Rotdorn Harnischwels bekommt trübe (weiße) Augen

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von Anonymous, 12. Juli 2004.

  1. Anonymous
    Anonymous Gast
    Habe den ca. 6 Jahre alten Wels von meinem Bruder erhalten der in seinem Becken zu groß wurde.
    Nach etwa einem Monat begann der Wels langsam die weißen Augen zu bekommen.
    Es handelt sich aber nicht um einen weißen Belag auf den Augen, sondern von innen.
    Ein freundlicher Herr eines Arbeitskreises der sich unter anderem mit Welsen beschäftigt vermutet eine altersbedingte Erscheinung ...
    bei einer Lebenserwartung von bis zu 12 Jahren kann ich mir das jedoch schlecht vorstellen.
    Als Maßnahme werde ich meinen PH-Wert noch etwas zu senken.

    Kann das die Ursache sein??

    Für ein Paar hilfreiche Ratschläge wäre ich sehr dankbar
     
    #1 12. Juli 2004
  2. Anzeige
     
  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
    Registriert seit:
    23. Januar 2003
    Beiträge:
    5.014
    Zustimmungen:
    3
    Ort:
    Forum
    Hallo KK,

    für die Hornhauttrübung kämen einige Ursachen infrage, sowohl haltungsbedingte (pH-Wert, Dekoration - z.B. zu kleine Höhlen) als auch bakterielle Ursachen.
    Ich würde eher nicht auf eine Alterserscheinung tippen, die fällt bei Harnischwelsen eher in Form von Abmagerung auf. Eher würde ich da einen Zusammenhang mit dem Beckenwechsel herstellen. Es ist halt recht schwierig, einen 'alten' Fisch so mir nichts dir nichts in eine neue Umgebung umzusetzen: neue Beckengrösse, andere Wasserwerte, andere Beifische, anderes Futter, andere Temperatur, anderer Beckenstandort selber.

    Dazu ein paar Fragen:
    - sind die Wasserwerte bei deinem Bruder und dir identisch?
    - ist der Wels von einem grösseren in ein kleineres Becken gekommen?
    - ist die Dekoration, allen voran der Kies (Körnung und Beschaffenheit) in beiden Becken gleich?
    - hast du dem Fisch ein grundsätzlich anderes Futter angeboten, als er es nun schon jahrelang gewohnt war?

    Zu den Augen:
    - sind beide Linsen getrübt?
    - haben sich die Augen ein wenig mehr als usus aus den Höhlen gehoben?
    - findest du, dass die Augen bereits 'kaputt' sind und der Fisch bereits erblindet ist?

    Auch wenn diese Fragen scheinbar nichts mit der Hornhauttrübung zu tun haben - die Umstände machen die Krankheit, sie zu verstehen kann dann auch bei der Heilung behilflich sein.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 12. Juli 2004
  4. Anonymous
    Anonymous Gast
    Hallo Jürgen,

    zuerst einmal möchte ich mich für die schnelle und ausführliche Antwort bedanken.
    Ist ein tolles Forum das Ihr hier betreibt.
    Übrigens bin ich mir mit der Art des Welses nicht ganz sicher.

    so und nun kommen wir zu deinen Fragen:

    - Die Wasserwerte meines Bruders sind mir leider nicht bekannt, aber wenn es die Art ist die ich glaube muss ich unbedingt noch meinen PH-wert um ca. 0,5 senken
    - Der Wels ist von dem viel zu kleinen 70 l Becken in mein 160 l Becken gekommen
    - Der Kies in dem jetzigen Becken (2-4 mm) ist etwas feiner als bei meinem Bruder
    Eine große Höhle habe ich extra für den Wels eingerichtet, vorher besaß er keine
    - Genau wie mein Bruder habe ich Welstabletten verabreicht, wobei schon mein Bruder keinen best. Hersteller verwendet hat
    - Beide Linsen sind getrübt, jedoch habe ich den Eindruck, dass nur die Hornhaut getrübt ist die eigentliche Linse womöglich sogar intakt???
    - Es sieht nicht wie Glotzaugen aus, obwohl ich damit auch noch nicht so die Erfahrung gemacht habe.
    - Der Wels scheint sich zumindest noch im Becken bewegen und zurechtfinden zu können, was bei der kurzen Zeit bemerkenswert ist
    Aber sieht halt schon sehr fortgeschritten aus.
    Ich habe auch ein Bild von dem Wels mit getrübten Augen falls es hilfreich wäre, weiß leider nur nicht ob man diese von dem Desktop aus hier einfügen kann???

