Schwebealgen ("Grünes Wasser") - was tun?

Dieses Thema im Forum "Pflanzenforum" wurde erstellt von Jürgen Ha, 5. Mai 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo :)

    Das Frühjahr kommt - und mit ihm leider auch wieder verstärkt das Problem der Schwebealgen-Plage im Aquarium. :swim:

    Warum sich diese winzige Alge gerade im Frühjahr so explosionsartig im Aquarium ausbreiten kann ist nicht 100%-ig erklärbar.

    Ein Lösungsansatz:

    In der Natur kommt es, bedingt durch die Frühjahrsstürme und die Erwärmung der oberen Wasserschichten in Teichen und Seen zu einem Austausch von nährstoffreichem Tiefenwasser mit dem nährstoffarmen Oberflächenwasser. In der Folge profitiert die ganze Wasserlebewelt von diesen Nährstoffen: sessile (substratbewohnende) und aquatische (im freien Wasser treibende) Algen nehmen - mangels Wasserpflanzen - diese Nährstoffe auf und reagieren mit einem starken Wachstum. Diese Massenvermehrung von "Primärproduzenten" bewirkt eine Massenvermehrung von "Konsumenten", also Algenfressern. In erster Linie sind das winzige Krebse und Einzeller, die wiederum von den Fischen (und diese von Raubfischen) als oberem Teil der Nahrungspyramide gefressen werden.
    Warum aber die Massenvermehrung im Aquarium?

    Nun - der permanente Nährstoffüberschuss, der die Basis für eine
    Algenblüte ist, ist im Aquarium ohnedies fast immer vorhanden.
    Die reifen Algensporen allerdings können durch den Wind vom
    Gewässer fortgetragen werden und - im Frühjahr lüftet man wieder
    besonders gerne - durchs Fenster oder mit dem Staub, der ständig
    in der Luft hängt, ins Aquarium gelangen.

    Soweit, sogut. Was kann man jetzt dagegen unternehmen?

    Erkennen (Diagnose)
    Sog. "Grünes Wasser". Das Wasser kann sich bei einer Algenblüte derart
    stark grün färben, dass man keine 2 cm mehr hinter der Aquariumscheibe
    erkennen kann. Die Schwebealgen sind mikroskopisch klein, besonders im
    Frühjahr kann es zu explosionsartigen Massenvermehrungen kommen
    [​IMG]

    Ursache
    Wuchsstockungen der Aquariumpflanzen durch plötzliche Änderung der
    Beleuchtungsverhältnisse, unbeabsichtigte Überdüngung,
    Nährstoffüberschuss, Einschleppen mit Lebenfutter aus Tümpeln,
    Infektion durch Algensporen aus Gewässern mit dem Wind

    Abhilfe
    UV C Wasserklärer beseitigen Schwebealgen garantiert in wenigen Tagen.
    Der Wasserklärer kann auch sehr gut gegen Bakterien- oder
    Einzellertrübungen (milchig weisses bis graues Wasser) verwendet werden;
    Abdunkeln; Einsetzen von Wasserflöhen, die die Schwebealgen
    fressen (herausfiltern), ist nur in fischlosen Aquarien möglich.
    Bei der Anwendung eines Wasserklärers dürfen gleichzeitig keine
    Medikamente verwendet werden!
    Bei jeder Schwebealgen-Bekämpfung muss das Aquarium mit einer
    Luftpumpe belüftet werden, damit es in der Dunkelphase (Nacht) im
    Aquarium nicht zu einem Sauerstoffmangel kommt. Eine Überwachung
    des pH-Wertes ist notwendig, damit man bei starken Änderungen in den
    alkalischen Bereich reagieren kann.

