3. Rami-Pärchen hat schon wieder transparenten, fädigen Kot

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von andi_w12, 5. Juli 2004.

  1. andi_w12
    andi_w12 Bekanntes Mitglied
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    Mein erstes Microgeophagus ramirezi Pärchen bekam nach 4 Wochen einen transparenten, fädigen Kot. Nach 8 Wochen verschwand trotz ausgewogener und vitaminreicher Ernährung die Farbe. Und nach 12 Wochen: Glotzaugen, aufgestellte Schuppen und Tod. Damals versuchte ich es mit Hexamita. Hab ich sogar 2x wie beschrieben angewendet - und das nich erst als es zu spät war.

    Ein halbes Jahr später hab ich ein neues Rami-Pärchen gekauft - aus einer neuen Quelle. Aber es verlief genau so wie beim ersten. Diesmal besorgte ich mir Metronidazol. Hab das Zeug sogar ein bisschen überdosiert. Dann hab ich noch Na Cl Bäder probiert. Hat nichts genützt.

    Jetzt nach eineinhalb Jahren wollt ich's noch einmal wissen - ich find sie einfach süß. Aber diesmal hat das mit dem Kot schon nach einer Woche begonnen. Und nach 3 Wochen: Keine Farbe mehr obwohl sie normal und gesund fressen. Außerdem spreizen beide Fische den rechten Kiemendeckel weg und scheuern sich an Steinen - Farbe der Kiemen ist normal. Seit gestern haben alle Ancistrus Welse auch den selben Kot wie die Barsche. Das hatten sie noch nie.

    Soll ich wieder mit Hexamita oder Metronidazol beginnen und alle anderen Fische vergiften? (den Welsen gehts da gar nicht gut). Was kann das sonst sein. Bodomonas oder Cryptobia - der befällt nämlich auch die Kiemen. Können das die Welse auch bekommen? Jedenfalls möcht ich nicht zusehen wie das 3. Pärchen stirbt.

    States:
    110 l, 8 GH, 3 KH, 6,3 PH, 27 Grad C, Nitrit 0,0,
    Nitrat ist meißtens zu hoch - aber jetzt immer unter 50
    (Ich füttere meine Armen immer zu viel)

    Besatz: 4 PS, 4 Coridoras, 8 Ancistrus, 12 Neon innesi, 4 Keilfleckbarben, 4 Beilbauchbarben, 2 Schönflossenbarben,

    Ich bitte um Hilfe !
     
    #1 5. Juli 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo Andi,

    Vielen Dank für deine vorbildliche Schilderung des Problemes.
    Leider wird man bei der Vermutung auf Geisseltierbefall nicht umhin kommen, eine Kot- oder Blutuntersuchung zu machen. Alles andere wäre reine Spekulation. Auch wenn die beobachteten Symptome ziemlich genau auf Hexamita & co hinweisen - sicher kann man erst sein, wenn man die Flagellaten unterm Mikroskop nachweisen kann.

    Zum Metronidazol: die üblichen Dosierungen helfen leider oft nicht mehr (Resistenzen). Bei Discusfischen musst ich oft die Dosis auf 1,5 g/100 Liter erhöhen, um einen Effekt zu erzielen. Leider ist das Präparat sehr schädlich für die Exkretionsorgane der Fische, Leber und Niere werden sehr in Mitleidenschaft gezogen. Das gleiche gilt vermutlich auch für das Hexamita-Präparat von eSha, das in meinem Bekanntenkreis eigentlich nicht mehr verwendet wird und auch nie die erhoffte Wirkung erbringt (hier v.a. bei Discusfischen).

    Das Geisseltierchen Bodomonas hätte ja - wie Hexamita oder Spironucleus auch - auf die Behandlung bereits ansprechen müssen, dasselbe gilt vermutlich auch für Cryptobia.

    Nun ist es meines Wissens so, dass diese Geisseltierchen vermutlich immer im Fisch kommensalisch leben, d.h. keinen Schaden verursachen und erst pathogen werden, wenn Stressfaktoren den Fisch schwächen.

    Das erste was zu hinterfragen wäre: der Fischbesatz, die Wasserwerte, die verwendete Dekoration im Becken.

    Die Wasserwerte, so wie du sie gepostet hast, dürften soweit ok sein. An Dekoration sollte mal die Wurzel überprüft werden (so vorhanden), ob sie 'sauber' ist und nicht Unmengen von Nitrat oder Phosphat abgibt. Der Bodengrund darf keine Blasen werfen oder in irgendeiner Form unangenehm riechen - oft führen kleinste Schwefelwasserstoff-Bildungen zu ständiger Abgabe dieser hochgiftigen Verbindung. Ramis reagieren da sofort mal mit Glotzaugen oder Ektoparasitenbefall, auch auf den Kiemen. Bei den vielen Bodenfischen die du drin hast wird auch viel Tablettenfutter gereicht werden - es wäre schon möglich, dass sich im Kies da was unerwünschtes abspielt, v.a. wenn die Schüttung > 4 cm ist.

