Schwarzes Maul bei Trauermantelsalmler - mögl.Erklärung

Dieses Thema im Forum "Zierfischkrankheiten und Plagegeister" wurde erstellt von Santja, 13. Oktober 2004.

  1. Santja
    Santja Aktives Mitglied
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    Ich beziehe mich da auf meinen Beitrag weiter unten betreffend meinen Trauermantelsalmler, der ein schwarzes aufgedunsenes Maul und schwarze Flecken am Körper hat.
    Ich bin heut bei einem Aquariumgeschäft vorbeigekommen, eh klar, musste natürlich auch gleich mal reinschauen und hab mich mit dem Verkäufer dort unterhalten und ihn ua. auch wegen diesen eigenartigen Symptom bei meinem Fisch gefragt.
    Also der hat dazu folgendes gesagt: das ist eine Erscheinung, wie sie bei Trauermantelsalmlern vermutlich durch Inzucht auftritt (auch diversere Geschwülste können diese Schwimme kriegen). Das ist angeblich nicht ansteckend, und die Fische sterben auch nicht sofort daran. Er meinte, mein Fisch wird sicherlich noch Monate damit herum schwimmen, bloss dass das Tier halt sicherlicht nicht "sehr schön" aussieht. Und ausserdem hilft angeblich auch keine Behandlung mit Medikamenten.
    Nun, das sind ja Aussichten, finde ich. :shock:
    Wenn das tatsächlich stimmt, dann tut mir der Fisch ja echt leid, wenn der so langsam "dahinkrepiert" :cry:
    Und Max hat ja meinem Beitrag geantwortet, dass schon 8 seiner Fische so aussehen bzw. dass sich deren Mäuler "auflösen".... wär es denn dann nicht besser, die Fische zu "erlösen"??? Keine Ahnung.
    Man kann eh nur abwarten, oder???
    Was meint ihr???
     
    #1 13. Oktober 2004
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo Santja,

    >> Also der hat dazu folgendes gesagt: das ist eine Erscheinung, wie sie bei Trauermantelsalmlern vermutlich durch Inzucht auftritt (auch diversere Geschwülste können diese Schwimme kriegen). Das ist angeblich nicht ansteckend, und die Fische sterben auch nicht sofort daran. Er meinte, mein Fisch wird sicherlich noch Monate damit herum schwimmen, bloss dass das Tier halt sicherlicht nicht "sehr schön" aussieht.

    Das ist, ohne dass ich dich damit angreifen möchte, ziemlicher Schwachsinn.

    Ich erlaube mir, dem Zitierten heftigst zu widersprechen, aus mehreren Gründen:

    - ich habe Gymnocorymbus ternetzi über Jahre in Massen nachgezüchtet und dabei mein Zuchtmaterial aus handelsüblichen Nachzuchttieren rekrutiert, ohne diese Symptome bei jungen, semiadulten oder adulten Tieren jemals in seuchenhaftem Verlauf festgestellt zu haben. Dabei wurden (aus zuchttechnischen Gründen) oft Verpaarungen mit Inzuchtcharakter vorgenommen.
    Was zu beobachten ist: ältere Tiere ab etwa 3 Jahren neigen zu dieser Geschwulstbildung am Maul, sie ist m.E. eine typische Alterserscheinung dieser Fischart, genauso wie die 'Dickleibigkeit' von alten, nicht mehr laichbereiten oder nicht regelmässig auslaichenden Weibchen oder das generelle Verblassen der Farben beider Geschlechter.

    - Inzuchtkrankheiten treten kaum in zeitlicher gleicher Abfolge auf, und nicht mit einem vom Zitierten geschilderten Verlauf, der 'Er meinte, mein Fisch wird sicherlich noch Monate damit herum schwimmen' damit nichts anderes als einen chronischen Krankheitsverlauf schildert.

    - ich kenne keine Zierfischart, wo inzuchtbedingte Schäden im subadulten Stadium (und so hast du die Fische gekauft) beim Händler nicht auftreten, dann jedoch im Hälterungsaquarium plötzlich innerhalb eines kurzen Zeitraumes akut werden.

    Ich vermute, dass es sich bei diesen schwarzen Flecken und Geschwulsten um Tuberkel von Mycobakterium sp. handelt, diese Symptome demnach von der Fischtuberkulose verursacht werden.

    Ich habe mich ein wenig auf englischsprachigen Seiten umgesehen, wo die Thematik öfter besprochen wird.

    Lies mal den thailändischen Link durch - diese Fischzüchter verwenden Antibiotika wie unsereins Wasseraufbereiter, um möglichst viele Fische in ihren Massenzuchten durchzubekommen. Was passiert mit diesen Asien-Importen beim Händler? Sie kommen - als erstes - in Kontakt mit Bakterien, massenhaft Mycobakterien bei (Zitat) geschätzten 'ca. 80 % Durchseuchungsgrad' des Zierfischbestandes.

