Einsetzen von Wasserpflanzen

Dieses Thema im Forum "Pflanzenforum" wurde erstellt von Jürgen Ha, 1. April 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Einsetzen von Wasserpflanzen

    Was man beim Einsetzen der Pflanzen falsch machen kann? Alles! Es genügt nicht,
    die Pflanze einfach nur "einzubuddeln", ein paar Sachen
    müssen einfach beachtet werden, damit das Pflanzenwachstum rasch
    einsetzen kann.

    1. Die Pflanzen nicht tiefer in den Kies einsetzen, als sie eingetopft waren.
    Diese "Tag-Nacht"-Grenze erkennt man am Übergang des
    Wurzelballens in den Stengel: der eingetopfte Bereich ist frei von Chlorophyll (= Blattgrün).
    Die Grenze von diesem helleren "Nacht"-Bereich zum lichtbeschienenen
    "Tag"-Bereich ist mit freiem Auge ziemlich deutlich
    erkennbar. Sie ist auch die Grenze für die Einsetztiefe der Pflanze im
    Aquarium-Kies. Wenn man die Pflanze tiefer einsetzt, werden die unteren
    Blätter an den Stielen abfaulen, im schlimmsten Fall setzt sich die Fäulnis
    auf den Pflanzenstamm fort und die Pflanze löst sich vom Wurzelballen.
    Zu "seicht" eingesetzte Pflanzen bekommen nicht genügend Halt im Kies
    und werden von den Fischen oder der Filterströmung ausgezupft.

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    2. Die Pflanzen nicht "irgendwie" in die Pflanzgrube setzen, sondern mit
    einer Hand gerade in die Grube stellen und halten und mit der anderen
    Hand zuhäufen. Danach - und das ist wichtig! - muss die eingesetzte
    Wurzelpflanze (bei Bundpflanzen funktioniert das nicht so gut) ein wenig
    "angehoben" werden. Das heisst, man zieht das Pflänzchen etwa einen
    knappen Zentimeter wieder aus der Grube. Also vorher die Pflanze gleich
    einen Zentimeter tiefer einsetzen. Sinn der Aktion: Man richtet so die
    untersten Wurzelbereiche, die durch das "Hineinstellen" in die Pflanzengrube
    umgebogen wurden, wieder halbwegs senkrecht aus. Das -
    unsichtbare - Ergebnis wird dann eine Wurzelausrichtung wie die Borsten
    bei einem Rasierpinsel sein, und nicht ähnlich den zerfransen, seitlich
    waagerecht wegstehenden Fasern eines alten Filzstiftes, sein.

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    3. Man sollte seinen Wurzelpflanzen Starthilfe geben, indem man eine
    Düngetablette in den Wurzelbereich steckt. Das ist sinnvoll, wenn man
    auf einen Initialdünger verzichtet hat oder ein besonders rasches
    Anwachsen erreichen möchte. Wichtig dabei: die Düngetablette niemals
    direkt in das Pflanzloch geben, sondern am besten nach dem Einsetzen
    etwa zwei Finger breit neben der Pflanze tief in den Kies drücken. Damit
    verhindert man, dass die jungen Wurzelspitzen zu viel des Guten
    abbekommen und womöglich "Verätzungen" davontragen.

    TIPP: Gute Erfahrungen hat der Verfasser mit einer Steckrichtung der
    Tabletten gemacht, die entgegengesetzt dem Filtereinlauf liegt. Durch die
    Ansaugwirkung des Filters, dessen Einlauf meistens in Kiesnähe
    positioniert ist, erhält man im Aquarium eine Art "Kiesströmung" zum
    Filter hin. Und dieses "Tiefenwasser" transportiert dann die Nährstoffe
    schön langsam und stetig in der richtigen Konzentration zu den Wurzeln.
    Das ganze funktioniert nur in Becken bis etwa 80 cm Kantenlänge und nur
    in Aquarien ohne Heizkabel und auf Dauer nur dann, wenn man
    regelmässig nachdüngt. Aber dann nicht die Methode "1 Tablette pro
    x-Liter Wasser" anwenden, auch wenns so auf der Packung steht.
    Besser ist wenn man kleine Pflanzen mit halben Tabletten und grosse
    Pflanzen mit einer ganzen oder auch grösseren Düngegaben für Ihr gutes
    Wachstum "belohnt".

