Loch im Bauch - Pseudotropheus Lomardoi

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von Anonymous, 25. August 2004.

  1. Anonymous
    Anonymous Gast
    hallo,

    ich habe einen kleinen buntbarsch.
    er hatte 3 tage nichts gefressen und einen aufgeblähten bauch.
    am vierten tag hat er wieder gefressen, aber er hatte einen roten fleck am bauch.
    mittlerweile ist aus dem fleck ein ca 2mm großes loch geworden (weiß).
    der fisch frißt allerdings wieder und ist ansonsten quietschfidel.
    weiß jemand was das sein kann bzw. was ich dagegen machen soll?

    vielen dank für eure hilfe!
     
    #1 25. August 2004
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  3. Michael
    Michael Bekanntes Mitglied
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    höchstwahrscheinlich Lochkrankheit - mach deinem Fisch ein Ektozon-Bad über 10 Minuten:

    Kurzbad: 2 Kaffelöffel Ektozon auf 1 Liter Wasser und nur 10 Minuten baden.

    lg
    Michael
     
    #2 27. August 2004
  4. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo Hesi,

    >> er hatte 3 tage nichts gefressen und einen aufgeblähten bauch.
    am vierten tag hat er wieder gefressen, aber er hatte einen roten fleck am bauch.
    mittlerweile ist aus dem fleck ein ca 2mm großes loch geworden (weiß).

    Dein Fisch leidet an einer bakteriellen Infektion. Die Symptome (aufgetriebener Bauch, entzündliches Hautgeschwür bzw. Fleck) können durch Mykobakterien oder Pseudomomas-Bakterien verursacht werden.

    Erstere sind die Auslöser der Fischtuberkulose, die nach wie vor mit Medikamenten nicht zu heilen ist. Bauer erwähnt, dass die Krankheit bei 35 °C (Wachstumsoptimum: 25 °C) zum Stillstand gebracht werden kann, eine Temperatur, die die meisten Zierfische nicht überleben.

    Wir hatten mal einen Thread bei Colisa lalia, der die gleichen Symptome zeigte. Mit meinem Tipp bzgl. Pseudomonas bin ich damals gründlich daneben gelegen, ein Therapieerfolg war damals eigentlich nur gegen eine sekundär aufgetretene Pseudomonas-Infektion sichtbar. Geholfen hats dem Fisch auch nicht - er ist dann doch an den Folgen der Fischtuberkulose gestorben. Warum dieser Querverweis? Es ist nicht möglich, ohne Abstrich und Kultur die Bakterienart und damit die genaue Krankheitsursache zu ermitteln.
    Häufig im Handel anzutreffende Zierfischarten aus Massenzuchtbetrieben (Schmetterlingsbuntbarsch, Zwergfadenfische) zeigen oft eine Masseninfektion an Mykobakterien, an denen sie nach zusätzlichem Stress infolge Fang, Transport und Wasserwechsel innerhalb kurzer Zeit eingehen. Typisches Beispiel ist der 'Wochen-Ramirezi': nach 1-2 Wochen im Aquarium erkrankt der Fisch plötzlich und stirbt.

    Was bleibt ist die Hoffnung, dass der Fisch über seine Selbstheilungskräfte wieder genesen kann. Dazu musst du dem Fisch im Quarantäne-Aquarium optimalste, möglichst keimfreie, Bedingungen bieten. Um diesen Zustand zu erreichen und um möglicherweise dazukommende Infektionskrankheiten (Bakterien) bzw. Pilzerkrankungen zu vermeiden wäre die Verwendung eines UV-Wasserklärers oder ein Zusatz eines antibakteriell wirkenden Mittels empfehlenswert, z.B. von sera das bactopur direct oder ein anderes hochwirksames Nifurpirinol-Präparat. Bitte kein esha 2000 verwenden, das hilft bei diesen Krankheitsformen kaum. Auch mit alternativen Zusätzen wie Seemandelbaumblättern oder Zimtsud ist da kurzfristig nichts zu erreichen.

    Das vor dir beobachtete weisse Loch lässt den Schluss zu, dass ein Durchbruch der Krankheit aus der Bauchhöhle bereits erfolgt ist. Das Weisse stellt dabei abgestorbenes Gewebe dar. Das kann soweit gehen, dass man sogar die inneren Organe des Fisches sehen kann. In diesem Fall ist es deine Aufgabe, den Fisch möglichst rasch und schmerzlos zu töten, da keine Aussicht mehr auf eine erfolgreiche Heilung besteht. Auch wenn die Bauchwassersucht selten einen seuchenhaften Verlauf nimmt und ganze Bestände dahingerafft werden muss der Fisch aus dem Gesellschaftsaquarium genommen und isoliert werden. Die Erhöhung der Zahl pathogener Keime (hier v.a. des Tuberkulose-Bakteriums) muss auf jeden Fall vermieden werden, die Ansteckung anderer Fische erfolgt sowohl passiv über den Kot bzw. Mulm wie auch durch Berührung.

    Bauer erwähnt auch, dass die Fischtuberkulose auch mit Lebendfutter übertragen werden kann. Erwähnt werden Wasserflöhe, Tubifex und Mückenlarven. In der Reihenfolge stellen nach meinen Erfahrungen Tubifex und Rote Mückenlarven die grössten Ansteckungsquellen für Fischtuberkulose bzw. eine bakterielle Infektion mit dem Krankheitsbild Bauchwassersucht dar. Es ist dabei unerheblich, ob die Larven oder Krebse lebend oder gefrostet verfüttert werden.

    Es ist augenfällig, dass Bauchwassersucht oft 2-3 Tage nach der Verfütterung von Roten Mückenlarven auftritt. Besonders bei afrikanischen Cichliden (Tropheus, Mbunas) oder auch Zwergbuntbarschen trifft das häufig zu. Man könnte dahingehend spekulieren, dass diese Ausfälle dadurch zustandekommen, als die Tiere vor der Verfütterung frei von Mykobakterien bzw. gering infiziert waren und die Krankheit erst nach dem Einsetzen ins neue Aquarium stressbedingt nach Zufuhr grosser infektiöser Keime über das Frostfutter erkrankten. Vollkommen frei von Mykobakterien dürften hingegen Artemia salina sein (Hypothese), vor allem selbst gezogene Krebschen.

    Als typische Hälterungskrankheit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Fische an Fischtuberkulose erkranken, umso mehr an, je schlechter die Haltungsbedingungen im Aquarium und die daraus resultierenden Stressfaktoren sind. Das Hauptaugenmerk zur Vermeidung der Krankheit ist also auf die Herstellung eines ausgewogenen Zierfischbesatzes und einer Optimierung der Wasserwerte zu richten.

    Obwohl ein mit Fischtuberkulose infizierter Fisch nicht unbedingt unmittelbar daran erkranken muss stellt es doch ein Risiko dar - die Wahrscheinlichkeit, dass in einem überbesetzten Aquarium die Krankheit immer wieder ausbricht und Einzelfische betrifft, steigt bei einer vernachlässigten Separierung des akut erkrankten Fisches sprunghaft an.

    Lg
    Jürgen

    Literaturhinweis: Bauer, R. (1991): Erkrankungen der Aquarienfische, 72-75
     
    #3 29. August 2004