Schwarze Pinsenalge

Dieses Thema im Forum "Pflanzenforum" wurde erstellt von Anonymous, 17. März 2003.

  1. Anonymous
    Anonymous Gast
    Grüß Gott!
    Habe vor kurzer Zeit in einem Forum gelesen, dass bei Algenbefall von schwarzen Pinsenalgen, das ganze Aquarium neu eingerichtet werden muss. Weiters soll man nach diesem Beitrag die Steine und Wurzeln stark erhitzen oder stark abkühlen, um die Algen zu entfernen und einen weiteren Befall zu verhindern. Bin jetzt verunsichert und möchte eigentlich nicht mein bestehendes Becken komplett neu einrichten. Vielleicht kann mir hier jemand helfen. Wäre überaus dankbar.
    Schöne Grüße
    Raimund
     
    #1 17. März 2003
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  3. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
    Mitarbeiter Team Zierfischforum
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    Pinselalgen & co: Ursachen und Abhilfe

    Hallo Raimund,

    Nachdem das problem "PINSELALGEN" wahrscheinlich schon alt ist wie die aquaristik selber habe ich mir erlaubt, auf deine frage etwas ausführlicher zu antworten.

    Tja, das mit den pinselalgen ist wirklich ein problem. Hat man sie mal drin, bekommt man sie so schnell auch nicht wieder weg.
    Das abschrubben von scheiben, heizer oder filter oder abkochen von dekoration ist eigentlich nur die erste massnahme, nämlich so viel wie möglich von den biestern wegzubekommen. Leider geht das nur bei steinen, filter oder aquarienscheiben. Bei pflanzen wie anubias schaut das ganze natürlich anders aus: knipst du befallene blätter weg, bleibt bald nichts mehr übrig von der pflanze.

    [​IMG]

    Leider hast du nicht viel über die rahmenbedingungen in deinem aquarium geschrieben. Pinselalgen entstehen nämlich nicht "einfach so", es muss da schon mehr schiefgelaufen sein, und zwar über einen längeren zeitraum. :lupe:

    Auf die schnelle fallen mir diese möglichen ursachen ein:

    1. Überbesatz mit zierfischen, damit verbunden übermässige fütterung und in weiterer folge womöglich ein längerfristig zu gering ausgefallener teilwasserwechsel. Die anhäufung von phosphaten und nitraten und deren verbindungen kann das pinselalgenwachstum begünstigen. Abhilfe: einsetzen von phosphat oder nitrat-absorbierenden filtermedien, z.b. ZEOLITH, Amtra Nitrat oder Phosphat Reduct, JBL Clearmec. Mit diesen filtermedien kann man einiges erreichen. Funktioniert leider nur gut in einem aussenfilter.

    2. Überaltertes aquarium: in überalterten aquarien, damit meine ich becken, die länger als 4 jahre ununterbrochen in betrieb sind, kann sich im bodengrund ein depot aus ausgefallenen phosphat oder nitratsalzen bilden. Das bekommst du nur äusserst mühsam mit grosszügigen wasserwechseln weg, eigentlich gar nicht, sondern nur durch das komplette entfernen des bodengrundes. Vergiss das auskochen oder durchwaschen des kieses, da hilft nur austauschen.

    3. Nach einem spontanen wechsel in den lichtfarben der beleuchtung, v.a. von warmtönen hin zu bläulichen lampen wie z.b. der AQUASTAR kann es innerhalb weniger wochen zu einem massiven pinselalgenbefall kommen. Vor allem dann, wenn beide röhren gleichzeitig ausgetauscht wurden. Das heisst nicht, dass die AQUASTAR eine schlechte röhre wäre, ganz im gegenteil: sie ist eine der besten pflanzenleuchten überhaupt. Aber plötzliches austauschen der lampen kann pinselalgenwachstum begünstigen.

    4. Vielleicht wurden die falschen lichtfarben für das aquarium gewählt, z.b. DENNERLE african lake und aquastar, oder aquastar und INTERPET blue moon (diese schönen blauen neonröhren). Die kombination von beiden bringt einfach zu viel blaues licht ins becken, bei einer hohen lichttemperatur (kelvin-zahl über 8.000) können sich pinselalgen explosionsartig vermehren. Auch die verwendung von zwei GRO-LUX röhren kann das algenwachstum begünstigen. Abhilfe: eine röhre gegen eine warmtonröhre austauschen, oder lieber gleich zwei lampen mit UV-STOP verwenden, z.b. DENNERLE amazon day und DENNERLE kongo white oder color plus.

