'Mit grosser Sorge hab ich festgestellt, dass...'

Dieses Thema im Forum "Forum Cafe" wurde erstellt von Jürgen Ha, 7. Juli 2004.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    Unser Bundespräsident Thomas Klestil ist gestern nacht 71-jährig gestorben, zwei Tage vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger.

    Mit Betroffenheit hab ichs heute morgen in der Zeitung gelesen. Dieser Mann hatte Stil und Charakter, es ist wirklich eine Tragödie...

    Auch wenn unser Forum für einen Nachruf auf diese Österreichische Persönlichkeit nicht der passende Rahmen ist, so möchte ich dennoch mit diesen Zeilen meiner Trauer und Betroffenheit Ausdruck verleihen und der Familie Klestil und Frau Margot Löffler mein Beileid aussprechen.

    Jürgen Haberstroh
     
    #1 7. Juli 2004
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  3. Leo
    Leo Bekanntes Mitglied
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    Hallo!

    Hallo!

    Ja leider. Die besten gehen immer zuerst oder wie hat der Spruch geheißen....
    Du kannst auf www.hofburg.at kondulieren, wennst willst....

    Servus!

    Leo
     
    #2 7. Juli 2004
  4. Leo
    Leo Bekanntes Mitglied
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    Re: Klestil

    Hallo!

    Ein kleiner Nachtrag, weil ichs loswerden muß: Klestil hat ein typisch österreichisches Schicksal, die Blumen kommen erst ans Grab. Plötzlich ist jeder voll des Lobes, und ich kann mich aber nicht erinnern, daß so manche, die jetzt Hymnen singen, solche "Fans und Freunde" vom Klestil waren. Ich mein - zu Zeiten der Sanktionen hat's ja ziemlich gekrieselt, und auch damals, bei der ersten schwarz-blauen Regierung, da hat der gleiche Sender eher eine konträre Berichterstattung geboten....Jedenfalls: Willst bei uns in Österreich richtigen Ruhm erfahren, dann mußt vorher den Löffel abgeben.

    Servus!

    Leo
     
    #3 9. Juli 2004
  5. shary
    shary Bekanntes Mitglied
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    ich hab lang überlegt, ob ich was dazu schreiben soll...

    mir tuts leid für seine familie und freunde... aber das wars auch schon... ich halt nicht viel von dem grossen öffentlichen trara das bei den wenigen bekannten persönlichkeiten gemacht wird... niemanden intressierts wenn irgendwer elendiglich an krebs verreckt oder wenn zb ein obdachloser bei lebendigem leib von maden angefressen wird... aber wenn ein herr mock stolpert und sich das nasenbein bricht, dann kommt natürlich sofort der rettungshubschrauber... das leben ist nun mal tödlich und da machts keinen unterschied wer man mal war... für mich zumindest... aber manche sind selbst im tod "gleicher" als andre... zum glück nachher aber nimmer... selbst der herr klestil oder der scheich von dubai werden mal von würmern zernagt oder wenns verbrannt werden zu staub und asche

    :eye:

    in diesem sinn: fröhliches sterben ;-)

    shary (die sich mal einäschern und am fusse eines baumes verbuddeln lassen wird wenns denn dann mal soweit ist... ausstreun auf einer blumewiese gäbs auch, aber ich mal bäume lieber) :flower:
     
    #4 9. Juli 2004
  6. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Man kann über Herrn Klestil sagen und denken was man will.....

    die einen haben noch nicht vergessen, dass er mal von "Familie - Keimzelle der Nation" und so sprach - knapp bevor er mit der jetztigen Frau erwischt wurde.

    die anderen loben ihn wegen seines Verhaltens als Politiker.

    Jeder wie er will!

    Aber schlimm finde ich, dass jetzt wo er tot ist plötzlich alle schleimen.
    Der eine lobt ihn in höchsten Tönen - vor ein paar Jahren hat er ihn als Erzfein hingestellt.
    Der andere segnet und lobpreist ihn, liest ihm die Messe und ist voll des Lobes.
    Vor einer Woche hätter er ihm die Kommunion verweigert!!

    Klar, ein Mensch ist tot - das passiert täglich. Wirklich schlimm ist der Tod für die Hinterbliebenen. Und während der eine still und vergessen in der Wohnung stirbt, leise verwest, bis irgendwer den Gestank bemerkt - wird der Tod dieses Menschen zum Staatsakt.

    Sicher auch nicht einfach für die Hinterbliebenen - aber so ist es nun mal.
    Wenn man "im öffentlichen Leben steht" wird aus jeder Mücke ein Elefant gemacht, und daran ändert sich auch beim Sterben nichts.

    Ich lebe weiter und sein Tod hat wenig Bedeutung für mich.
    Ich kannte ihn nicht, er fehlt politisch nicht mehr - der Nachfolger ist schon im Amt, und es ist üblich beim Tod des BPs die entsprechenden Feierlichkeiten abzuhalten.

    Sein Tod ist somit für mich wie der Tod eines entfernten Bekannten. Der ist halt nicht mehr da - schade, es war nett hie und da mit ihm zu plaudern, aber mehr schon nicht.

    Der Effekt, der mich wirklich trifft ist leider auch hier der selbe.
    Alle haben ihn plötzlich geliebt, alles war immer gut und super......

    Herzliches Beileid liebe......ich weiss, vor kurzem habe ich noch gesagt, dass er.......ist, aber das war ja nicht so gemeint --- mir graust!

    Mich haben die Berichte der letzten Stunden so sehr an den frühen Tod meiner Mutter erinnert. Alle die "bösen" Bekannten, die mir am Friedhof die Hand geschüttelt haben ....die arme Sieglinde...du weisst ja, wie ich sie gemocht habe..... - man darf da leider nicht, wie man gerne möchte!