    TIPP: Optimal fördern kann man das Pflanzenwachstum von Anfang an
    durch das Einbringen von selbstgewonnenen Lehmkugeln. Das macht man
    am besten so: man sucht an einer Abbruchkante einer Böschung eine
    offene Lehmader (ockerfarben) und sticht ein paar Kilo sauberen,
    humusfreien Lehm heraus. Daheim wird der feuchte, schweren Lehm
    zu Kugeln von etwa 2 cm Durchmesser gerollt und im Freien oder im
    Backofen getrocknet. Die steinharten Kugeln werden bei der Ersteinrichtung
    geometrisch auf der Bodenscheibe des Aquariums
    aufgelegt und mit gewaschenem Kies überschüttet. Fertig! Mit diesen
    Kugeln kann man auch nachträglich ganz grossartig Schwertpflanzen oder
    Wasserkelche düngen, die darauf sehr gut ansprechen.

    Nachteil: beim Entfernen einer Kugel wird sich das Wasser durch den
    Lehmabrieb etwas trüben. Die Trübung verschwindet aber bald wieder
    und schadet den Fischen und Pflanzen nicht.
    Wenn man sich diese Arbeit nicht antun möchte, gibt es im Fachhandel
    auch Tropenerde-Kugeln zu kaufen (Tropen-Laterit).

    TIPP: Sehr gute Wuchsleistungen erreicht man auch mit dem Einbringen
    von Dünge-Eisen in den Bodengrund. Am besten gleich bei der Einrichtung
    Ferrogan-Granulat (Fa. Brustmann) auf den Initial-Dünger streuen und
    dann mit Kies überschütten. Aber nicht übertreiben - zuviel Eisen schadet
    mehr als es nützt. Am Besten für ein 100 cm Aquarium nur die Menge
    einer Kleinpackung verwenden.

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    4. Man sollte die Wasserpflanzen nicht Stengel für Stengel einsetzen,
    sondern Bundpflanzen immer in Gruppen setzen. Das gibt auch optisch ein
    schöneres Gesamtbild. Zum Begrünen grösserer Flächen die einzelnen
    Töpfe im Abstand von etwa drei Fingerbreiten einsetzen, dann sieht das
    Ganze schon bald recht natürlich aus.
    Schwertpflanzen und Wasserkelche sollte man nicht nebeneinander-
    setzen, die beiden Pflanzengruppen "vertragen" sich nicht, meistens
    bleiben die Schwertpflanzen im Wachstum zurück und kümmern.

    5. Bei fehlender Kieshöhe (weniger als 3,5 cm) die Pflanzen im
    Wurzelbereich nicht mit Steinen beschweren, damit sie "unten" bleiben.
    Die empfindlichen Pflanzen, die kein stabiles Holzgewebe aufweisen wie
    z.B. Landpflanzen, würden durch das Gewicht gequetscht und abfaulen.
    Besser ist es, wenn noch etwas Kies nachgefüllt wird. Das geht ganz
    einfach, auch wenn schon Fische im Aquarium sind: den gewaschenen
    Kies in ein Litermaß füllen und den Becher vorsichtig ins Aquarium
    tauchen. Dann im Becken den Becher positionieren und den Kies unter
    Wasser an die vorgesehene Stelle ausbringen. Die Fische stört das nicht,
    der gewaschene Kies trübt kaum und als Ergebnis hat man Pflanzen, die
    gute Wurzelkörper ausbilden können.

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    6. Kleine Pflänzchen, die viele Ableger bilden wie Glossostigma elatinoides
    oder Echinodorus tenellus kann man mit Pflanzennadeln im Kies fixieren
    und muss sie nicht "verscharren".

    7. Entfernen Sie immer Pflanzenbleie von Bundpflanzen, auch wenn die so
    praktisch sind, weil die Pflanze dann gleich von Anfang an gut fixiert
    bleibt. Blei ist ein Schwermetall, kann zu chronischen Bleivergiftungen
    führen und hat im Aquarium nichts zu suchen.

    8. Nehmen Sie Topfpflanzen immer aus den mitgelieferten Körbchen
    heraus. Damit wird ein Verkümmern des Wurzelwerkes im beengten Raum
    des Transportkörbchens vermieden (Bonsai-Effekt).

    Ausnahme: Echinodorus isthmicus, E. tenellus, E. parvula oder G.
    elatinoides kann man so recht praktisch zum grossflächigen Begrünen
    verwenden. Man setzt den "Muttertopf" ein, trennt nach einigen Wochen
    die Ablegerpflanzen von der Mutterpflanze ab und setzt den Korb an einer
    anderen, unbewachsenen Stelle wieder ein. Die Ableger erst abtrennen,
    wenn die Pflänzchen schon gut angewachsen sind. Funktioniert
    grossartig! Düngetabletten nicht vergessen!

    Also: Wasserpflanzen brauchen auch ein bisschen Liebe
    und Pflege,

    Meint :bigsmile:
    Jürgen (c)
     
    #1 1. April 2003
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