10 Tipps zur erfolgreichen ARTEMIA-Zucht

Dieses Thema im Forum "Züchterforum" wurde erstellt von Jürgen Ha, 31. Mai 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo :)

    Einmal 10 Tipps zur Optimierung der Schlupfrate von :arrow: Artemia salina, dem Salinenkrebschen. Dieses Urzeittierchen hat sich bei der Aufzucht von Fischbrut bewährt, weil es einfach zum Schlüpfen anzusetzen, ständig verfügbar und garantiert frei von Parasiten und Krankheitskeimen ist.

    1. Das Brutgefäß (Inkubator) muß immer sauber sein, da die geschlüpften (oder zum Schlupf angesetzten) Zysten oder Artemia-Nauplien empfindlich auf Bakterienbelastung reagieren. Ausspülen des Zuchtbehälters mit heißem Wasser nach jedem Ansatz ist jedoch im Normalfall ausreichend.

    2. Die Krebseier (Zysten) müssen in Meerwasser zum Schlupf angesetzt werden. Die Salzwasserlösung sollte 30 g (ca. 5-6 Teelöffel) jodfreies Kochsalz auf etwa 1 Liter Wasser enthalten. Eine einfache Methode, um den Salzgehalt (Dichte) zu überprüfen besteht in der Verwendung eines Dichtemessers, wie er in der Meerwasser-Aquaristik verwendet wird. Die Dichte sollte 1.022 betragen. Ich habe auch mit 10 g/l gute Schlupfraten erreichen können - zur weiteren Aufzucht und Vermehrung der Krebse wird jedoch die höhere Salzgabe von 30 g/l notwendig sein.

    3. Der pH-Wert sollte zwischen pH8.0 bis pH 8.5 liegen. Als pH-Puffer kann Speisesoda (2 g/l) zugegeben werden.

    4. Die ideale Schlupftemperatur beträgt 25 - 30 °C.

    5. Die Artemiazysten müssen ständig in Bewegung bleiben, damit sie nicht verklumpen oder die geschlüpften Nauplien an Sauerstoffmangel eingehen. Eine gute Wasserbewegung erreicht man durch Belüftung mittels Luftpumpe. Die Wasserbewegung hilft den Krebsen auch beim Schlupf aus der Eihülle.
    Zu stark perlende Ausströmer wiederum können die Krebschen mit den Luftblasen "erschlagen" und einen gegenteiligen Effekt hervorrufen. Bei der Verwendung von "geschälten" Artemiazysten, also solchen, die in konzentrierter Kochsalzlösung ohne Hülle (weil mit Wasserstoffperoxyd "geschält") dehydriert und schlupffähig erhalten wurden darf die Blasenzahl der Luftpumpe nicht zu stark eingestellt werden.

    6. Gute Beleuchtung des Zuchtgefäßes ist notwendig, um ordentliche Resultate zu erzielen. Für ein Zuchtgefäß von 1 Liter genügen 60 Watt (Glühbirnen)-Lichtleistung, um etwa 2.000 Lux zu erreichen.

    7. Man sollte nicht mehr als 1 - 1,5 g Artemiazysten pro Liter Wasser geben. Je mehr Zysten angesetzt werden, desto weniger Nauplien werden schlüpfen. Wahrscheinlich schlägt da noch die "Ur"-Biologie der Krebschen durch: viele Organismen in einem begrenzten Lebensraum haben wenig Vermehrungs- oder Überlebenschancen. Wenige Organismen haben hohe Überlebenschancen und hohe Vermehrungsraten.

    8. Nach 24 - 30 Stunden, je nach Temperatur, sind die Nauplien geschlüpft und können verfüttert werden.
    Zum Verfüttern werden die Nauplien mit Hilfe einer Lichtquelle an einem Punkt des Zuchtgefäßes konzentriert. Die Nauplien orientieren sich immer nach der Stelle, wo das meiste Licht einfällt. Sind die leeren Eischalen aufgeschwommen und haben sich ungeschlüpfte Zysten am Boden des Zuchtbehälters abgesetzt, können sie fast rein mit Hilfe eines Luftschlauchs über feinmaschige Gaze oder Artemia-Siebe entnommen werden.

    9. Nach etwa drei Tagen müssen die Artemia-Krebschen gefüttert werden, wenn man die Absicht hat, die Krebse großzuziehen.
    Während der drei Tage vom Schlupf bis zur ersten Fütterung leben die Krebschen von ihren Dotterreserven (deshalb auch die intensive Gelbfärbung) und nehmen sonst keine Nahrung zu sich. In dieser Zeit häuten sich die Nauplien mehrmals und treten vom Nauplien-Stadium ins Stadium der Krebse ein.
    Wenn die Krebse nicht spätestens am vierten Tag nach dem Schlupf gefüttert werden gehen sie zugrunde; sie werden zusehends blasser und verhungern schließlich.
    Daraus resultiert auch, daß der Nährwert der Artemia kurz nach dem Schlupf am größten ist, während er am Ende der Häutungsphasen sehr rasch abnimmt - die Dottervorräte der Krebschen sind aufgebraucht.