    Das musste mal raus!

    lg

    Manfred
     
    #5 10. Juli 2004
  7. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    ich habe auch lange überlegt, ob ich zum Tod des Präsidenten etwas posten soll. Ich habs dann doch gemacht: wenn man sowas aus der Zeitung erfährt, dann beschäftigt das den ganzen Tag.

    Ich finde es angebracht über einen unmittelbar Verstorbenen keine schlechten Worte zu finden, wenn er keine schlechten Taten begangen hat. Mit etwas zeitlichem Abstand werden sich die Geschichtsbücher mit seinem Wirken auseinandersetzen.

    Wenn der Tod überraschend kommt ist das immer eine Tragödie, je 'ausgefallener' die Umstände werden, desto tragischer vermag man das Ableben zu bewerten. Das bleibt ja jedem selbst überlassen. Wenn das jemand aus der Verwandtschaft ist, betrifft das mehr als wenn es sich um einen scheinbar Fremden handelt. Klestil wurde vom österreichischen Volk zum Bundespräsidenten gewählt, und zwar zweimal. Seinen Tod kann man nicht beiläufig 'einfach so' zur Kenntnis nehmen, auch das organisierte Wehklagen finde ich in diesem Fall angebracht: das Volk hat ihn gewählt, das Volk will ihn beklagt wissen und medienwirksam eingraben.

    Lg
    Jürgen
     
    #6 11. Juli 2004
  8. masterperegrin
    masterperegrin Bekanntes Mitglied
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    Hmm, also ich kann Jürgens Haltung ehrlich gestanden nur teilweise nachfühlen. Ich bin da wohl auch eher der Shary-Manni-Typ, der meint, daß wir biologisch alle gleichwertig sind und daß Dinge wie heiraten, aufs Klo gehen oder auch sterben denen vorbehalten sein sollte, die wirklich unmittelbar damit zu tun haben wollen und nicht der ganze Trott, der ohnehin nur so halbert weiß, wer der Typ denn überhaupt innen drinnen ist (war) und eben zu passender Zeit ein Kreuzerl für ihn aufs Papier gemacht hat, dann wenns denn sein muß, auf Knopfdruck alle Herzschmerzmotoren startet und mit voller Kraft voraus auf die Tränendrüsen drückt. Das ist meiner Ansicht nach ebenso achtlos und unehrlich als wie wenn er sich gar nicht dran beteiligt.
    Und wenn ein Schlosser mit ebenso viel Enthusiasmus seinem Beruf nachgeht, wie das auch ein Politiker macht, dann hat er von mir den gleichen Respekt. Klar, das der Job des Präsidenten oft anspruchsvoller ist, aber der Zaster für den Einsatz ist auch ein anderer. Präsident wird der, der sich mit der dafür üblichen Lebensweise von vornherein identifizieren kann (ja, ich weiß, gewählt muß er auch werden). Aber keine Frage, der Klestil war in den letzten Jahren ein armes Schwein, wer ständig mit schweren Krankheiten leben muß, tut mir leid. Für mein Gewissen muß es aber trotzdem eine scharfe Trennung zwischen ethischen und publizistischem Werten geben. Schließlich haben wir, wie schon von andern gesagt, viele solcher Klestils allein in Österreich, von globalem Elend red ich jetzt gar nicht erst.
     
    #7 11. Juli 2004
  9. ManniAT
    ManniAT Bekanntes Mitglied
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    Hallo Jürgen,

    du hast wohl recht, man sollte keine üblen Worte sagen.
    Und in allem anderen stimme ich dir auch zu.

    Mein Problem sind nur Leute, die lange Zeit nur übles über ihn verbreiten;
    und dann am Grab plötzlich glauben - mein lieber Freund - sagen zu müssen.

    Stell dir vor, du hast einen lieben Menschen. Ich lebe mit dem im Streit (warum auch immer - egal wer recht hat).
    Dann stirbt dieser Mensch.
    Ich stelle mich hin, sage, alles was mir gutes einfällt und aus.
    Keiner wird ein Problem damit haben.

    Aber wenn ich in dieser Situation sage: mein liebster und enger Freund....
    Das ist so was von erstunken und erlogen - wie würdest du dich fühlen?
    So mussten sich wahrscheinlich die Angehörigen von Herrn Klestil fühlen!

    Aber unser neuer BP - hat es ja heut so schon gesagt: einige Reden wären besser nicht gesprochen worden.....

    Er hat sich nicht deklariert welche er meinte - da kann sich jeder seine Meinung bilden.
    Aber ich münze es mal genau auf diese Heuchler!

    Und was die Trauer betrifft - jeder der will kann trauern - keiner muss.
    Aber man sollte keine verurteilen, egal welch der beiden Haltungen er vertritt.

    lg

    Manfred
     
    #8 11. Juli 2004
  10. Christian
    Christian Bekanntes Mitglied
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    Hallo,

    ich finde es schon in Ordnung, dass man beim Ableben eines Staatsoberhauptes eine entsprechende Feier veranstaltet und ihn entsprechend würdigt. Allerdings finde ich es traurig für die Familie, dass sie bei dem sehr intimen Moment des Versenken des Sarges in der Erde von Kameras umringt wird.

    Witzig ist, dass seine Mitarbeiter berichten, dass er sich für sein Amt so aufgeopfert hat, den Mitarbeiter, den ich kenne, erzählt da etwas ganz anderes.

    Lg,
    Christian
     
    #9 16. Juli 2004
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