    Mal ne Frage - wie lange ist das 112 Liter Becken in dieser 'Konfiguration' schon in Betrieb

    Ah - der Fischbesatz:
    Reduziere mal ordentlich - die Prachtschmerlen raus, die Ancistrus auf 4 reduzieren, die Schönflossenbarben auch raus. Das Becken ist überbesetzt. Die Schönflossenbarben sind ziemliche Stänkerer, Prachtschmerlen und Antennenwelse recht unangenehme Gegner für die Schmetterlings-Zwergbuntbarsche, wenns um Reviere oder schlicht und einfach nur ums Futter geht.

    Es kann natürlich auch sein, dass die Ramis, die du bis jetzt immer erworben hast, aus Antibiotika-Hochzuchten stammen und gegen die Keime eines 'normalen' Gesellschaftsbeckens nicht mehr genügend Abwehrstoffe bilden können: zu viele 'neue' Keime in zu kurzer Zeit überlasten das Immunsystem der ohnedies als empfindlich bekannten Ramirezis. Es kommt zu chronischen Krankheitsverläufen mit den von dir geschilderten Symptomen (und die Liste der möglichen Übel könnte noch viel länger sein).

    Ich würde dir emfehlen, für die Haltung der Ramirezis ein 60-er Becken abzustellen, das Becken mit Torf aufzubereiten und die Zahl der Beifische möglichst gering zu halten.

    Cryptobia - welche Buchquelle? Blutparasiten sind natürlich auch IN den gut durchbluteten Kiemen daheim... Besondere Symptome erzeugt Cryptobia nicht, jedenfalls nicht solche, dass man sie ohne Mikroskop von anderen Flagellaten unterscheiden könnte.
    Leider kann ich jetzt nicht auf meine Literatur zugreifen - bin in der Arbeit, die Bücher sind daheim :seltsam:

    Wenn du beabsichtigst, mit Hexamita oder Metronidazol zu behandeln, mach das wenn möglich in einem Quarantäne-Aquarium. Statt dem Hexamita von eSha würde ich dir eher zu Hexa-Ex raten - von dessen Wirksamkeit bin ich überzeugt.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 6. Juli 2004
  4. andi_w12
    andi_w12 Bekanntes Mitglied
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    Hallo Jürgen !

    Erstmals herzlichen Dank für die ausführliche Stellungnahme.

    Ja, ich hab das Hexamita von eSHa. Werd ich gleich mal entsorgen. Angenommen die Wirkung dieses Präperats war nicht zufriedenstellend und das Metronidazol zu wenig dosiert (ca. 0,5g auf 100 Liter), könnte ich ja wirklich noch das Hexa-Ex testen oder Metronidazol höher dosieren. Wenn ich die Ramis jetzt in einem Quarantänebecken behandle bleiben doch die Geisseltierchen Im Aquarium und im Wasser und befallen dann die möglicherweise gesunden Fische wieder, oder?

    Das Becken ist in der Konfiguration seit einem Jahr in Betrieb. Da bin ich umgezogen und hab den Kies sogar ausgekocht. Außerdem wird der Kies bei jedem Wasserwechsel gut belüftet und gewendet. Da riecht nichts und es gibt auch keine Bläschen. Ich hab eine Wurzel und drei Kokosnußschalen drin. Was die abgeben weiß ich nicht, Phosphat hab ich noch nie gemessen. Ich füttere jedoch fast ausschließlich Tabletten und 2x pro Woche Tiefkühlfutter.

    Nur noch zu den Kiemen - die sind stark angeschwollen und abgespreizt. Außerdem machen die Ramis ruckartige Schwimmbewegungen. Ich hab sie jetzt 3x in Salzwasser gebadet, obwohl ich die Fische nicht zu sehr stressen will. Im Wasserbad blieben kleine, graue Würmchen?? zurück. Vorne rund, hinten Spitz und in der Mitte einen dünkleren Fleck. Sind das Kiemenwürmer? Jetzt kratzen sich nämlich auch schon die Keilfleckbarben an den Kiemen.