    5. Die neonröhren sind womöglich überaltert, d.h. älter als 12 monate. Abhilfe: austauschen, ausnahmsweise beide gleichzeitig gegen die in punkt 4 vorgeschlagenen röhren

    6. Wenn man zu wenige raschwüchsige pflanzen im aquarium hat, können die anfallenden nährstoffe nicht entsprechend verwertet werden. Den rest holen sich die algen. Das ist besonders oft zu beobachten, wenn die pflanzen an und für sich gut wachsen, die algen aber auch!

    7. Zu wenig oft oder zu gering ausfallende teilwasserwechsel.

    8. Zu grosszügige verwendung von flüssigdünger

    9. Zu kalkhaltiges aquarienwasser. Auf mikroskopisch kleinen kalkausfällungen an den pflanzenblättern (blattränder von anubias, javafarn) oder der dekoration finden pinselalgen eine optimale besiedelungsfläche vor. Abhilfe: Kohlendioxid-düngung. Dadurch wird der kalk "gelöst" und in lösung gehalten. Damit habe ich die besten erfahrungen - auch in hoffnungslos veralgten becken - gemacht. Das CO2 löst die pinselalgen regelrecht von ihrer unterlage und können nach und nach abgesaugt werden. Das problem pinselalgen sollte so nach etwa 6-8 wochen behoben sein, falls die übrigen rahmenbedingungen (licht, fischbesatz) stimmen.

    10. Lichteinfall von "der seite" ins aquarium: tageslicht kann die besiedelung von periodisch sonnenbeschienenen stellen im aquarium begünstigen. Abhilfe: den standort des beckens ändern, abschirmen

    Ich würde wie folgt vorgehen:
    Wenn das aquarium noch nicht zu lange in betrieb ist oder das problem erst aufgetreten ist: alle algen von den scheiben oder der dekoration mechanisch entfernen, austauschen überalterter neonröhren (älter als 12 monate), installieren einer co2-düngeanlage (wenn du keine malawi- oder tanganjikasee-buntbarsche pflegst). Daneben bitte wöchentlich einen teilwasserwechsel von mindestens 1/3 des beckenvolumens durchführen, besser 2x die woche, und dann auf flüssigdünger komplett verzichten.
    Sehr bewährt hat sich das einsetzen der siamesischen rüsselbarbe (E. siamensis), und zwar die "echte" mit dem durchgehenden streifen in der schwanzflosse. Auf ein 100 liter aquarium würde ich da schon 10 tiere reingeben. Leider werden sie ziemlich schnell ziemlich gross und bevorzugen bald lieber flockenfutter als zähe pinselalgen... aber bis es soweit ist, solltest du das problem auf jeden fall in den griff bekommen haben. Sollten die tiere zu gross geworden sein, kannst du sie an kollegen mit barschaquarien weitergeben, wos mit algen meistens auch probleme gibt.
    Die algenfressende garnele, C. japonica, würde kurzen prozess machen mit allen arten von algen. Du musst halt darauf achten, genügend tiere einzusetzen, auf 100 liter etwa 15 - 20 garnelen. Das funktioniert natürlich auch nur, wenn keine scalare, discus, kugelfische oder prachtschmerlen im becken sind, die so eine süsse garnele gleich einmal als leckerbissen ansehen könnten. Diese garnelen können echt wunder bewirken, sie putzen ständig an den blättern herum und zwicken noch die kleinste alge fein säuberlich von den blättern. :doc:
    Das einsetzen von antennenwelsen der gattung ancistrus bringt dagegen gar nichts, die verschmähen diese zähe alge glatt. Auch schnecken würden bei ihrem "schneckentempo" keine echte hilfe sein. Viel eher schon das einsetzen eines schwarmes La plata Algensalmler, aber die sind ziemlich teuer und ich habe auch - ehrlich gesagt - damit noch keine erfahrungen bei der bekämpfung von pinselalgen gemacht.

    Jedenfalls wird die therapie einige monate in anspruch nehmen. Wenn du nicht so lange warten möchtest, wird dir nur eine neueinrichtung helfen.

