Portrait: Apistogramma hongsloi

Dieses Thema im Forum "Zierfischforum" wurde erstellt von Jürgen Ha, 29. September 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    nachdem es im Internet nicht viel zu A. hongsloi zu finden gibt werd ich mal was aus einem guten Buch (ergänzt um eigene Infos) zitieren: Mergus Cichliden Atlas Bd.1, S.476 ff (C) Mergus Verlag

    Apistogramma hongsloi KULLANDER, 1979 (Rotstrich-Apistogramma)

    Artspezifische Merkmale:
    A. hongsloi ist durch einen seitlich stark zusammengedrückten und hochrückigen, wenig gestreckten Körper gekennzeichnet. Keine andere Art der Gattung wirkt ähnlich bullig. Die Membranen der im vorderen Teil tief gesägten Rückenflosse sind stark verlängert und können bei alten Männchen ohne weiteres Körperhöhe erreichen. Auf der Basis der runden transparenten Schwanzflosse befindet sich ein rötlicher oder schwärzlicher Fleck, der in Verbindung mit einem ebenso gefärbten, unmittelbar über der Afterflosse verlaufenden Streifen für erwachsene Männchen arttypisch ist. Außerdem ist A. hongsloi durch Ausprägung und Verlauf des Längsbandes gekennzeichnet, welches sich gerade vom Augenhinterrand in die Mitte der oberen Hälfte der Schwanzwurzel erstreckt. Das Band ist etwa eine bis eineinhalb Schuppen breit, wobei die Ränder der Schuppen wesentlich intensiver gefärbt sind als ihre Zentren. Daraus ergibt sich das typische kettenartige Erscheinungsbild des Längsbandes. Die Färbung der Männchen ist außerordentlich variabel, was letztlich die Ausgangsbasis für die Linienzucht war, die seit weniger als zehn Jahren durchgeführt wird. Nach derzeitigem Kenntnisstand scheinen kolumbianische Tiere deutlich farbiger zu sein, meist blau mit gelblichem Kopf, als venezolanische, die überwiegend gelblichgrau sind.

    Geschlechtsunterschiede:
    Deutliche Merkmale machen die Unterscheidung der Geschlechter erwachsener A. hongsloi relativ leicht. Männchen werden erheblich größer als Weibchen, entwickeln im Gegensatz zu diesen teilweise extrem verlängerte und zugespitzte Rücken-, After- und Bauchflossen. Geschlechtsreife Männchen zeigen auf dem Unterkörper entlang der Afterflossenbasis einen schwarzen oder dunkelroten Strich ('Rotstrich'-Apistogramma), der den Weibchen immer fehlt. Jungtiere sind schwieriger zu bestimmen, doch zeigen Weibchen einen schwarzen Unterbauchstrich, oft einen Afterfleck und schwarze Vorderkanten der Bauchflossen.

    Verwandtschaft:
    Al hongsloi bildet gemeinsam mit A. guttata, A. hoignei, A. macmasteri, A. viejita, A. spec. "Rio Caura", A. spec. "Rotpunkt" und A. spec "Tame" die A. macmasteri-Gruppe. Diese Formen weisen ein fast identisches Farbkleid der Weibchen auf, für das auch ein mehr oder weniger deutlicher dunkler Brustfleck kennzeichnend ist. Außerdem treten bei den Arten des A.mac.-Komplexes rote Streifenmarkierungen in der gegabelten Schwanzflosse auf. Alle Arten zeigen im männlichen Geschlecht zugespitzte, häufig auch verlängerte Flossenhäute in der Rückenflosse und ein breites Längsband.

    Vorkommen:
    Alle Formen stammen aus dem Einzugsgebiet des Rio Orinoco, wobei A. spec. "Rotpunkt" auch Verbindungen in den Einzugsbereich des Rio Amazonas herstellt. Kolumbien und Venezuela, dort im oberen und mittleren Orinoco weit verbreitet.

    Ökologie:
    An einem Standort in einem 5-10 m breiten kleinen Fluss mit starker Strömung. Gewässergrund aus sandigem Material. Die Art hielt sich in den flachen stömungsarmen Randzonen zwischen ins Wasser hängenden Landpflanzen, aber auch Wasserpflanzen auf. Temperatur: 25-26 °C, Härte unter 1 °dGH, 10 µS/cm Leitfähigkeit, pH 5,5

    Hälterung im Aquarium:
    Ansprüche an die Wasserqualität sind hoch, nicht jedoch an die Wasserchemie. Die Fische zeigen auch in mittelhartem Wasser mit leicht alkalischem pH-Wert Wohlbefinden. Das Aquarium sollte möglichst gross sein, da die Tiere während der Fortpflanzungszeit gelegentlich untereinander zu Beißereien neigen können. Einrichtung möglichst strukturreich mit dichter Bepflanzung, Totholz, Fallaub, Steinen. Der Bodengrund sollte aus feinem, möglichst weissem Sand bestehen, da die Tiere manchmal in Schrecksituationen, ähnlich wie A. gosei, kopfüber in den Bodengrund flüchten. Sand mindert in solchen Situationen erheblich das Verletzungsrisiko.