    Viele Grüße KK
     
    #3 12. Juli 2004
  5. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
    Registriert seit:
    23. Januar 2003
    Beiträge:
    5.014
    Zustimmungen:
    3
    Ort:
    Forum
    Hallo,

    >> Ich habe auch ein Bild von dem Wels mit getrübten Augen falls es hilfreich wäre, weiß leider nur nicht ob man diese von dem Desktop aus hier einfügen kann???

    Nö, das geht natürlich nicht - d.h., du würdest das Bild vermutlich sehen, aber die anderen bekommen ein lxl angezeigt.
    Schick mir mal das Bild, ich stells dir gerne online wenn du möchtest.

    Lg
    Jürgen
     
    #4 13. Juli 2004
  6. Anonymous
    Anonymous Gast
    So habe das Bild an die oben stehende E-Mail versendet.
    Hoffentlich habt ihr einen Vorschlag was ich noch machen kann, oder zumindest woran es liegen könnte.

    Vielen Dank

    KK
     
    #5 13. Juli 2004
  7. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
    Registriert seit:
    23. Januar 2003
    Beiträge:
    5.014
    Zustimmungen:
    3
    Ort:
    Forum
    Hallo,

    ich hab mir das Bild mal angesehen:



    Es sieht tatsächlich so aus, als wäre das Augen von innen her geschädigt worden. Da ist mal die Hornhauttrübung selber, die sich über dem Glaskörper des Auges deutlich abzeichnet, aber auch die Linse scheint in Mitleidenschaft gezogen sein (reiskornähnlich). Sieht beinahe wie denaturiertes (gestocktes) Eiweiss aus.

    Als einzige Ursache habe ich dafür eine Cercarien-Erkrankung ausfindig machen können. Der Parasit Diplosomum verursacht eine Erkrankheit, der eine als Wurmstar bezeichnete Augentrübung verursacht und in der Augenlinse oder der Augenflüssigkeit lebt. Die Schäden können von Linsentrübungen und Linsenbrüchen bis zur Blindheit reichen.
    Die Krankheit soll meistens bei frisch importierten Fischen, manchmal auch bei Teichfischen, auftreten. Die Larvenstadien im Fisch können langlebig sein, irgendwann sterben sie einmal ab und werden dann vom Wirt resorbiert oder abekapselt - die Augentrübung verschwindet wieder. Eine Behandlung ist nicht möglich.
    Man könnte sich die Krankheit einschleppen, wenn man Plankton (Lebendfutter) aus Teichen fischt oder Teichschnecken bzw. Teichfische ins Aquarium gibt.
    Der Lebenszyklus ist so gestaltet, dass Vögel die Saugwurm-Eier mit dem Kot ins Gewässer abgeben. Dort schlüpfen freischwimmende bewimperte Larven (Miracidium), die in Wasserschnecken eindringen (1. Zwischenwirt). Dort vermehren sie sich und entwickeln sich zu weiteren Larvenformen, aus der Sporocyste/Redie wird eine Cercarie. Die Cercarien verlassen die Wasserschnecke und werden von Fischen aufgenommen (gefressen; 2. Zwischenwirt) oder mit dem Plankton eingeschleppt. Im Fisch wandelt sich die Cercarie zur encystierten Metacercarie um. Die infizierten Fische werden von Waservögeln gefressen. Diplostomum, Erreger des Wurmstar, parasitiert in Wasservögeln (Endwirt). Andere Cercarien, die in Vögeln und Fischen parasitieren können: Clinostomum (Erreger der Gelbfleckenkrankheit), Posthodiplostomum (Verursacht die Schwarzfleckenkrankheit bei Fischreihern).

    Ok. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass es Wurmstar ist, aber auch nicht auszuschliessen. Bleiben noch physikalische oder biotische Faktoren, also eine bakterielle Infektion infolge der Schwächung durch das Umsetzen, die sich dann auf das innere Auge ausgeweitet hat.
    Als Verletzungsmöglichkeit ist mir eben der Transport eingefallen: hast du den Fisch in einem Kübel transportiert?

    Lg
    Jürgen
     
    #6 14. Juli 2004
  8. Anonymous
    Anonymous Gast
    Wow, also über diese ausführliche und fachliche Auskunft bin ich echt beeindruckt.
    Für den Transport habe ich einen handelsüblichen großen Beutel verwendet.
    Solch einen wie sie auch die Händler verwenden.
    In diesem Beutel befand sich der Wels dann etwa 30 Minuten.
    Was ich aber viel interessanter finde ist die Sache mit den Vögeln.
    Ich habe nämlich auch zwei Wellensittiche.
    Diese fliegen zwar nie über das Becken, außerden ist dieses ja auch abgedeckt (außer ein kleiner Spalt zur Wärme Abgabe um große Temperaturschwankungen zu vermeiden zwischen Wasser und Oberfläche), aber eine Möglichkeit wäre das ich einen der Vögel auf der Hand hatte und später vielleicht Arbeiten am Aquarium durchgeführt habe.
    Ist es bekannt ob Wellensittiche auch von diesem Parasiten befallen werden????