    Code:
    Treating infected pearl gouramies (Trichogaster leeri) by applying penicillin to the skin of the fish, and treating black widows (Gymnocorymbus ternetzi) with terramycin by a continuous bath have both proven successful means of treatment (van Duijn, 1961). 
    http://www.fisheries.go.th/aahri/Health ... /art40.htm

    Dann noch eine englischsprachige Seite, wo u.a. Symptome der Fischtuberkulose beschrieben werden:

    Code:
    Several different bacteria may cause it, all are members of the Mycobacterium genus: 
    Myobacterium piscium 
    Myobacterium platypoecilis 
    Myobacterium anabanti 
    Myobacterium fortuitum 
    Myobacterium salmoniphilum 
    Myobacterium marinum 
    
    Dark coloration and granular appearance of the cornea (this is the first sign in Angelfish). 
    Skeletal deformity 
    Hanging at the surface 
    Skin defects, including blood spots and open wounds that may ulcerate 
    Black spots, or overall dark coloration (in Cichlids particularly).
    http://www.4qd.org/Aqua/disease/tb.html

    Man könnte einen dieser Fische sezieren und dann ein Quetschpräparat anfertigen, dabei sollten an den inneren Organen Tuberkel zu finden sein.

    Abhilfe:
    - Quarantäne-Aquarium verwenden!
    - UV-Wasserklärer verwenden
    - Fischbesatz optimieren (verringern!)
    - Keimzahl im Becken durch Senken des pH-Wertes und Verwendung von Torf reduzieren
    - Fische optimal füttern, vitaminisiertes Futter verabreichen
    - und, last but not least, Deutsche Nachzuchten kaufen.

    Diese Deutschen Nachzuchten bekommst du aber vermutlich nicht in einer Filiale der grossen Ketten.

    Fischtuberkulose ist ansteckend, um nochmal auf dein Zitat zurückzukommen.

    Lg
    Jürgen
     
    #2 13. Oktober 2004
  4. aquatikmax
    aquatikmax Mitglied
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    Hallo,
    Die Erklärung von Jürgen scheint mir bisher die plausibelste zu sein. Danke für die Mühe!
    Wenn es tatsächlich Fisch-TB ist, was soll man mit den infizierten Fischen machen? Separieren und eine Behandlung mit Antibiotika versuchen, oder die Tiere am besten erlösen? Eine Behandlung mit Furanol hat bisher nichts gebracht.
    Die Hälfte meiner 20 Trauermantel sind übrigens aus eigener Nachzucht. Müssten diese dann nicht weniger anfällig für den Erreger sein?

    Danke und Gruß, Max
     
    #3 13. Oktober 2004
  5. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo Max,

    >> Die Hälfte meiner 20 Trauermantel sind übrigens aus eigener Nachzucht. Müssten diese dann nicht weniger anfällig für den Erreger sein?

    Theoretisch schon, ja, der Eingewöhnungsstress fällt ja weg. Nur stehen die NZ natürlich auch im Kontakt mit den Alttieren und fangen sich so über Kontakt (und die Trauermäntel stupfen sich ständig mehr oder weniger liebevoll im Becken rum) das Bakterium ein. Du könntest mal versuchen, die nächste Nachzucht ab dem Eistadium separat aufzuziehen und zu pflegen, also die nächste NZ nicht mehr ins 'infizierte' Gesellschaftsaquarium zu setzen.

    Ich glaube nicht, dass du mit handelsüblichen Präparaten was gegen Fischtuberkulose ausrichten kannst. Selbst die Anwendung von Terramycin und Kanamycin stellt keine Gewähr dar, dass diese Antibiotika infolge Resistenzbildung noch eine Wirkung zeigen. Ich würde vorschlagen, dass du dich mal ans Telefon schwingst und im Branchenverzeichnis deiner Region einen fischkundigen und interessierten Tierarzt rausfindest, der einen der Trauermäntel per Mikroskop untersuchen und einen Therapievorschlag erstellen kann.
    Von wo bist du denn?

    Lg
    Jürgen
     
    #4 14. Oktober 2004
  6. aquatikmax
    aquatikmax Mitglied
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    Hallo Jürgen,

    ja, ein guter (Fisch-)Tierarzt könnte sicher weiterhelfen, müsste mich vielleicht mal im Rhein-Main-Gebiet umhören. Wohne im Taunus (D), und habe da bis jetzt keinen entspr. Tierarzt gefunden.
    Wenn ich neue Infos habe, melde ich mich wieder.

    Viele Grüße, Max
     
    #5 14. Oktober 2004
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