Wasserwerte und Parameter im und ums Aquarium

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Aquaristik" wurde erstellt von Jürgen Ha, 23. Juli 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    ich hab mir mal überlegt mit einer Beschreibung der wichtigsten Wasserwerte bzw. Parameter, die im Aquarium eine Rolle spielen können, zu beginnen.
    Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit, und die entsprechenden Werte sollte für jedes Aquarium separat erhoben und die Maßnahmen darauf abgestimmt werden.
    Ergänzungen zu den einzelnen Parametern, die von Forumsteilnehmern kommen, werden gerne angenommen und in den Text eingefügt. Als kleines "Open End" Projekt (Anfang: ich; Ende: nie ;-) werden dann die Beiträge mit den Namen der Verfasser zu einem "Ganzen" zusammengefasst.
    Beiträge, die aus der Literatur entnommen werden, bitte mit Quellenangabe versehen. Größere Textzitate aus anderen Foren oder Homepages bitte mit dem entsprechenden Link posten.

    Folgende Werte/Parameter könnten (für Süßwasseraquarien) bearbeitet werden:
    • pH-Wert, Temperatur, Karbonathärte, Gesamthärte, Nitrit, Nitrat, Phosphat, Eisen, Kohlendioxyd, Ammonium/Ammoniak, Kupfer, Sauerstoff, Leitwert, Redoxpotential, Salzgehalt (Salinität), Keimzahl, ev.
      Beleuchtung

    Das Ganze sollte so aufgebaut sein:
    1. Beschreibung 2. Entstehungsursachen oder Mangelursachen 3. aquaristische Meßmethoden 4. Auswirkungen auf das Aquarium (Fische, Pflanzen und Wirbellose)
    5. Maßnahmen zur Abhilfe

    Wer Lust hat etwas zu schreiben ist Willkommen.
    Wer sich informieren möchte sollte hier die wichtigsten Informationen finden können.
    Wer Textzitate aus diesen oder anderen Beiträgen ohne Nachfragen bei den Autoren kopiert und unter seinem Namen für seine Zwecke publiziert sei auf das Copyright (Schutz geistigen Eigentums) hingewiesen.

    Lg
    Jürgen
     
    #1 23. Juli 2003
  2. Anzeige
     
  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
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    pH-Wert

    1. Beschreibung pH-Wert

    Was ist der pH-Wert?

    Der pH-Wert ist einer der wichtigsten Wasserwerte im Aquarium. Er ist neben der Temperatur einer der wichtigsten Parameter, um Fische überhaupt annähernd artgerecht zu pflegen. Für Fische aus Weichwasserregionen (SO-Asien, Südamerika) liegt der pH-Wert meistens im sauren bis basischen Bereich liegen, für Fische aus Europa oder Zentralafrika (Seen) liegt er überwiegend im basischen bis alkalischen Bereich.
    Aus der Wasserleitung kommt das Wasser meistens mit einem pH-Wert über 7. Das hat einen Grund: saures Wasser kann die
    Wasserleitungen schneller angreifen (Korrosion). Oft werden in den Wasserwerken auch Ursprungswässer mit unterschiedlichen
    Ausgangswerten gemischt, um dann "perfektes" Trinkwasser mit neutralem pH-Wert zu erhalten. Dementsprechend können sich auch die pH-Werte des Leitungswassers je nach Verfügbarkeit des Quellwassers jahreszeitlich oder bei Perioden mit hohem Wasserverbrauch ändern. Ebenso verändert sich der pH-Wert im Aquarium mit der Zeit, und zwar in den sauren Bereich: die Karbonathärte, die mit dem pH-Wert meistens "steht und fällt", wird durch biologische Prozesse (Filterung, Pflanzenatmung) allmählich gegen auf den Wert "Null" reduziert.
    Schwankungen des pH-Wertes können für die Fische gefährlich werden und zum Tod führen.
    Eine Messung des pH-Wertes im Aquarium alle zwei Wochen sollte auf jeden Fall durchgeführt werden.

    Der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregehalt des Wassers. Bei pH 7 ist das Wasser neutral, d.h. Säuren und Basen befinden sich
    im Gleichgewicht.
    Bei einem Wert unter 7 spricht man von "saurem" Wasser, bei einem pH-Wert über 7 bezeichnet man das Wasser als "basisch". Das Ganze bezeichnet man auch als "Alkalinität des Wassers".
    Für die Praxis ist es wichtig zu wissen, dass der pH-Wert eine sogenannte logarithmische Größe ist. Im Gegensatz zur
    Temperatur, die linear ansteigen oder fallen kann, d.h. der Unterschied zwischen 25 °C und 26 °C ist genau 1 °C. Der
    Unterschied zwischen pH 7 und pH 8 ist zwar auch nur eine Zahl mit dem Wert "eins", das Wasser mit pH 8 ist aber 10 mal so
    sauer wie Wasser mit pH 7 und mit pH 9 100 mal so sauer wie Wasser mit pH 7.