    Danke für die tollen Infos!
    Endlich kann man wenigstens mal versuchen zu verstehen was es sein könnte, und muss sich nicht mit irgendwelchen lahmen Argumenten abfinden.
     
    #7 14. Juli 2004
  9. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
    Registriert seit:
    23. Januar 2003
    Beiträge:
    5.014
    Zustimmungen:
    3
    Ort:
    Forum
    Hallo,

    >> Ist es bekannt ob Wellensittiche auch von diesem Parasiten befallen werden????

    Nein, das kannst du natürlich ausschliessen - die WS müssten den Fisch schon fressen, um infiziert zu werden :)

    Zur Antwort selber: naja, im Prinzip hilfts ja nicht wirklich weiter, es ist ja nur eine (recht unwahrscheinliche) Vermutung in eine Richtung. Die Frage ist, wie man dem Fisch jetzt helfen können und welche Methode man 'auf gut Glück' anwenden könnte, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen.

    >> Als Maßnahme werde ich meinen PH-Wert noch etwas zu senken

    Poste mal den pH-Wert, die Gesamthärte und den gesamten Fischbesatz.

    Lg
    Jürgen
     
    #8 14. Juli 2004
  10. Anonymous
    Anonymous Gast
    Hallo Jürgen,

    ich bin gestern erst bei meinem Fischhändler gewesen um meine Wasserwerte prüfen zu lassen.

    Also:

    PH-Wert: 7,2
    KH: 6,0
    NO3: ca. 40 (Teststreifen)
    NO2: 0
    CO2: 15 mg/l
    GH: > 16°d (Teststreifen)

    Fischbesatz:

    8 Platies (viele Junge), 2 Streifenhechtlinge, 7 schwarze und 6 rote Neons, 6 Panzerwelse, 4 Phantomsalmler, 2 siam. Prachtschmerlen(klein), 1 Antennenwels + 4 junge und mein großer

    Bis bald
    KK
     
    #9 14. Juli 2004
  11. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
    Registriert seit:
    23. Januar 2003
    Beiträge:
    5.014
    Zustimmungen:
    3
    Ort:
    Forum
    Hallo,

    naja, am pH-Wert wirds nicht liegen, dass der diese trüben Augen bekommt.
    Die in Relation zur KH recht hohe Gesamthärte könnte man vielleicht senken, wenn du die Wasserwechselintervalle erhöhst. Deutet auf einen erhöhten Salzgehalt hin.

    So. Mir ist vorhin der JBL Produktkatalog in die Hände gefallen, dort ist so eine kleine 'Schnellübersicht' der wichtigsten Fischkrankheiten drin (neben den gleich empfohlenen JBL-Produkten, eh klar). Naja, da steht auch was über trübe Augen drin, Hornhauttrübung. Als Abhilfe wird Atvitol empfohlen, das ist das JBL Vitaminpräparat für Zierfische. Über die Zusammensetzung hab ich schon mal begonnen, eine kleine Datenbank einzurichten, zum Vergleich der Inhaltsstoffe. >> Klick
    Könnte schon möglich sein, dass es sich um eine Mangelerkrankung handelt.
    Versuch mal diese Vitaminkur über ein paar Wochen, verbunden mit wöchentlichen Teilwasserwechseln von mindestens 1/3 könnte das vielleicht helfen.

    Code:
    Vitamin A und weitere Vitamine haben anscheinend zudem vorbeugende Wirkung auf die Augen. Denn mit fortschreitendem Alter können die lichtempfindlichen Zellen der Makula absterben. Die Makula ist auf der Netzhaut die Stelle des schärfsten Sehens. Von dieser so genannten Makuladegeneration ist etwa jeder 50ste im Alter zwischen 50 und 60 Jahren betroffen. Erstes Anzeichen der Erkrankung ist, dass beim Lesen einzelne Buchstaben nicht mehr zu erkennen sind. Später trübt dann ein verschwommener Fleck das Blickfeld. 
    Mehr dazu hier: http://www.welt-der-vitamine.de/special ... 45,00.html

    Lg
    Jürgen
     
    #10 14. Juli 2004
  12. Anzeige