    Bei einer Schwebealgen-Massenvermehrung handelt es sich um
    Kugelalgen der Gattung Volvox (Grünalgen). Diese Alge sieht unter dem
    Mikroskop aus wie eine Polle. Im Innern der Kugelalge befinden sich eine
    Anzahl reifer Tochteralgen, die "Mutteralge" platzt irgendwann auf und
    gibt diese Tochteralgen frei. In den Tochteralgen wiederum befinden sich
    bereits fertige "Enkelalgen", und in diesen wiederum fertige "Urenkelalgen"
    usw., ähnlich wie bei einer russischen Puppe.
    [​IMG]

    Fazit: Wenn man einen Wasserwechsel ohne begleitende bekämpfende
    Maßnahmen durchführt, wird das Aquariumwasser am nächsten Tag
    wieder gleich grün sein wie am Vortag (oder noch schlimmer). Das kann
    soweit gehen, dass man keine 2 cm mehr in das Aquarium hineinsehen
    kann. Jeder Wasserwechsel bedeutet eine Nährstoffzufuhr für die Algen
    und verbessert daher die Wuchssituation für die Alge.

    So paradox es klingt: wenn man keinen Teilwasserwechsel durchführt und
    die Nerven bewahrt hat man zwar 2-3 Wochen ein unansehnliches
    Aquarium, aber die Massenvermehrung bricht dann wieder von selber
    zusammen. Mit Wasserwechseln jedoch kann sich die Plage über Monate
    hinziehen. Man darf in dieser Zeit natürlich keinen Pflanzendünger
    verwenden, eine Zugabe von stabilisierenden Bakterien-Präparaten (JBL
    Denitrol, Amtra Clean, Dennerle FB 7, sera nitrivec, Tetra Bactozym
    Kapseln) hat sich sehr bewährt. Eine Abdunkelung des Aquariums kann
    auch helfen, wenn keine Pflanzen im Becken sind. Diese würden eine
    mehrtägige Verdunkelung nicht ohne Schaden überstehen, den Fischen
    wird die Tageshelligkeit des Raumes genügen - ihnen schadet eine Woche
    Dunkelheit nicht.
    Reinigen Sie den Aquariumfilter in dieser Zeit NICHT, ausser wenn
    die Filtermedien durch abgestorbene Algen verstopft wird. Der Filter kann
    diese kleinen Algen sowieso nicht ausfiltern, die Algen gehen durch das
    Filtermaterial glatt durch. Am ehesten kann man noch einen sog.
    Kieselalgenfilter (Diatom-Filter) verwenden. Er filtert auch feinste
    Schwebstoffe aus dem Aquarium heraus, ist allerdings mit der Masse an
    Algen viel zu schnell verstopft und die Anwendung bei starkem Befall
    nicht sinnvoll.
    Am sichersten und schnellsten kann man die Algenplage mit dem
    UV-Wasserklärer bekämpfen. Dieser Weg ist allerdings auch der teuerste,
    denn die Anschaffung eines Klärers kostet schon ab Euro 120,00
    aufwärts, je nach Wattstärke.

    JBL Clearol Wasserklärer oder sera aquaria-clear flockt Schwebealgen
    in kurzer Zeit aus, die dann vom Filter erfasst werden können oder abgesaugt werden müssen.

    Gut bewährt hat sich auch der Algenkiller von UNIZOO, der den
    Vorteil hat, dass das Aquariumwasser nicht grünlich oder
    gelblich gefärbt wird, sondern klar bleibt.

    Anwendung:
    forte-Dosierung lt. Beipacktext, davor 1/3 Teilwasserwechsel
    durchführen ohne Zugabe eines Wasseraufbereiters. Das
    Präparat 2 Wochen im Aquarium ohne Wasserwechsel belassen
    und nach Abschluss der Behandlung einen Tw-Wechsel von 1/3
    durchführen. Behandlung ev. wiederholen.

    Ich hoffe, dass ich Betroffenen damit ein bisschen weiterhelfen konnte und verbleibe,

    Mfg. :glass:
    Jürgen
     
    #1 5. Mai 2003
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