Pelvicachromis Pulcher hat "Glubschaugen"

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von ManniAT, 11. Oktober 2004.

  1. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Hallo Leute,

    nachdem sich mein Erfahrungsschatz mit Krankheiten (zum Glück) sehr in Grenzen hält stelle ich hier mal eine Frage, und hoffe, dass mir jemand helfen kann.

    Mein Pevlvicachromis Pulcher Männchen lebt seit ca. 2 Wochen etwas versteckt. Ursprünglich bin ich von einer Laichsituation oder so ausgegangen, da auch Frau Pulcher etwas zurückgezogen lebte.

    Er fiel vor einer Woche zudem dadurch auf, dass auf seiner Stirn ein "hellrosa Fleck" zu sehen ist. Der erste Gedanke war ein Verletzung.

    Seit einigen Tagen ist "SIE" wieder zu sehen, ihn konnte ich heute hinter einem Steinaufbau entdecken.
    Der Fleck ist weiterhin vorhanden (keine Änderung), doch die Augen des Fisches stehen extrem vor und wirken strakt vergrößert.
    Nach Abschalten der Lichts ist er kurz herumgeschwommen um nach ein paar Minuten wieder hinter "seinem" Stein zu verschwinden.

    Zusammenfassend:
    Er schon länger (14 Tage) zurückgezogen.
    Seit ca. einer Woche nicht sicher ob Nahrung aufgenommen wurde.
    Seit ca. 3 Tagen (mein Sohn meinte diese sei am Samstag zu sehen gewesen) anschwellen der Augen.
    Heute stark geschwollene Augen - kein Erscheinen beim Fressen.
    Kein verstärkte Kiementätigkeit - eher Lethargie vorherrschend.

    Alle Anderen Fische im Becken (samt seiner Partnerin) verhalten sich normal. SIE versucht auch IHN anzubalzen - er reagiert nicht.

    Kennt jemand solche Symptome?

    Danke

    Manfred
     
    #1 11. Oktober 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo Manni,

    Das Symptom mit den hervorquellenden Augen nennt sich 'Glotzauge' oder 'Exophthalmus'.

    Hervorquellende Augen können mehrere Ursachen haben. Oft kommt das Krankheitsbild zusammen mit infektiöser Bauchwassersucht (Ascites) vor und stellt dann eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Auge, hervorgerufen durch eine bakterielle Infektion, dar.
    Verursacht werden kann die Flüssigkeitsansammlung durch ein Nierenversagen oder eine Nierenfehlfunktion, wobei die Niere nicht mehr genügend Flüssigkeit ausscheiden kann. Die Flüssigkeit wechselt dann ins Gewebe oder die Leibeshöhle und kann so zur Leibesauftreibung und Glotzaugen führen.
    Neben einer bakteriellen Infektion kann das Nierenversagen auch durch übermäßige Fütterung mit stark salzhaltigen Futtermitteln an Süßwasserfische führen, z.B. mit Artemia Salina, Pazifik-Krill anderen Garnelenarten. In diesem Fall können die Nieren das Salz nicht mehr ausscheiden, es lagert sich in den Nieren ab und führt zu einem Nierenversagen.
    Auch unzureichende Ernährung und in der Folge sekundäre bakterielle Infektionen können zu einer Fettanhäufung hinter dem Auge führen, wodurch dann das Hervorquellen verursacht wird. Das kann bis zum Augenverlust führen.
    Oft werden die Fische im Anfangsstadium dadurch in ihrem Wohlbefinden kaum beeinträchtigt, fressen normal und zeigen auch normale Färbung.
    Dennoch muss behandelt werden, damit sich die bakterielle Infektion nicht verschlimmert und auf die Bauchhöhle ausweitet. Pelvicachromis-Arten zeigen bei Glotzaugen eine ausgesprochene Dunkelfärbung, weitere Symptome sind verstärkte Atmung, am 'Boden liegen', die Nahrungsaufnahme wird eingestellt.
    Die Behandlung kann mit Aqua Furan oder sera baktopur direct erfolgen. Eine Temperaturerhöhung ist nicht sinnvoll. Das Quarantäne-Aquarium sollte dunkel gehalten sein und nur indirektes Licht erhalten. Ein Filter darf während der Behandlung nicht laufen, das Aquariumwasser muss belüftet werden. Von einer Salzzugabe würde ich auch eher abraten, um den geschwächten Fischorganismus nicht weiter zu belasten.

    Es kann auch bei erfolgreicher Behandlung vorkommen, dass sich das herausgedrückte Bindegewebe nicht mehr komplett zurückbildet und eine Mißbildung bleibt. Dabei sollte die Behandlung möglichst bald begonnen werden, damit Aussichten auf einen Heilungserfolg bestehen.

    Ursächlich ist für diese Krankheit eine verschlechterte Wasserqualität verantwortlich. Ich kenne aber auch Krankheitsverläufe, wo die Ursache mit Sicherheit nicht falschen Haltungsbedingungen oder unzureichenden Wasserwerten zu finden sind. Auslöser für Ascites sind Bakterien, die ständig im Aquarium vorhanden sind; eine kurzfristige Schwächung des Immunsystems des Fisches, aus welchem Grund auch immer (und dabei sollte man die Roten Mückenlarven als 'bakterienkontaminiertes' Futter nicht ausschliessen) kann schon genügen, um die Krankheit ausbrechen zu lassen. Auch indirekter Stress, begründet durch ständige (erfolglose) Investition von Lebensenergie in die (Lebensraum-)Verteidigung eines Brutrevieres im Gesellschafts-Aquarium kann den Fisch soweit schwächen, dass er anfälliger wird.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 12. Oktober 2004
  4. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Hallo Jürgen,

    danke für die Infos!

    Dann werde ich das Tier mal in unser 12er Becken siedeln.
    Das dienst momentan als TDS Zuchtbecken. Der Filter (Huckepack) wird leergeräumt - also nur mehr zum Belüften eingesetzt.
    Licht gibt es da eh keines - sollte also auch passen.

    Die Turmdeckelschnecken werden wir vorher soweit es geht entfernen; ich nehme einfach mal an, dass diese Tierchen Medikamente nicht so gut vertragen!

    Das Medikament wird besorgt, und dann hoffe ich mal das besten für den armen Kerl.

    Als Ursache käme wie von dir geschildert der Stress in Frage.
    In letzter Zeit wurde er nämlich von den Pseudocrenilabrus ziemlich grob verdrängt.
    Das Fange besagter Fische war auch nicht gerade "stressfrei" für den Rest der Besatzung - die haben sich ziemlich gegen das Herausfangen gesträubt.

    Anbei - abgesehen von der "Delle" auf der Stirn und den Augen ist optisch nichts zu erkennen. Er liegt auch nicht am Boden, aber Fressunlust, sowie Verstecken und Verweilen an einem Ort ist gegeben.

    Danke für die Infos

    Manfred
     
    #3 12. Oktober 2004