    2. Entstehungsursachen niedriger oder hoher pH-Werte
    Hohe pH-Werte können mit dem Leitungswasser geliefert werden. PH-Werte von 8 oder mehr im Ausgangswasser sind keine
    Seltenheit und müssen vor dem Einsetzen von Zierfischen gesenkt werden.

    Beeinflusst wird der pH-Wert im Wesentlichen von 2 Faktoren:

    1. der Karbonathärte
    2. dem Gehalt an gelöstem Kohlendioxid (Kohlensäure, CO2)

    Eine höhere Karbonathärte erhöht auch den pH-Wert. Ein höhere Gehalt an CO2 senkt den pH-Wert: das gasförmige CO2 löst sich im Wasser und liegt dann als Kohlensäure vor. Säuren vermindern den pH-Wert, Karbonate erhöhen den pH-Wert. Wässer aus kalkhaltigen Gegenden weisen eine hohe Karbonathärte und einen hohen pH-Wert > 7,5 auf, Wässer aus Urgesteinsgebieten (Schiefer) weisen oft eine KH von <1 und einen pH-Wert um 7 auf.
    Beispiel Innsbruck/Umgebung: die Aquarianer in der Stadt haben ein gutes, mittelhartes Wasser zur Verfügung (Nordkette),
    Bewohner des Mittelgebirges hingegen bekommen tropisches "Weichwasser" frei Haus geliefert. In einigen Gegenden um den
    Flughafen bekommt man das weiche Wasser aus dem Mittelgebirge, zwei Straßen weiter hingegen das mittelharte Wasser der
    Nordkettenquellen.
    Ursache dafür: das Wasserwerk mischt nach Bedarf Wässer mit unterschiedlichen Ausgangswerten.
    Zu hohe pH-Werte stellen sich im Aquarium äußerst selten ein. Auf die Schnelle fällt mir kein Grund ein, der den pH-Wert auf
    über 8,5 erhöhen könnte, wenn nicht das Ausgangswasser bereits einen so hohen Wert aufweist.
    Zu niedrige pH-Werte hingegen stellen sich im Aquaium oft ein. Besonders "Weichwasser", Regenwasser, weiches Quellwasser oder Osmosewasser, also Aquariumwasser mit geringer GH und KH, reagieren diesbezüglich sehr rasch mit einem Abfallen des
    pH-Wertes. Ursachen dafür kann bei weichem Ausgangswasser eine zu hohe CO2-Konzentration, hervorgerufen durch Überfütterung und in der Folge starker Produktion organischer Säuren durch die Filterbakterien, sein; daneben noch die übermäßige Zugabe von ansäuernden Präparaten wie Torf oder Eichenextrakt.

    Vernachlässigte Teilwasserwechsel führen früher oder später bei weichem oder mittelhartem Wasser zu einem gefährlich
    niedrigem pH-Wert: die ph-stabilisierenden Härtebildner (KH) wurde von biologischen Prozwssen (Filterung) "verbraucht".
    Der pH-Wert im Aquarium unterliegt bei "funktionierender Biologie" ohne künstliche CO2-Zufuhr tageszeiglichen Schwankungen:
    abends ist der Wert höher (die Pflanzen verbrauchen die ansäuernde Kohlensäure), morgens ist der pH-Wert niedriger (Fische
    und Pflanzen produzieren ansäuernde Kohlensäure). Ein pH-Wert von 7,5 am Abend ist noch im "grünen" Bereich, so nicht
    Zierfische gepflegt werden, die ständig niedrigere Werte benötigen. Ein pH-Wert von 7,5 am Morgen ist etwa zu hoch: CO2 muss
    zugeführt werden!