    BITTE KEIN ALGENMITTEL VERWENDEN! Mit sicherheit funktioniert das NICHT. Es gibt kaum eine zähere alge als die pinselalge, und die kann man mit normaler dosierung von algenmitteln nicht umbringen, ohne dass die pflanzen schaden nehmen,

    meint :gut:
    Jürgen
     
    #2 17. März 2003
  4. Dominik
    Dominik Bekanntes Mitglied
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    Ja kann nur beipflichten, diese ALGE ist eine WAHRE PLAGE. :twisted: ..... Bin schon e
    seit paar Tagen immer am Wasser tauschen. Werden schon weniger, aber es ist eben sehr Mühsam!
     
    #3 9. März 2004
  5. masterperegrin
    masterperegrin Bekanntes Mitglied
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    Hab ich auch sowas?

    Hallo!

    Mein Aquarium rennt erst seit so ca. zwei Monaten und ich frag mich, ob das, was ich sehe, auch erste Anzeichen beschriebener Alge sein könnten. Es sind einzeln verteilt an der Frontscheibe wachsende Miniatur-Klobesen, die nur drei oder fünf Haare haben, etwa 1-2mm lang. Sie stören mich ja so nicht, aber wenn sich die einmal stark vermehren sollten? Ist keine großartige Beschreibung, aber leider hab ich keine gute Kamera...
    Kann mir wer weiterhelfen?
     
    #4 5. Juni 2004
  6. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,
    :rofl:
    Dürfte sich aber (leider) tatsächlich um Pinselalgen handeln.
    [​IMG]
    Punktalgen sind oft ein Vorstadium zu den Pinselalgen (bzw. im Wuchs durch Algenfresser 'kurzgehalten'.

    Lg
    Jürgen
     
    #5 5. Juni 2004
  7. andy23
    andy23 Bekanntes Mitglied
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    Hi!

    Jetzt muß ich den alten Thread mal ausgraben, weil ich die Dinger auch habe, aber die meisten Punkte, die Jürgen anführt, nicht zutreffen.

    Die Röhre (hab nur 1, aber mit Reflektor im 54l-Becken: Dennerle special plant) ist völlig in Ordnung. Auch CO2-Düngung ist ausreichend drin. Sand ist noch kein Problem - Becken läuft erst sei Nov.
    Habe 4 Japonica drin - aber die bringen hier nicht den gewünschten Erfolg. Auch die Red Fire schaffen es nicht. Eigentlich schauen beide nicht wirklich die Pinselalgen an, sondern weiden sie ab - suchen also in den Pinseln nach Nahrung.
    Ich glaube auch nicht, daß die Rüsselbarben das schaffen.
    Überlatet ist das Becken auch nicht und Überbesatz liegt auch nicht vor.
    Es kommt zwar hin und wieder ein wenig Sonnenlicht rein, aber die Algen sind auch an Stellen, wo ganz sicher kein Sonnenlicht ist.
    Wasserwechsel werden normal gemacht (1x in der Woche 15 bis 20 Liter). KH ist auch nicht sonderlich hoch: ca. 7.

    Einzig das Fehlen schnellwüchsiger Pflanzen könnte ein zentrales Problem sein. Das habe ich jetzt geändert und Hornkraut reingegeben. Der Effekt ist aber noch abzuwarten. Überdüngung schließe ich eigentlich aus.

    Hab aber noch eine Erfahrung. In einem Becken mit sehr wenig Licht, wo sich Cryptos. gerade einmal so la la entwickelt haben (gut, Wurzelbildung war nach dem Ausräumen des Beckens kaum festzustellen) hatte ich anfangs auch Pinselalgen - wahrscheinlich, weil dort noch Sonnenlicht dazukam. Aber als es dann im Keller stand, wo definitiv kein Sonnenlicht dazukam, waren sie innerhalb kürzester Zeit verschwunden.

    Aber daraus läßt sich natürlich relativ wenig ableiten, denn so wenig Licht ist für die meisten Pflanzen nicht mehr ausreichend. Da geht so gut wie nichts mehr weiter. Da ich dort aber mit der Zeit auch so gut wie kaum mehr gedüngt habe und auch die Wasserwechsel sehr sparsam ausfielen, ergab sich zwar mit der Zeit ein relativ hoher Nitratwert, aber die Algen waren weg.
    Aber eben: Daraus läßt sich leider kaum etwas für unsere Normal-Becken in Erfahrung bringen.

    LG...
     
