marmorierte panzerwelse magern ab

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von shary, 13. März 2004.

  1. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    hi... in relativ kurzer zeit sind mir jetzt 4 marmorierte panzerwelse draufgegangen... alle sind mager geworden und waren plötzlich tot... das ganze ging innerhalb weniger tage... sie haben gefressen (allerdings weiss ich nicht wieviel), wurden trotzdem dünner und ex... keine der anderen fischarten ist betroffen und es hat nur einen meiner "alten" panzerwelse (die schon länger im becken sind) erwischt aber alle (mit einer ausnahme) von einem neuen trupp der erst seit ca 2-3 monate im becken sind... es gibt auch sonst keine äusseren anzeichen... ww sind ebenfalls völlig normal...
    woran könnt das liegen?
     
    #1 13. März 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Corydoras paleatus

    Hi shary,

    schwer zu sagen was es sein könnte. Auf die schnelle fallen mir folgende Ursachen ein:

    - Wurmbefall bzw. Flagellatenbefall im Verdauungstrakt; diese Symptome bekomme ich bei Wildfang-Welsen regelmässig zu sehen. Den Fischen ist äusserlich kaum was anzumerken, dreht man die Tiere jedoch um (auf den Rücken), so ist die Bauchhaut stark konkav nach innen gewölbt
    - massiver Befall mit Einzellern, der bei den gefleckten Corydoras schwer zu erkennen ist, z.B. Costia oder Oodinium
    - aufzuchtbedinge Vorschädigung (z.B. Leberschäden infolge starkem Medikamenteneinsatzes; dass der ältere Cory dann auch eingegangen ist könnte einfach nur ein dummer "Zufall" gewesen sein)
    - hälterungsbedingte Ursachen (zu niedriger pH-Wert, zu hohe Temperatur, über 27 °C in Deinem Becken)

    Ich werd heute Abend einen Blick in meine schlauen Bücher werfen, später dann mehr davon.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 13. März 2004
  4. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Corydoras paleatus

    Guten Morgen,

    Nach Durchsicht der Literat(ou)r scheint mir ein Befall mit Nematoden (Würmer) vorzuliegen.
    Einige Gründe sprechen dafür, hauptsächlich scheint mir der Umstand, dass die Fische gefressen haben, keine ungewöhnlichen äusserlichen Hautreaktionen zeigten und trotzdem abgemagert sind, ein Indiz in der Richtung zu sein. Infizierte Fische können lange mit Nematoden im Verdauungstrakt leben, werden jedoch durch durch Blutverlust stark geschwächt, magern ab und werden anfällig für Schwächeparasiten, denen sie erliegen. Oft ist als Folgeinfektion Hexamita nachweisbar, ein Flagellat, der sich im Verdauungstrakt bei geschwächten Tieren massenhaft vermehren kann.

    Als Wurmarten könnten z.B. Fräskopfwürmer (Camallanus cotti), die lebendgebärend sind und nicht unbedingt einen Zwischenwirt (Cyclops) benötigen, oder Haarwürmer (Capillaridae) sein.

    Eine genaue Diagnose erfolgt durch Sektion eines frisch getöteten Fisches (Tierarzt oder Fischgesundheitsdienst), in Darm oder Leber findet man dünne, 1-2 mm lange Nematoden und Capillaria-Eier.
    Camallanus cotti lässt sich durch aus dem After heraushängende bis 1,5 cm lange blutrote Fäden feststellen, nach Sektion auch im Verdauungstrakt. Bei Panzerwelsen ist das natürlich schwer zu beobachten, da sie sich ständig am Boden aufhalten. Wurde bei der Sektion ein positiver Befund festgestellt, muss das Schauaquarium und alle Geräte entleert, gereinigt und desinfiziert werden

    Als Vorbeugung darf kein Lebendfutter (Ausnahme: Artemia salina) verfüttert oder Tümpelfutter verabreicht werden. Frostfutter ist in dieser Hinsicht bedenkenlos, Wurmlarven werden beim Einfrieren abgetötet.
    Wildfangwelse (z.B. L-Welse), die fast immer einen Wurmbefall aufweisen, müssen für einige Wochen in ein Quarantäne-Aquarium, das keine Dekoration enthalten sollte. Dort kann man zumindest einen Befall mit Camallanus cotti leichter feststellen, gegen Fadenwürmer ist eine wirksame Vorbeugung kaum möglich, da durch den schleichenden Verlauf der Infektion die Krankheit auch während der Quarantänezeit nicht erkannt wird.