    3. Meß- und Regelmethoden
    Meßmethoden:
    Der pH-Wert kann für aquaristische Zwecke ausreichend genau wie folgt gemessen werden:

    1. mit Tropftests (Titration): relativ genau
    2. mit Teststreifen: ausreichend genau
    3. elektronisch: auf 0,1 pH genau mit elektronischen Meßgeräten (regelmässige Eichung notwendig)

    Regelmethoden:
    Es gibt Meß- und Regelgeräte, die in Kombination mit einer Kohlendioxyd-Düngeanlage (CO2-Anlage) den pH-Wert automatisch
    erfassen und regeln.
    Gemessen wird elektronisch mit einer pH-Elektrode. Man stellt - vereinfacht gesagt - den gewünschten pH-Wert, z.B. 6,8 ein
    und das Gerät regelt die Zufuhr von CO2 per Magnetventil so, dass sich der pH-Wert einstellen kann. Bei Überschreiten des
    programmierten Wertes wird die Zufuhr von CO2 gestoppt, bei Unterschreiten des SOLL-Wertes wird kontinuierlich CO2 ins
    Aquarium geleitet, bis der gewünschte Wert wieder erreicht wird.
    Man erreicht damit eine ziemlich genaue ph-Wert-Steuerung. Die pH-Elektrode muss alle 4 - 6 Wochen geeicht werden, damit es
    nicht zu falschen Ergebnissen kommt.

    4. Auswirkungen auf das Aquarium
    Die meisten, üblicherweise in tropischen Gesellschaftsaquarien gehaltenen Fische fühlen sich in einem Wasser mit leicht
    saurem bis neutralem pH-Wert am wohlsten (pH 6,8 bis 7,5). Werte, die stark von dem pH abweichen, den die Fische aus ihrem
    natürlichen Lebensraum gewohnt sind, sollten unbedingt vermieden werden. Besonders gefährlich sind starke ph-Schwankungen innerhalb kurzer Zeiträume, z.B. durch rasches Umsetzen oder durch zu rasch durchgeführte Wasserwechsel. Es kann dadurch zu Verätzungen der Kiemen oder Schleimhautschäden kommen. Zu saures Wasser fördert die Anfälligkeit der Fische gegen Schwächeparasiten wie Oodinium oder Hexamita. Andererseits reduziert saures Wasser die Anzahl von Keimen (Bakterien, Viren, Pilze) im Aquarium, weshalb z.B. bei ausgesprochenen Weichwasserfischen wie Discus bei der Zucht nicht nur der Leitwert und
    die KH eine Rolle spielen können, sondern auch der niedrigere pH-Wert, der die Sekretbildung der Alttiere erleichtert, die Befruchtungsrate des Geleges erhöht und Verpilzungen der Eier verringert.
    Interessanterweise spielt der pH-Wert auch bei der Geschlechterverteilung der Jungen eine Rolle: Kakaduzwergbuntbarsche, die in saurem Wasser geschlüpft sind, entwickeln sich überwiegend zu Männchen. Hingegen stellt sich bei einem pH-Wert über 7 hauptsächlich weiblicher Nachwuchs ein.
    Dieses Phänomen konnte übrigens auch bei anderen Zwergbuntbarschen beobachtet werden.
    Bei spontanen pH-Wert Änderungen auf sehr hohe Werte kann es durch "Umwandlung" von Ammonium zur Bildung von Ammoniak kommen.
    Ammoniak ist bereits in geringsten Konzentrationen tödlich für Fische! (Anm.: Für Reinigungsarbeiten im Freien in der Nähe von
    Bächen mit Fischbesatz also lieber kein "Cif mit Ammoniak" nehmen! :shock: )
    Die optimalen pH-Werte für Ihre Zierfische der Fachliteratur entnehmen! Beim Kauf von Zierfischen auch nachfragen, ob es sich um Wildfangtiere oder Nachzuchten handelt: letztere sind in Bezug auf die pH-Werte anpassungsfähiger, v.a. wenn es sich um Arten handelt, die schon seit Generationen in anderen Wässern als in den Ursprungsländern gezüchtet oder aufgezogen werden.

    5. pH-Wert erhöhen/senken
    pH-Wert heben: Teilwasserwechsel durchführen, Speisesoda zugeben, handelsübliche Präparate (Kh plus, Osmosepulver) zugeben,
    Filterung über Korallenbruch, Einsetzen von kalkhaltigem Gestein
    pH-Wert senken: Teilwasserwechsel mit Osmosewasser oder teil-/vollentsalztem Wasser durchführen, Torffilterung, Zugabe von
    Eichenextrakt, pH-minus, Erlenzapfenextrakt

    In jedem Fall ist die Erhöhung/Senkung SCHRITTWEISE vorzunehmen, also über mehrere Tage. Dabei immer die Werte messen!

    Lg
    Jürgen
     
    #2 23. Juli 2003