Nierengicht bei Chamäleons

Dieses Thema im Forum "Terraristik-Ecke" wurde erstellt von Jürgen Ha, 25. Juni 2003.

  1. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Hallo,

    aus einem traurigen Anlassfall heraus möchte ich mal etwas zum Thema "Nierengicht" posten:

    Es geht um ein Furcifer pardalis (Pantherchamäleon), das etwa 2 Monate nach dem Kauf gestorben ist. Todesursache: unbekannt. Vermutliche Todesursache: Nierengicht + Oxyurenbefall (beide Befunde: geringfügig)

    Das Chamäleon wurde tierärztlich behandelt. Es würde sich die Frage stellen: wer ist für den Tod verantwortlich?

    Die Tierärztin - das Chamäleon stellte nach der Häutung für 2 Tage das Fressen ein, worauf das Tier stationär aufgenommen wurde. Am dritten Tag des "Spitalsaufenthaltes" verschlechterte sich der Gesundheitszustand, und es wurden Antibiotikum und Ringer Lac/ Amynin Injektionen subcutan gespritzt. Gleichzeitig wurde 2 x mit der Sonde gefüttert. Wars der Übersiedlungsstress beim Transport zum Tierarzt, waren es die Spritzen, die den Tod verursacht haben - wäre es ohne Behandlung vielleicht auch gegangen? Chamäleons legen öfter Fresspausen von einigen Tagen ein.

    Ist der Zoohändler verantwortlich, nach 2 Monaten? Das Tier war prächtig konditioniert und hat beim Händler gefressen. Das Tier wurde am nächsten Tag von seinen neuen Besitzern abgeholt.

    Ist der Halter verantwortlich? Pantherchamäleons benötigen eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit von NICHT unter 70 % bis 100 %. Das Tier wurde im Schlafzimmer freilebend gepflegt ohne Wärmespot.

    Oder ist gar niemand dafür verantwortlich? Könnte das Tier eine Vorschädigung aufgewiesen haben, die für keinen ersichtlich war? Wie gesagt: das Tier war in einem Top-Zustand und hat Stunden nach dem Transport anstandslos gefressen. Nachdem es sich um ein ziemlich teures Tier handelte besteht jetzt eine Forderung des Halters.

    Unsere Moderatorin Gitti hat diesbezüglich eine Anfrage ins DGHT-Forum geschrieben. :arrow: http://www.dghtserver.de/foren/viewtopic.php?TopicID=13233
    Dabei wurden die Symptome wie oben (etwas detaillierter) beschrieben.

    Die Antwort ist so interessant, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte. Wie gesagt: das Original ist im DGHT-Forum nachzulesen.

    :arrow: ANTWORT

    Hallo,
    die Hauptursachen der Nierengicht bei Reptilien sind vor allem eine zu reichliche Fütterung (es fallen so vermehrt die Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels in der Niere an) in Verbindung mit einer unzureichenden Flüssigkeitzufuhr bzw. einer zu trockenen Haltung, außerdem wird ein Vitamin A- Mangel diskutiert. Meistens spielen alle drei Faktoren eine Rolle. Eine Nierengicht kann aber auch die sekundäre Folge einer Vitamin D3- Vergiftung sein. Hierbei fallen, durch den erhöhten Ca- Spiegel im Blutplasma, vermehrt Ca- Salze in der Niere aus, wodurch diese geschädigt wird (Calcinose). Diese geschädigte Niere ist nun nicht mehr in der Lage die Endprodukte des Eiweißstoffwechsels in ausreichender Weise zu eliminieren. Es kommt dann sekundär zu einer Nierengicht.
    Die Gicht kann durchaus durch eine suboptimale Haltung des Tieres, auch wenn diese nur während eines relativ kurzen Zeitraums stattfand, ausgelöst werden.
    Eine Vorschädigung spielt natürlich auch eine Rolle und wirkt sich hierbei begünstigend aus. Was in diesem Fall der primäre Auslöser war, läst sich nun nachträglich nicht mehr genau sagen.
    Wie gesagt, es braucht i.d.R. erstaunlich wenig Zeit, um diese Erkrankung auszulösen und sie kann dann recht schnell voranschreiten.
    Auch wenn die Nierengicht "nur" mittelgradig ausgeprägt war, so kann sie trotzdem die Todesursache des Tieres darstellen. Die Oxyuriasis wirkt sich da natürlich begünstigend aus. Oft entstehen aber infolge des durch die Gicht beeinträchtigten Immunsystems noch andere (meist bakterielle) Infektionskrankheiten oder es lagern sich Urate im Herzbeutel oder entlang von Gefäßen ab, was das Herz- Kreislaufsystem mitunter stark beeinträchtigen kann.
    Wird die Erkrankung früh genug vom Tierarzt erkannt, so kann sie durchaus gestoppt werden. Ein bewährter Wirkstoff ist Allopurinol. Er greift in den Purinabbau ein und hemmt die Harnsäurebildung. Die Vorstufen der Harnsäure (Xanthin / Hypoxanthin) können wesentlich leichter über die Niere ausgeschieden werden, was eine weitere Schädigung der Niere verhindert.
    Frage bitte dazu auch nochmal Deinen Tierarzt.
    Gruß
     
    #1 25. Juni 2003
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  3. Gitti
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    Pantherchamäleon- Nierengicht

    Schade um dieses wunderschöne Tier. :sad:

    Ich selbst habe dieses Chamäleon gesehen und in Händen gehalten.
    Natürlich ist eine Vorschädigung der Niere nicht ganz auszuschließen.