    Zum Fischbesatz: Die Scheibenputzer reduziere ich sowieso laufend, denn da hab ich alle 4 Wochen einen neuen Wurf. Ansonsten möchte ich mir ein größeres Becken zulegen, weiß noch nicht wie groß. Ich muß vorher das Wohnzimmer renovieren, solange müssen meine Lieben noch ausharren. Die Schmerlen oder die Schönflossenbarben stressen das Barschpärchen glaub ich kaum. Das Rami-Weibchen wird max. vom Mänchen gestresst.

    Literatur: Krankheiten der Fische (Gottfried Schubert/Dieter Untergasser), Fischkrankheiten (Dr. Petra Kölle)

    lg Andi
     
    #3 6. Juli 2004
  5. Klaus R.
    Klaus R. Bekanntes Mitglied
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    Hi Andi

    Das kannst du so nicht sagen.Beide werden viel zu groß für dein Aq bzw. sind es schon.
    Wie groß sind deine Schmerlen ?
    Die brauchen nämlich eine mindest Beckenlänge von 150 cm,was aber nach einigen Jahren auch nicht ausreicht.
    In deinem Becken ist es sehr warscheindlich das die Schmerlen entweder die anderen Stressen oder aber(das ist warscheindlicher) sie verkümmern.
    Bitte überleg dir da was.

    Mfg Klaus
     
    #4 6. Juli 2004
  6. andi_w12
    andi_w12 Bekanntes Mitglied
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    Hallo Klaus !

    Meine Prachtis sind mittlerweile 10 cm, wachsen aber ständig. Mir ist mittlerweile klar, daß das Becken viel zu klein ist. Kommt auch deswegen ein größeres ins Haus. Ich hab die Fische nach einem Anfängerbecken für Erwachsene zusammengestellt (Buch "Süßwasser Aquarium"). Die geben nun mal 4 Schmerlen in ein 112 l Becken. Jürgen empfielt glaub ich ein 500 l Becken für die Schmerlen. Mal sehen was sich platzmäßig ausgeht. :roll:

    Ich seh die Schmerlen sowieso nur Nachts. Tagsüber kommen sie meißt nicht einmal zum fressen aus ihrem Versteck.
    lg Andi
     
    #5 6. Juli 2004
  7. Klaus R.
    Klaus R. Bekanntes Mitglied
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    Hi Andi

    Klar das deine Ps am Tag nicht rauskommen,aber wenn wierklich ein 500Lt. becken kommt wirst sie auch öffter sehen.
    Habe Selbst Ps und Netzschmerlen,sehe die aber sehr viel am Tag.
    Hoffe es wird was mit dem Großen Aq,ich sage mal 450Lt. ist aber echt minimum.

    Mfg Klaus
     
    #6 6. Juli 2004
  8. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    >> Ich hab sie jetzt 3x in Salzwasser gebadet, obwohl ich die Fische nicht zu sehr stressen will. Im Wasserbad blieben kleine, graue Würmchen?? zurück. Vorne rund, hinten Spitz und in der Mitte einen dünkleren Fleck. Sind das Kiemenwürmer?

    Nein, das würde ich ausschliessen. Kiemenwürmer so optisch festzustellen ist fast unmöglich - zu klein, zu transparent. Es könnte sich um abgestorbene Kiemenfilamente handeln.
    Mach mal im Hälterungsbecken ein Dauerbad mit Meersalz: 1 g/ Liter. Wahrscheinlich gehen einige Pflanzen drauf.
    Wo soll man da anfangen zu therapieren? Der fädige Kot scheint mir jetzt noch das geringste Übel zu sein. Vermutlich sind Kiemenwürmer im Becken, das Verhalten der Fische weist darauf hin. Könnte sich aber auch um eine bakterielle Kiemeninfektion handeln, auch möglich. Zusammen mit dem Salz-Dauerbad könnte man dann noch sera omnipur in 1,5 facher Dosierung zusetzen.

    Am besten wärs, du hättest einen UV-Wasserklärer. Bisschen Kohle übrig? - gibts ab Euro 99,00 man bräuchte dann noch einen Aussenfilter oder zumindest eine kleine Strömungspumpe dazu.

    Lg
    Jürgen
     
    #7 7. Juli 2004
  9. andi_w12
    andi_w12 Bekanntes Mitglied
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    Ich möcht mich mal bedanken für die Hilfe. :wink: War sicher einiges interessantes dabei. Ich freu mich jedenfalls diese Seite entdeckt zu haben.
    Werd halt mal wo beginnen und hoffen daß ich alles wieder ins Lot bekomm. Immerhin hab ich jetzt seit einem Jahr keine Fische mehr gekauft und seither auch kein Problem gehabt. Ist scheinbar fast nicht möglich gesunde Fische zu bekommen.

    lg Andi
     
    #8 7. Juli 2004
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