Bauchwassersucht? Behandlung mit NaCl möglich?

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von fender65, 24. August 2004.

  1. fender65
    fender65 Bekanntes Mitglied
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    Hallo Forum,
    Auf der Suche nach Onlinehilfe bin ich auf dieses Superforum gestossen und hab mich mal direkt angemeldet.
    Mein Problem: Ein Platy ist sehr aufgedunsen und hat starke Schuppensträube! Allerdings frisst er normal und zeigt eigentlich keine besonderen Verhaltensauffälligkeiten. Ich vermute es handelt sich um Bauchwassersucht...Da der Fisch vital wirkt, wollte ich einen Rettungsversuch starten indem ich ihn in einem NaCl-Bad bade. Nun habe ich leider noch kein weiteres bzw. Quarantänebecken und weiß auch nicht, wieviel Salz ich einer bestimmten Menge Wasser zugeben muß/darf. Übrigens zeigen alle anderen Bewohner keine Auffälligkeiten.
     
    #1 24. August 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    mit Kochsalz erreichst du in diesem Stadium nichts mehr. In diesem Zustand muss man bereits von einer schweren Schädigung der inneren Organe (Leber, Milz, Niere) ausgehen. Selbst bei Abklingen der 'Schuppensträube' als Symptom für die Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum sterben die Fische nach wenigen Wochen bis Monaten an den Folgeschäden.

    Zum Thema Bauchwassersucht und Glotzaugen (ein mögliches, aber nicht notwendigerweise typisches Symptom) hab ich heute in (m)einem anderen Forum geschrieben (zusammengefasst):

    (...) bakterielle Infektion der inneren Organe. Ein Symtom dafür ist das Hervortreten der Augen (Glotzaugen). Es kann bei Fischtuberkulose oder Bauchwassersucht (Ascites) auftreten. Bei beiden Krankheiten wirken pathogene Bakterien krankheitsauslösend, bei letzterer sind auch Viren nachweisbar (v.a. bei Karpfenfischen). Die Fischtuberkulose ist unheilbar, das beste Mittel dagegen liegt in einer Optimierung der Hälterungsbedingungen im Aquarium, sprich Wasser- und Lebensraumoptimierung bei gleichzeitiger Anpassung des Fischbesatzes (Stress).

    Bei der Bauchwassersucht sind fakultativ pathogene Keime krankheitsverursachend (Bakterien und Viren). Fast alle Fischarten können davon befallen werden, die Keime liegen immer im Aquarium vor und werden erst bei ungünstigen Lebensbedingungen gefährlich. Fische sind besonders dann gefährdet, wenn sie durch Hunger, falsche Ernährung, Kälte oder Transport unter Stress stehen oder mangelhafte hygienische Verhältnisse im Becken herrschen. Auch der Brutstress könnte dafür verantwortlich sein, v.a. dann, wenn du den Fehler gemacht hast und zu wenig Buntbarsch-Weibchen zum Ablenken des Männchens in deinem Becken hast (... in diesem Fall in einem Cichliden-Becken; Anm.)

    Einmal infiziert scheidet der Fisch grosse Mengen von Bakterien aus, so dass sich auch andere Fische infizieren können. Im Anfangsstadium zeigen sich oft die von dir beschriebenen Glotzaugen, die den Fisch anfänglich kaum behindern. Der Krankheitsverlauf kann über mehrere Wochen gehen, meistens kommt dann noch ein aufgetriebener Bauch dazu und die Fische sterben an Leber-, Milz- oder Nierenversagen oder (ganz allgemein) an einem Kreislaufkollaps.

    Behandlung: Den Fisch sofort in Quarantäne setzen. Bei seuchenhaftem Verlauf im Gesellschaftsbecken musst du das Aquarium komplett desinfizieren, die befallenen Fische separieren und behandeln.
    Als Medikamente könntest du ein Nifurpirinol-Präparat verwenden (z.B. sera bactopur direct oder Aqua furan). Handelt es sich um Fischtuberkulose, wirkt dieses Medikament nicht.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 24. August 2004
  4. fender65
    fender65 Bekanntes Mitglied
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    Vielen Dank Jürgen.
    Dann werde ich mich schweren Herzens wohl von dem Tier trennen und seine Leidenszeit beenden müssen...
    Ich bin davon ausgegangen, das es sich nicht um eine ansteckende Krankheit handelt. Werde schnellstmöglich den Fisch aus dem Becken nehmen. Als Medikament habe ich ein Breitbandantibiotikum von Tetra , der genaue Name ist mir jetzt nicht bekannt (bin z.Z. im Büro), färbt das Wasser grün. Kann/soll ich das vorbeugend verwenden?
     