    Die Männchen besetzen Großreviere, in denen sie mehrere Weibchen dulden. Bemerkenswert: auch andere Männchen, eingeordnet in ein festes Rangordnungssystem, dürfen sich in diesem Revier aufhalten, solange sie KEINE hohe Rückenflosse entwickeln. Sobald sich ein unterlegenes Männchen entsprechend zu entwickeln beginnt, wird es umgehend als möglicher Konkurrent aus dem Revier des Alphamännchens vertrieben. Der intakten Beflossung der Männchen kommt also als Teil der stark ritualisierten Auseinandersetzungen der Männchen dieser Art eine ganz bedeutende Rolle zu.
    Die Balz der Männchen verläuft stürmisch, wobei sich die ganze Pracht der Flossen und der Körperfärbung entfaltet. Die Weibchen laichen häufig in für das viel grössere Männchen unzugänglichen Brutverstecken ab, in die die abgegebenen Spermien vom Männchen mit kräftigen Schwanzflossenschlägen hineinbefördert werden.
    Selten sind solche Gelege nicht befruchtet. Gelege von 200 Eiern sind keine Seltenheit. Unter Aquarienhochzuchten ist die Produktivität ofmals reduziert. Die Jungfische wachsen sehr langsam, selbst bei guter Fütterung und regelmäßigem Wasserwechsel benötigen sie etwa ein dreiviertel Jahre bis zur Geschlechtsreife. Voll erwachsen und ausgefärbt sind sie hingegen oft erst nach mehr als eineinhalb Lebensjahren. Unter Aquarienbedingungen können A. hongsloi ohne weiteres fünf bis sechs Jahre alt werden, womit sie zu den langlebigeren Vertretern der neotropischen Zwergbuntbarsche zählen.

    Besonderheiten:
    Ausgeprägter Polychromatismus der Männchen. Jungtiere einer Brut fallen sehr unterschiedlich in der Färbung aus, und es existieren geographische Unterschiede zwischen ihren Färbungstypen. Kolumbianische Fische sind farbiger, Körper bläulich mit gelbem Kopf und ausgeprägt rotem Strich über der Afterflosse; Fische aus Venezuela sind gelblichgrau und zeigen außerdem meist auch keinen roten, sondern einen schwarzen Strich. In der aus Kolumbien um 1984 eingeführten Aquarienpopulation trat erstmalig 1988 eine auffällige Mutation auf, bei der sich die Weibchen durch eine abweichende, nämlich rote (!) Brutpflegefärbung auszeichneten (RÖMER). Heute bieten verschiedene Züchter in Deutschland Nachfahren dieser farblich ansprechenden Mutanten an.

    Alle wichten Informationen auf einen Blick:

    Temperatur: 21 - 30 °C
    Grösse der Männchen: 9 cm
    Grösse der Weibchen: 6 cm
    Beckenlänge (für eine Gruppe von 5 Tieren): 120 cm
    bevorzugte Wasserregion: Unten, Mitte
    Futter: Omnivor (Allesfresser); Lebendfutter, Frostfutter (Artemia, Cyclops, weisse Mückenlarven, schwarze Mückenlarven; rote Mückenlarven lieber nicht verfüttern); sera GvG-Mix Flocken oder feines Graulatfutter (sera vipagran, JBL Granomix, gute Futtertabletten (Tetra FD-Tips, sera Vipa-Chips, sera o-nip)

    Aquarium: Kies feiner bis mittlerer Körnung (max. 2-3 mm), abwechslungsreiche Dekoration, Wasserpflanzendickichte, Wurzeln, Buchenlaub als Fall-Laubschicht, kleine verkehrt eingestellte Blumentöpfe als Bruthöhlen


    Anmerkungen: auf möglichst keimfreies, unbelastetes Aquariumwasser achten; regelm. Tw-Wechsel sind wichtig; die Anwendung leicht ansäuernder und keimhemmender Aufbereiter ist empfehlenswert (z.B. Dennerle TR7, Steins Eichenextrakt, gute Torfextrakte mit geringem Phosphat/Nitrat-Gehalt, Femanga Aqua Brazil). Torfgranulat kann auch in einem Aussenfilter verwendet werden (vorher auf Nitrate prüfen). Die Nachzucht ist nicht schwierig und verläuft gattungstypisch nach den bekannten Mustern und Ritualen der Apistogramma-Gattungen.

    Apistogramma hongsloi Weibchen in aggressiver Brutpflegefärbung

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    Apistogramma hongsloi, Weibchen, neutrale Brutpflegefärbung, Rio Cataniapo.
    Auch hier die feine schwarze Linie an der Bauchseite, die Weibchen von semiadulten Männchen, "Tarnmännchen" oder "Sneakern" unterscheidet

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    A. hongsloi, männlich, in Normalfärbung, Rio Cataniapo

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    A. hongsloi, männlich, adult, Venezuela-Form

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    Weitere Bilder :arrow: hier


    Lg
    Jürgen
     
    #1 29. September 2003
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  3. its39
    its39 Bekanntes Mitglied
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    Hallo!
    Dieser Beitrag ist zwar schon älter aber vielleicht interessiert es ja noch irgendwelche Users.
    Ich habe seit einer Weile auch 3 Exemplare dieser faszinierenden Fische. Da die Fische bei der Übernahme noch relativ jung waren stellte sich leider heraus das es nicht wie gewünscht 2w1m sondern 2m1w waren. Ich musste aus Schutz das unterlegene Männchen aus dem Aqua entfernen und in mein 2-tes geben. Nächste Woche sollte ich ein zusätzliches Weibchen bekommen. Damit ich 2w1m habe.
    Ich pflege die Fische mit folgenden Werten: 260 Liter Becken, reichlich bepflanzt mit einigen Versteckmöglichkeiten, Temp.: 25; Ph: 7,0 (Torffilterung), KH: 6; Gh:9.

    Nun noch 2 Bilder von meinen Fischen:

    Weibchen mit normaler Färbung: (doch das ändert sich sobald das Männchen in die Nähe kommt innerhalb von Sekunden in einen Knall-gelbes Farbenkleid)
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    Und noch das Männchen: (Bei diesem Bild ist leider noch nicht seine komplette Färbung zu erkennen. Die gibts erst wenn er richtig zu imponieren anfängt und zeigt wer der Boss im Becken ist.)

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    MfG Patrick
     
    #2 21. November 2009