    Behandlung: 2 g Concurat 10 % in einem Liter Wasser lösen; In die Lösung gibt man lebende rote Mückenlarven, Artemia salina oder Enchyträen, bis sie nach wenigen Minuten beginnen, an dem aufgenommenen Gift zu sterben. Dann werden sie zur Wurmbehandlung direkt an Fische verfüttert oder eingefroren. Die Behandlung dauert max. 5 Tage und hilft gegen alle darmbewohnenden Nematoden, gefüttert wird täglich 1x. Das Präparat ist gut verträglich. Man kann das Medikament auch über das Wasser verabreichen, in diesem Fall gibt man 0,5 - 0,8 g (bzw. 5-8 ml einer entsprechenden wässrigen Lösung) pro 100 Liter Aquariumwasser über 3 Tage.
    Ist Concurat nicht erhältlich, kann man auch auf andere Medikamente ausweichen, die Levamisol (Wirkstoff im Concurat) enthalten. Die meisten Präparate stammen aus der Nutztierzucht und werden dort gegen Würmer bei Rindern, Schafen oder Pferden eingesetzt. Ich habe damit gegen Camallanus cotti bei Zwergbuntbarschen und Scalaren sehr gute Resultate erzielen können.
    Die Medikamente sind beim Tierarzt erhältlich.

    Lg
    Jürgen

    Literatur: Bauer - Erkrankungen der Aquarienfische
    Untergasser - Krankheiten der Aquarienfische
    Benno ter Höfte - Gesund wie der Fisch im Wasser
    Bassleer - Bildatlas der Fischkrankheiten
     
    #3 14. März 2004
  5. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    thx für die antwort... werd mich drum kümmern und hoff vorallem, dass die andren fische das überstehen werden... v.a. die l201, die im selben becken sind... von denen ists aber sicher nicht eingeschleppt, sind erst seit kurzem drin... hab die corys jedenfalls in einem eigenen becken sitzen, damit sie nicht noch mehr anrichten können
     
    #4 14. März 2004
  6. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    noch eine frage:
    meinst du mit "über 3 tage" 3 tage lange jeden tag die dosierung zuführen oder einmal dosieren, 3 tage drinlassen und dann mit ww bzw kohlefilterung wieder entfernen?
     
    #5 14. März 2004
  7. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Würmer

    Hi shary,
    Gemeint ist eine einmalige Dosierung. Die Behandlung dauert dann drei Tage.
    Diese Konzentration hilft übrigens auch sehr gut gegen Planarien.

    Lg
    Jürgen
     
    #6 14. März 2004
  8. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Kohlefilterung

    Ja, genau ;-)

    Lg
    Jürgen
     
    #7 14. März 2004
  9. shary
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    wollt noch ein feedback hierzu abgeben...
    1 cory (von den kleineren, neu dazugesetzten) hat leider noch das zeitliche gesegnet... damit sind alle neuen ex, von den alteingesessenen nur einer. weitere verluste hatte ich zum glück nicht zu beklagen.
    für alle wiener noch der hinweis: concurat ist in österreich nicht zu bekommen. es wird nur in deutschland vertrieben. auch andere mittel mit levamisol sind nicht leicht zu bekommen. 3 tierärzte haben mir einen korb gegeben, da sie auch keine mittel mit levamisol verwenden und sie waren auch nicht bereit mir ein mittel zu besorgen *grmpf*. ist in der grossen stadt scheinbar nicht so einfach, da das mittel normal nur in der viehwirtschaft eingesetzt wird. auch die apotheken waren sehr zögernd. eine wäre eventuell bereit gewesen mir concurat in deutschland zu bestellen (kosten 30 euro plus nicht genauer bekannte bezugsspesen). ich hab das glück und hab das concurat selber über eine bekannte bei einem pharmakonzern bekommen.
     
    #8 29. März 2004
  10. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,
    Ja - ich hab auch mal von Pontius zu Pilatus laufen müssen, um ein levamisolhältiges Präparat vom Tierarzt zu bekommen. Bin mal nach München gefahren zum dortigen Fischgesundheitsdienst, dort hab ich das erst erhalten.
    Das geht vielleicht leichter, wenn man zu seinem (Haus-)Tierarzt geht und ihm das Problem (= Krankheitsbild) schildert. Levamisolhältige Präparate in wässriger Lösung zur subcutanen Injektion gibts schliesslich genügend für die Nutztierzucht, sie lassen sich auch für die Aquaristik verwenden, wenn man den enthaltenen Wirkstoff entsprechend auf die Aquarium-Grösse hochrechnet.
    Ansonsten wären Tierärzte auch bei kranken Fischen verpflichtet, Medikamente zu deren Heilung zu besorgen. Ansonsten: anderen Tierarzt suchen.

    Lg
    Jürgen
     
    #9 30. März 2004
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