zum einen verflüchtigen sich unerwünschte gasförmige Stoffe wie zum Beispiel Chlor (was in Tirol oder Österreich ja nicht das Problem sein sollte), ein Teil des Kalks setzt sich am Boden ab. Diesen Effekt erreicht man auch, wenn man das Wasser abkocht. Der Entkalkungseffekt, Kalk fällt als Kesselstein aus, ist größer als bei der ersten Methode.
    Empfindliche Fische wie z.B. Discusfische oder Zwergbuntbarsche reagieren oft sehr heftig auf grössere Frischwassergaben direkt aus der Leitung. Discus können darauf mit Dunkelfärbung und massiven Befall der Schleimhäute mit Einzellern reagieren, ein Symptom, das der Discusseuche recht ähnlich ist. Zwergbuntbarsche könnten darauf ebenfalls mit Costia-Infektionen bzw. Glotzaugen (sekundär bakteriell) reagieren, wobei der Parasitenbefall mit Costia, Oodinium, Chilodonella oder Trichodina meist nach einer grossflächigen Schleimhautschädigung, hervorgerufen durch das stark oxidierende frische Leitungswasser, auftritt.

    Zum anderen steht das Wasser aus der Leitung unter hohem Druck (3 - 7 bar), weshalb mehr Gase gelöst sind als bei "offen" stehendem Wasser. Wenn das Wasser aus der Leitung kommt fällt der Überdruck weg, die Gase expandieren und perlen aus. Wenn man einen grossen Tw-Wechsel mit frischen Leitungswasser durchführt, perlen diese Gase im Aquarium UND an den / in den Fischen aus. Heisst, die Gase expandieren auch an den Fischen (Kiemen, Schleimhaut) und auch in den Fischen. Als Folge kann die sog. Taucherkrankheit auftreten, das heisst, ausgeperlte Gase blockieren in den Blutgefässen den weiteren Bluttransport in die lebenswichtigen Organe. Alleine aus diesem Grund sind Teilwasserwechsel mit frischem Leitungswasser, die 1/3 des Beckenvolumens ausmachen, grundsätzlich abzulehnen. Wenn das nicht möglich ist, kann das Wasser mit dem Brausestrahl erst in einen Kübel gefüllt werden - dabei darf das Wasser ruhig "in weitem Bogen" (Krause ;-) eingefüllt werden, je mehr es dabei spritzt und sprudelt, desto besser wird das überschüssige Gas ausgetrieben. Danach kann das so vorbehandelte Wasser per Kübel ins Becken gegossen werden, wobei es auch empfehlenswert ist, den Filter weiterlaufen zu lassen und die Prozedur des Wiederbefüllens allmählich durchzuführen.

    Tja, gute Frage, deren ausführliche Beantwortung glatt mehrere Seiten füllen könnte.

    Ich versuch mal ein paar Stichworte ein wenig auszuführen:

    - Fischbesatz: je mehr Fische drin sind, desto mehr Abfallstoffe fallen an (Fütterung), desto öfter muss gewechselt werden. Nitrat oder Phosphat (mg/l) sind in der Hinsicht sehr brauchbare Indikatoren für einen Teilwasserwechsel.

    - Fischarten: je empfindlicher gewisse Fischarten auf Frischwasser reagieren, desto seltener oder gewissenhafter muss die entsprechende Menge an zugeführtem Frischwasser gewählt werden.

    - Pflanzenwachstum: je mehr Pflanzen drin sind, desto häufiger sollte gewechselt werden, wenn der Schwerpunkt des Beckens bei den Pflanzen liegt. Das führt uns wieder zum Fischbesatz zurück: je weniger Fische im Becken sind, desto seltener kann der Teilwasserwechsel bei zufriedenstellendem Pflanzenwachstum erfolgen.
    Wenn das Pflanzenwachstum schlecht ist, könnte eine Erhöhung der Wasserwechselintervalle durch Zufuhr neuer Nährstoffe und Abtransport von Stoffwechselprodukten (auch Pflanzen "stoffwechseln") das Pflanzenwachstum wieder fördern. Als Indikator für den Wasserwechsel könnte also auch schlechtes Pflanzenwachstum bzw. daraus u.U. resultierende gutes ALGENwachstum herhalten.

    - Algenwachstum: siehe Pflanzenwachstum; in einem stark mit Pinselalgen befallenem Aquarium werden fast immer zu wenig Wasserwechsel durchgeführt.

    - Nachzucht von Fischen: manchmal kann ein umfangreicherer Tw-Wechsel bzw. eine Serie von kleinen Wasserwechseln das Ablaichverhalten von Zierfischen (z.B. Welsen) erheblich fördern.

    - Gelbstoffe im Wasser: je älter das Wasser im Aquarium wird, desto gelbstichiger wird es (mal abgesehen davon wenn viele Wurzeln im Becken sind oder bewusst Torffilterung eingesetzt wird). Diese Gelbstichigkeit ist ein ganz brauchbarer Indikator, dass ein Wasserwechsel mal dringend notwendig wäre. Ist das Wasser gelblich wie vergilbtes Papier: Wasserwechseln!

    - Leitwert: wenn der Leitwert im Aquarium erheblich über dem Leitwert des Ausgangswassers (Leitungswasser) liegt ist das ein Indikator für verschleppte Wasserwechsel, so der Leitwert nicht durch Aufhärtesalze oder Kochsalz erhöht wurde. Detto kann eine erheblich grössere Gesamthärte IM Aquarium im ggs. zum Ausgangswasser ein Indikator für einen überfälligen notwendigen Teilwasserwechsel sein.

    - pH-Wert: in Abhängigkeit von der Karbonathärte kann der pH-Wert in weichen Wässern als Indikator für einen Teilwasserwechsel herhalten. Sinkt der pH-Wert ohne zusätzliche Aufhärtemassnahmen unter einen gewissen Schwellenwert (z.B. pH 6), so muss ein Teilwasserwechsel durchgeführt werden, um das System Aquarium wieder zu stabilisieren.
    Detto: sinkt die im Leitungswasser von haus aus geringe KH (z.B. 1 °) unter die Nachweisgrenze handelsüblicher Tests ist ein Teilwasserwechsel dringend notwendig, um einen Säuresturz zu verhindern. Bleibt noch anzumerken, dass derartige Wässer, wenn sie nicht gezielt zur Zucht ausgesprochener Weichwasserfische verwendet werden, im Aquarium nichts "zu suchen" haben bzw. für eine Aufhärtung zum Wohle der Fischgesundheit und zur Verbesserung des Pflanzenwachstums umgehend durchzuführen, so es sich nicht um ein Durchflussaquarium mit permanentem Wasseraustausch handelt.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 21. März 2004
  4. Christian
    Christian Bekanntes Mitglied
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    Hallo Jürgen,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

    Wie lange muß man denn Wasser stehen lassen, bis man es als abgestanden bezeichnen kann?

    In weit verändert die Zugabe von Ektozon das Wasser? GH und Leitwert steigen an?

    Lg,
    Christian
     
    #3 21. März 2004
  5. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    24 Stunden sollte man es schon abstehen lassen, 2 Tage wären besser.
    Ja, der Leitwert erhöht sich durch die gelösten Salze. Mit dem Natriumperborat sollte auch die Gesamthärte ansteigen.

    Lg
    Jürgen
     
    #4 21. März 2004
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