Medikament vorbeugend in den Transportbeutel geben

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von Jürgen Ha, 27. Juni 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    in einer Tiroler Zoohandlung (Unterland) wird beim Kauf von Fischen vorbeugend ein Medikament ins Transportwasser reingegeben, und zwar gegen Ichthyopthirius multifiliis (Weißpünktchenkrankheit).

    Ich möchte mal diskutieren, wozu das gut sein soll:

    1. Stellt das Ichthyo-Mittel im Beutel eine "neue" oder "bewährte" Heilmethode dar?
    Nein

    2. Kann ein mit Ichthyo befallener Fisch, wenn man in den Beutel ein Präparat reingibt, daheim schon wieder als "gesund" ins Aquarium geben?
    Nein

    3. Wirkt das Medikament stresslindernd?
    Nein

    4. Wirkt das Medikament vorbeugend gegen Ichthyo-Befall?
    Nein

    Wenn der Fisch noch kein Ichthyo hatte wird er sich entweder bei den alteingesessenen Zierfischen anstecken oder sowieso nicht erkranken. Wenn der Fisch einmal Ichthyo hatte so erkrankt er kein zweites Mal daran, ist aber ein permanenter Überträger auf Fische, die noch NIE Ichthyo hatte.

    5. Wenn im Geschäft in dem Aquarium, wo der Fisch rausgefangen wurde, ein Ichthyo-Befall vorlag: würde dann die Medikamentierung im Transportwasser eine Ansteckung des NICHT befallenen, eben gekauften Fisch, verhindern?
    Nein

    Die Inkubationszeit von der Ansteckung bzw. vom Tag des "grossen Stresses" ab (und der Fischtransport IST ein Riesenstress für den Fisch) kann meiner Erfahrung nach bis zu 3 Tage betragen.
    In diesem Fall DARF man den Fisch überhaupt gar nicht erst verkaufen, auch wenn er keine Symptome zeigt und "eh nur" eine andere Fischgattung von den weissen Pünktchen betroffen ist.

    WOZU SOLL DAS ALSO GUT SEIN?

    Schadet die Medikamentierung im Fischbeutel den transportierten Fischen?
    JA!!!

    Warum?

    1. Die Dosierung kann nicht eingehalten werden.

    Die durchschnittliche Menge Transportwasser in einem Fischbeutel sind etwa 0,5 - 0,75 Liter. Ist die Dosierung von (angenommen) 20 Tropfen pro 100 Liter schon eigentlich eine "Daumen mal Pi" - Methode, so frag ich mich, wie um alles in der Welt man einen Tropfen, der für 5 Liter dimensioniert ist, auf 0,75 Liter dosieren möchte?
    Der Fisch wird glatt mit der fünffachen Medikamentendosis beglückt! Neben dem Stress, den der Fisch durch den Transport schon hat, kommt noch der Medikamentenstress hinzu.

    2. Ichthyomittel enthalten fast immer Kupferverbindungen. Bei dieser Konzentration würde ich glatt von einer fahrlässigen und mutwilligen Schädigung des Tieres ausgehen.

    Welse oder Zwergbuntbarsche dürften solche Konzentrationen auf Dauer nicht überleben. Zierfisch-Ausfälle einige Wochen oder Monate ohne ersichtlichen Grund könnten auf diesen unsachgemässen Transport zurückzuführen sein.

    Lehnen Sie eine "vorbeugende Medikamentierung" Ihrer Fische ab! Sie tun den Tieren nichts Gutes damit. Stellen Sie die Frage: sind Ihre Zierfische krank? und verlangen eine Argumentation WARUM man gegen etwas behandeln soll, wo doch die Fische - davon gehe ich mal aus - im Geschäft eh nicht krank ist.

    Ausserdem: warum gegen Ichthyo vorbeugend was reintun? Klar, es handelt sich um die häufigste Zierfischkrankheit. Aber eben nur um eine von vielen! Was, wenn der Fisch kein Ichthyo bekommt, aber in der Folge an Nierenschaden oder Kiemenverätzung, hervogerufen durch das Ichthyo-Mittel, eingeht?

    Grüsse,
    Jürgen
     
    #1 27. Juni 2003
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