Arterhaltung im Wohnzimmeraquarium

Dieses Thema im Forum "Züchterforum" wurde erstellt von Jürgen Ha, 20. Oktober 2004.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    Das aktuelle Thema über Hypancistrus zebra und seine vermutliche Gefährdung im Ursprungsbiotop zum Anlass nehmend möchte ich mal nachfragen, was die klugen Köpfe hier im Forum von der Arterhaltung im Wohnzimmeraquarium halten.

    Ist es möglich, Zierfischarten über einen längeren Zeitraum - obwohl in der Natur bereits ausgestorben - in den Aquarien zu erhalten und mit diesem Restbestand einen Neubesatz durchzuführen?

    Gibt es dafür schon Beispiele, vielleicht aus der heimischen Tierwelt (Fische) oder wäre - bedingt durch den kleinen Genpool - und ein entsprechendes Biotop vorausgesetzt das ganze ohnedies nur theoretisch möglich?

    Grüsse,
    Jürgen
     
    #1 20. Oktober 2004
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  3. Zagon
    Zagon Bekanntes Mitglied
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    Hallo,

    ich hab keine erfahrungen, aber eine frage, die mich "stuzig" macht bzgl. dem thema:

    du hast den genpool bereits angesprochen. nehmen wir an, ich hab ein geschwisterpaar, also einen wurf komplett in einem artenbecken, die sich nett vermehren.

    kommts da nicht zu einer art inzucht? sogar zu defekten?
    dann würd ich das nicht als arterhaltung ansehen.

    schwierig ist ja spätestens in der 2ten generation, sofern meine obere frage dahingehend beantwortet werden kann. ich hab 2 elterntiere mit denen ich züchte, und vermische diese dann mit den jungtieren. mein genpool wird daraufhin ja wieder eingeschränkt.

    würd mich speziell diesbezüglich über infos interessieren. gilt ja in dem fall nicht nur für den zebraharnischwels.

    LG

    Zagon

    PS: inzucht war/ist? ja auch ein großes thema im adelskreis... siehe hierzu einige geistig geschwächte franz. adelshäuser aus früheren jahrhunderten.
     
    #2 20. Oktober 2004
  4. Dominik
    Dominik Bekanntes Mitglied
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    Hallo Zusammen,

    Meiner Meinung nach müsste das schon klappen. Natürlich darf man die oben genannten Punkte nicht ausser acht lassen. Das würde bedeuten, wenn sich da mehr Leute zusammen tun, jeder hat ein paar Zuchtfische, dann könnte man da hin und wieder durchmischen.

    Natürlich müsste man aufpassen damit sich nicht gewisse Fische paar mal hintereinander Treffen....

    So könnte es klappen....glaub ich mal!

    Hört sich sehr einfach an, aber das ist es sicher nicht.

    LieGrü
    Morpherl
     
    #3 20. Oktober 2004
  5. Tatjana
    Tatjana Bekanntes Mitglied
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    Hi Zagon, Hi Jürgen,

    Inzucht ist besonders auch in der Guppyzucht üblich. Die Probleme machen sich erst ca. ab der 5.ten Generation bemerkbar. Aber ich glaube noch gibt es genug Zebrawelse in europäischen Aquarien, dass man die Gefahr der Inzucht umgehen könnte.
    Eine Artenerhaltung im grossen Stil wie es Jürgen erwähnt, wäre sicher möglich, wenn sich einige Aquaristikfreunde(bzw. L-046) zusammentun.
    Was die Artenerhaltung des Zebrawelses in seinem Heimatbiotop betrifft, müsste man sich (am Besten viele) an WWF oder andere ähnliche Institutionen wenden. Diese Organisationen konnten schon viel erreichen, siehe unter anderem sibierischer Tiger etc.
    Die Problematik des Umweltschutzes bzw. Tierschutzes in Südamerika ist allgemein bekannt und ein sehr grosses Problem. (abholzen der Regenwälder, ausbeutung der Tierwelt, Kriege, Unruhen usw.). Wobei ich die Bevölkerung dort auch verstehen kann. Wenn man wirklich nichts hat, dann versucht man alles um wenigstens ein bisschen eine Lebensqualität zu erreichen. Die Bösen sind wiedermal die Grossen, dort liegt die Wurzel des Übels.
    Was können wir also tun?
    Wer hat da Ideen?
    lg
    Tatjana
     
    #4 20. Oktober 2004
  6. Dominik
    Dominik Bekanntes Mitglied
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    *lol* Jetzt würde das eine Interessante Diskussion werden.

    Aber vergesst nicht es geht da um die Arterhaltung im Wohnzimmer und nicht um Wirtschaftspolische Aspekte oder die Sinnlose Kriegsführung verschiedener Länder.

    Wir verlangen Wohlstand und der hat leider seinen Preis, auch wenn es anders gehen würde. Aber wie gesagt, darum geht es hier nicht!

    LieGrü
    Morpherl
     
    #5 20. Oktober 2004
  7. ManniAT
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    Hallo Tatjana,

    extra zu deinem Statement - weil etwas OT!
    Es gibt z.B. hervorgrufen durch den Fang roter Neons große Gebiete, die heute vorbildlichst gepflegt werden um das Geschäft mit diesen Tierchen nicht zu gefährden. Somit tut man also Gutes, wenn man RN-Wildfänge erwirbt.

    Grundsätzlich sind hier immer die Politiker gefragt. Der Importrückgang von Tropenhölzern wie dem Mahagoni hat leider nicht dazu geführt, dass es dem Regenwald jetzt besser geht.
    Das Problem ist, dass der Begriff "nachhaltige Forstwirtschaft" in diesen Ländern keine Bedeutung hat.
    Würde man stattdessen (schlechtreden der Tropenhölzer) für Mahagoni der aus nachhaltiger FW stammt bessere Preis zahlen könnte sich die Situation in den Regenwaldgegenden wesentlich bessern.