    10. Als Futter für die Krebschen kann man z.B. Spirulina-Microalgenpulver oder Trockenhefe verwenden. Auch mit Weizenmehl sind angeblich schon gute Ergebnisse erzielt worden. Daneben können auch spezielle Produkte zur Salinenkrebs-Aufzucht verwendet werden, z.B. LiquiZell oder MicroZell, die sich mit mehr oder weniger gutem Erfolg anwenden lassen.

    Lg :glass:
    Jürgen
     
    #1 31. Mai 2003
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  3. Christian
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    Hallo Leute,

    ich verwende zu Hause das allseits bekannte Flaschen System zur Arthemia Zucht und ich bin mit dem output nicht ganz zufrieden. Ich würde einmal schätzen, dass in meiner 1,5l Flasche nur ca 50% der Krebschen tatsächlich schlüpfen.
    Kann man das System irgendwie optimieren, dass ich eine höhere Schlupfrate bekomme, denn meine kleinen Platies haben einen riesen Hunger?
    Meine Flasche steht im Badezimmer und wird von einer ganz normalen Schreibtischlampe eines gewissen schwedischen Möbelherstellers (will ja keine unnötige Werbung machen ;-) ) beleuchtet.
    Reicht meine Luftpumpe (Mouse Air Pump M-101) aus um ein Y-Stück einzubauen um eine zweite Flasche anzuhängen? Den Krach einer zweiten Pumpe würde glaube ich meine Freundin nicht wirklich schätzen...
    Lg, William Morton
     
    #2 9. September 2003
  4. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    optimieren = Lichtquantität + Beleuchtungsdauer + Temperatur + Salzgehalt + Sauerstoffgehalt optimieren.

    Werden die Artemia durch die Luftpumpe gut in Bewegung gehalten oder bildet sich am Flaschenboden ein Satz aus abgelagerten (ungeschlüpften) Zysten?
     
    #3 9. September 2003
  5. Christian
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    Hallo Jürgen,

    wie kann ich denn die Temperatur effektiv erhöhen, denn ich komme sicher nie auf die von Dir empfohlene Gradzahl. Ich hab es schon mit einem Wasserbad versucht, aber dann leidet wieder die Beleuchtung. Sauerstoffgehalt dürfte passen, denn am Boden befinden sich keine Zysten und beim Salz halte ich mich an die Anleitung.

    Lg, WM :?:
     
    #4 9. September 2003
  6. Jürgen Ha
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    Hallo Chris,

    ich erzähl Dir mal eine nette Anekdote:

    Ich hatte mal ein ähnliches Problem und benötigte für meine Zuchten laufend grosse Mengen frischer Artemia-Zysten. Die Temperatur war zu niedrig (etwa Raumtemperatur), um ein gutes Schlupfergebnis zu erreichen. Auf die Aquarien-Abdeckungen wollte ich die Flaschen auch nicht stellen, der Salzkrusten wegen.
    Also - was tut Aquarianer in dem Fall? Er sieht in der METRO ein Riesen-Gurkenglas! Das isses, dachte ich! Also - etwa 2,5 Liter passen in so ein Monster rein, und eben auch - ein Heizstab.
    Nachdem alle Gurken aufgegessen :eat: waren hab ichs so gemacht: den Deckel durchbohrt und einfach einen 25 W Regelheizer (Jäger) ins Glas gehängt. Das funktioniert perfekt. Man darf nur beim Absaugen der Artemia nicht vergessen den Heizer auszustecken, wenn man den Deckel samt Heizer abnimmt.
    Du könntest es aber auch so machen dass Du die Plastikflasche in irgendeiner Form im Aquarium integrierst, indem du sie z.B. ins Zuchtbecken stellst. Muss ma halt darauf achten dass die Flasche nicht umkippt. Die Temperatur zur erfolgreichen Artemia-Zucht sollte schon mindestens 25 bis max. 29 °C betragen.

    P.S.: Ich hab dann noch so ein Glas Gurken kaufen müssen :mrgreen: Aber frag jetzt nicht: gehn Pfefferoni auch? :bandit:

    Lg
    Jürgen
     
    #5 10. September 2003
  7. Christian
    Christian Bekanntes Mitglied
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    Morgen Jürgen, :gut:

    das ist eine wirklich clevere Idee! Wenn meine technisch besser begabte Hälfte wieder da ist, dann werden wir uns eine ähnliche Konstruktion überlegen. Man kann dann vielleicht auch einen Kanister oder so etwas verwenden, wo die Gewinnung der Artemia dann etwas komfortabler ist. Vielen Dank auf alle Fälle für die Inspiration :gut:
    Lg, WM
    PS: Wir halten Dich auf dem laufenden (ob Du wilst oder nicht ;-) )
    PPS: Werd caro sofort schreiben, dass sie sich etwas überlegt...
     
    #6 10. September 2003
  8. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    lieber nicht... Man muss das Zuchtgefäss nach jedem Ansatz regelmässig reinigen, da die Zysten recht empfindlich auf bakterielle Belastung reagieren. Das wird bei einem Kanister nicht gut möglich sein (zu verwinkelt, zu rauhe Oberfläche). Besser wäre noch die Verwendung eines 12-Liter-Aquariums mit Heizer, aber 12 Liter ist dann doch eine ganze Menge Wasser für ein paar Artemia, ausserdem sind die 4 Ecken ziemlich unpraktisch beim Reinigen...

    Lg
    Jürgen
     
    #7 11. September 2003
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