    #6 24. Juni 2006
  8. meyka
    meyka Mitglied
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    habe auch die pinselalgen:

    co2 geht nicht wegen aŽmalawies

    lampen sind gut erst 2 monate alt
    ich denke mal wenn ich die valisneren drinnen habe das es besser wird
    wasserwechsel hatte ich immer 25 % gemacht habe nun auf 50 % erhöht ( wöchentlich versteht sich )
     
    #7 27. Juni 2006
  9. Empire
    Empire Bekanntes Mitglied
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    Hallo,

    habe in meinem 960 Liter Becken auch immer wieder Pinselalgen drin. Es läuft seit ca. 1,5 Jahre. Beleuchtet wirds mit 4x80 Watt T5 Röhren inkl. Reflektoren. Also 320 Watt.
    Die ersten 6 Monate hab ich das Aq normal laufen lassen. Beleuchtung unter Tags mit 100%. Keine dünger usw.... Dann kamen die ersten Algen.
    Also hab ich mit Tagesdünger und Eisendünger von Drak besorgt. Hab dann 1 Jahr lang täglich die empfohlene Menge für mein Becken hineingegeben. Beleuchtung war weiterhin auf 100%.
    Den pH Wert habe ich mittels CO2 Düngung auf 6,7 gestellt. Die KH ist 3,5.
    Die Pflanzen wuchsen bei mir immer sehr gut. Muss jede zweite Woche einen 10 Liter Eimer voll Pflanzen rausgeben. Das Aq selbst ist mit ca. 90% vom Boden bepflanzt. Es sind auch viele schnellwüchsige Pflanzen vorhanden.
    Und trotzdem, die Pinselalgen wollen einfach nicht verschwinden. Hab auch so eine 3D Rückwand drin. An der waren schon 5mm lange Pinselalgen dran.
    Hab dann auch mal alle Einrichtungsgegenstände in den Heißluftherd gegeben, und die 3D Rückwand mittels Dampfstrahler abgedampft.
    Danach waren natütlich alle Algen an den Einrichtungsgegenständen weg.
    An den Pflanzen waren natürlich schon dort und da noch ein paar wenige.

    Nach ein bis zwei Monaten kamen dann die ersten Pinselalgen wieder.
    Also hab ich mir gedacht, nach den 1,5 Jahren, probier ichs mal anders. Jetzt dünge ich seit ca. 3 Wochen gar nichts mehr, und bin mit der Beleuchtungsstärke zurückgegangen. Beleuchte jetzt mit max. 70% Leuchtkraft. Das Aq ist ca. 13 Stunden am Tag beleuchtet, wobei 4 Stunden Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang sind.

    Bin deswegen zu diesem entschluss gekommen, weil ich auch noch ein kleines 54 Liter Quarantene Becken habe, das rel. schwach beleuchtet wird. Und in diesem Aq findet man keine einzige Pinselalge. Obwohl ich die Pflanzen vom grossen Becken ins kleinere gegeben habe, wo auch welche drauf waren, sind diese Algen alle eingegangen.
     
    #8 29. Juni 2006
  10. andy23
    andy23 Bekanntes Mitglied
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    Hi!

    Danke Daniel. Habe auch noch ein 2. 54l-Becken, das noch relativ jung ist. Dort habe ich auch Pflanzen reingetan, die aus dem anderen übrig blieben. Zwar braucht es noch weitere Beobachtungszeit, aber die Pinselalgen, die durch die Pflanzen eingebracht wurden, verbreiten sich nicht. Eher macht es den Eindruck, daß die alten Algen langsam aufgeben.

    LG...
     
    #9 29. Juni 2006
  11. Empire
    Empire Bekanntes Mitglied
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    Ich glaube einfach das es immer noch nicht richtig erforscht ist warum Pinselalgen im Aquarium entstehen.

    Was ich noch anmerken möchte.
    Vor meinem jetztigen 960 Liter Aq hatte ich ein 300 Liter Aq.
    In diesem hatte ich nie probleme mit Pinselalgen. Sie waren zwar vorhanden, allerdings in so geringem masse das sie nicht mal aufgefallen sind.
    In diesem Aq hatte ich die gleichen Wasserwerte. Und ich habe in diesem Aq auch nie gedüngt.
    Das einzige was im Prinzip verändert wurde durch das neue, ist die Beleuchtung.
    Beim 300 Liter hatte ich 2x38 Watt T8 Röhren, und jetzt die neuen T5 mit 4x80 Watt.
     
    #10 29. Juni 2006
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