    Solange Ökologie aber rein auf dem Standpunkt der moralischen Verdammung erfolgt wird sich auch nicht wirklich was ändern.
    Aber das ist sicher ein eigenes Thema!

    lg

    Manfred
     
    #6 20. Oktober 2004
  8. Markus G.
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    ich glaub schon dass es geht.
    hat man schon mit der urforelle genacht ist zwar nicht nit zierfischen zu vergleichen aber....naja
     
    #7 20. Oktober 2004
  9. Tatjana
    Tatjana Bekanntes Mitglied
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    Hallo.

    Manfred ich verstehe diesen Satz nicht ganz:
    Ich weiss dass Jürgen das Wohnzimmer meinte. Wollte nur noch darauf Hinweisen, dass es super wäre, wenn man die Ursprungsbiotope auch im Auge behält.
    Aber Ihr habt Recht, eine solche Diskussion würde ins Endlose führen.
    lg
    Tatjana
     
    #8 20. Oktober 2004
  10. wklotz
    wklotz Moderator
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    Hallo die Runde!

    Einige der wichtigen Punkte in dieser Frage wurden schon genannt. Ein Problem bei der Arterhaltung ist die Problematik des verminderten Genaustausches. In der Natur ist die Zahl der Nachkommen iener Art so geregelt, dass am Ende des Lebens eines Elternpaares in etwa 1 Paar Nachkommen die Geschlechtsreife erlangt. Durch diese hohe Sterblichkeit ist ein möglichst großer Genfluss zwischen den verschiedenen Individuen einer Art sichergestellt. Auftretende Mutationen und Veränderungen werden dadurch weitgehend ausgemerzt. Gemeinsame Merkmale bevorzugt weitervererbt.
    In den Aquarienpopulationen ist dieser Genfluss sehr stark eingeschränkt. Es überlebt eine viel größere Anzahl von Nachkommen eines Elternpaares. Dieser verpaarts ich wieder untereinander oder mit den Elterntieren. Treten in solchen Populationen Mutationen auf, werden diese viel eher weitergegeben. In gewissem Sinne laufen evolutionäre Prozesse unter solchen Bedingungen viel schneller als in der Natur ab. Es ist aber durchaus strittig, ob solche mutationsbedingten Veränderungen zur bildung neuer Arten oder nur zu neuen (Zucht)Formen innerhalb einer Art führen.
    Am Beispiel des Hundes mit den vielen Zuchtrassen kann sehr schön gezeigt werden, wie sich die Tiere vom gemeinsamen Vorfahren wegentwickeln.
    Werden solche Tiere dann wieder in die Natur entlassen, ist es fraglich, ob dies überhaupt wünschenswert ist.

    Ein anders Problem ergibt sich aus der Betrachtung warum eine Art in der Natur ausstirbt. In der Regel geschieht dies durch eine Zerstörung des natürlichen Lebensraumes einer Art. (Eine gezielte Ausrottung durch den Menschen wie beim Wolf, Bär oder anderen Raubtieren geschehen, schließe ich bei Aquarientieren einmal aus.) Ein solches Beispiel wäre die Garnelenart Caridina singhalensis aus Sri Lanka. Die Art kommt auf Sri Lanka nur in einem einzigen keinen Bach vor und ist dort unmittelbar vom Aussterben bedroht, siehe den Bericht von andreas Karge: http://www.wirbellose.de/arten.cgi?acti ... &artNo=203
    Hier liegt der Versuch nahe, die Art im Aquarium am Überleben zu halten.
    Endemische Arten haben sich durch evolutionäre Prozesse an einen bestimmten Lebensraum angepasst, bzw. konnten sich nur dort in ihrer Form entwickeln. Wird nun dieser spezifische Lebensraum zerstört, wo sollte eine solche Art wieder angesiedelt werden? In jedem anderen Lebensraum wäre diese Art ein fremder Eindringling und eine Renaturierung eines einmal zerstörten Lebensraumes dürfte (zumindest bei den Wirbellosen, bei Menschenaffen oder andern großen, "interessanten" Säugetieren dürfte das allgemeine Interesse größer sein) in der Regel eine Utopie bleiben.

    mfg Werner
     
    #9 20. Oktober 2004
  11. helmut
    helmut Bekanntes Mitglied
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    was die klugen Köpfe

    da kannst du unter Umständen lange warten und du solltest dich mit denen zufrieden geben, die dir zur Verfügung stehen :roll:

    Hallo

    Arterhaltung im Wohnzimmer wird es nicht geben können

    Arterhaltung in den Wohnzimmer, das gibt es schon lange. Verschiedene Arten sind in ein "Zuchtprogramm" aufgenommen, die Daten der Nachzuchten (woher, wie alt und dgl.) werden unter den einzelnen Beteiligten ausgetauscht. Somit soll gewährleistet sein, dass die Vielfalt erhalten bleibt.
    Die Betreiber dieser Programme sind zumeist die großen und überregionalen Vereine:

    Deutsche Gesellschaft für Lebendgebärende.
    Labyrinthergesellschaft usw.

    Bei mir schwimmt ein Mexikanischer Hochlandkärpfling - Zoogoneticus tequila, er wurde schon wieder an seinem natürlichen Standort ausgesetzt. Auch bei den Kampffischen soll es wohl solche Arten geben.

    Gruß aus Karlsruhe
    helmut
     
    #10 20. Oktober 2004
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