    #3 24. August 2004
  5. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
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    Hallo,

    vermutlich das Tetra General Tonic. Tja... gute Frage, ob mans anwenden soll. Die anderen Fische zeigen vermutlich keine Symptome. Meistens betrifft die Fischtuberkulose, gegen die das TGT nicht helfen würde, und die Bauchwassersucht nur Einzelfische, ebenso bei der Bauchwassersucht (ausser es liegt mit der Wasserqualität was im argen, doch da hilft Teilwasserwechsel besser).
    Könnte man feststellen, dass es Fischtuberkulose wär, müsste man das Becken komplett ausräumen und desinfizieren. Das Problem: bei einem Durchseuchungsgrad von 80 % müsste man auch den restlichen Zierfischbesatz vernichten. Das ist natürlich nicht möglich, denn wer sagt, dass die neugekauften Fische nicht auch wieder das Mycobacterium in sich tragen.
    Ähnliches gilt für die Bauchwassersucht: die Keime sind als 'Zersetzer' (Mineralisierer) immer im Aquarium vorhanden (Mulm), man spricht dann von fakultativ pathogenen Keimen (in diesem Fall: Bakterien), wenn der Fischorganismus genügend Abwehrkräfte aufweist, um die Bakterien mithilfe seines Immunsystems abzuwehren.

    Die Anwendung des Medikamentes wäre also in diesem Fall nicht sinnvoll.

    Sinnvoll jedoch ist die Stärkung der Widerstandskraft der Zierfische durch ausgewogene, abwechslungsreiche und vitaminreiche Ernährung und den Verzicht auf Flocken-Grosspackungen.
    Sinnvoll ist es, den Zierfischbesatz zu reduzieren, wenn man öfter solche Probleme hat, weil Besatzstress DIE Hauptursache schlechthin für beinahe alle Zierfischkrankheiten ist. Sinnvoll ist es, die Haltungsbedingungen im Hinblick auf die wichtigsten chemischen und physikalischen Wasserwerte zu optimieren und die Beckengrösse der Zierfischgrösse anzupassen (und nicht umgekehrt). Sinnvoll wäre... ah, ich muss aufhören, sonst komm ich noch vom 100. ins 1000ndste.

    Krankheiten vorbeugen, das ist das ganze Geheimnis.

    Etwas provokativer formuliert: wenn Krankheiten auftreten, ist der Halter (incl. Zoo-Händler) in 80 % der Fälle schuld daran, die restlichen 19 % gehen auf die Kappe der (Massen-)Züchter, und gegen das letzte Prozent ist kein Kraut gewachsen (der Herrgott gibts, der Herrgott nimmts... eine Theorie ;-)

    Lg
    Jürgen
     
    #4 24. August 2004
  6. Michael
    Michael Bekanntes Mitglied
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    Das beste ist auf gute Wasserqualität achten, abwechslungsreich füttern und Fische mit dieser Krankheit sofort entfernen, mit Medikamenten ist diese Krankheit kaum heilbar.


    ;)

    der herrgott nimmt guppys zu oft ;-)
     
    #5 27. August 2004
  7. NG1GO
    NG1GO Aktives Mitglied
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    Huhu
    Wenn man nun einen Fisch mit Glotzaugen hat und einen mit aufgequollenem Bauch, wie findet man raus ob es Fischtuberkulose oder Bauchwassersucht ist ?
    Und wenn sowas in einem Gesellschftsbecken auftritt und man beispielsweise den Glotzaugenfisch, bzw kranke entfernt, dann hat man doch quasi trotzdem verlohren, oder?
    Ich meine so wie sich das ließt kann man sich die Medikamente ja quasi schenken, oder?
    LG
    Nina
     
    #6 6. Mai 2005
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