    Aber alle Merkmale eines gesunden Chamäleons waren vorhanden.
    Pralle Augen, er war sehr lebhaft, (ist sogar schnellgelaufen und fast 1 m gesprungen), starker Zehengriff, ein guter gezielter Zungenschuß (er hat gleich 2 mittlere Heuschrecken gefressen), wunderschöne Färbung, keine äusserlichen Blessuren und nur eine geringfügige Stressung.
    Das sind sicher beste Vorraussetzungen für ein gesundes Chamäleon.

    Wie ich schon in anderen Beiträgen geschrieben habe, sind diese Reptilien die am schwersten zu haltenden Echsen.

    Der Pfleger muss dafür Sorge tragen, das die Ansprüche des Tieres was Klima, Ernährung und Pflege betrifft, nach Herkunft und Art des Chamäleons erfüllt werden.

    Haltungsfehler wirken sich meistens sehr schnell negativ aus und führen oft zum Tod eines Tieres.
    Auch ein gut gemeintes ... zuviel .. wirkt sich bei Chamäleons schädlich aus.
    Jeder - auch noch so begeisterte, bemühte und sorgfälltige Chamäleonpfleger wird von diesen bitteren aber auch lehrreichen Erfahrungen nicht verschont bleiben.
    Gerade in der Chamäleonhaltung ist es extrem wichtig sich laufend weiterzubilden, und zwar mit allen Möglichkeiten die sich bieten (Litaratur, Internet, Erfahrungsaustausch mit Haltern etc.)

    Ignoranz trotz besseren Wissens aber, halte ich für grob Fahrlässig im Umgang mit diesen empfindlichen Echsen!!
    Ich selbst und ein- seit mehr als 20 Jahren, erfahrener Reptilienhalter (Chamäleons) haben den neuen Besitzern des Pantherchamäleons (keinerlei Erfahrung im Umgang mit Chamäleons), - ca. 1 1/2 Stunden lang über die Haltung von Chamäleons informiert und auf sehr viele Schwierigkeiten hingewiesen.
    Aussagen wie:
    - mein Chamäleon braucht keinen Spot - weil die Raumtemparatur in meinem Schlafzimmer 30° beträgt ????
    - er is ja sooo süß - er will immer bei mir sein ???
    - oder die Frage nach der Luftfeuchtigkeit.... angeblich 70%
    was ich absolut in Frage stelle-

    - halte ich nicht gerade für verantwortungsbewußt oder artgerecht. :angry:

    Ich besitze einige Terrarien und halte 2 Chamäleons frei im Raum (offenen Terrarium) . Schon in den Terrarien ist es schwierig das Feuchtigkeitsklima so hoch zu halten.
    Wobei auch in allen Herkunfthabiaten eine Temparatur und Feuchtigkeitsschwankung im Tag- und Nachtbereich auftritt.
    Also Morgens und Nachts ansteigend, Mittags abfallend, ohne Regenzeiten und Trockenheitsperioden einzurechnen.
    Aber die Luftfeuchtigkeit in einen offenen bewohnten Raum zwischen 70 - 100% zu halten - ist ehrlich gesagt - unmöglich !

    Reptilien sind ... bei aller Liebe... keine Schmusetiere und müssen artgerecht gehalten werden!!

    Bei diesen kurzlebigen und schwer zu haltenden Tieren nach 2 Monaten den Verkäufer belangen zu wollen ... naja.... :wall:

    Da ist es bei allem Respekt, Zeit über die eigenen begangenen Fehler in der Haltung und Ernährung nachzudenken!!

    So - das ist meine private Meinung zu diesem Vorfall.

    Grüße
    Gitti
     
    #2 25. Juni 2003
  4. Jürgen Ha
    Jürgen Ha Moderator
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    Re: Pantherchamäleon- Nierengicht

    Hi Güddü,

    vielleicht haben sie ja wirklich an die 30 °C im Schlafzimmer, und mindestens 70 % Luftfeuchtigkeit? Nur - glauben kann ichs auch nicht recht, bei diesen Temperaturen kann kein Mensch schlafen.
    Wer heizt auch schon sein Schlafzimmer im Frühling/Winter auf 30°C auf?

    Ich denke mal, dass das F. pardalis schon für die Freihaltung in Räumen geeignet ist, wenn man unterschiedliche Temperaturzonen, die lokal bis 30 °C gehen, einrichtet. Nur - ohne Spot geht das nicht.
    Auch die Nachtabsenkung müsste man ja irgendwie hinbekommen - aber ich senk oder heb doch nicht die Temperaturen im gesamten Schlafzimmer für ein Chamäleon, wenns auch mit Spot gehn würde?
    Weil man bekanntlich kühl besser schläft wär das Schlafzimmer an und für sich kein schlechter Ort für ein Terrarium.
    Bliebe nur das Problem mit der Luftfeuchtigkeit: wie die hoch halten, ohne nachts Schweissausbrüche zu bekommen?
    Vielleicht wäre ein 3/4-Terrarium eine Lösung, also ein grosszügig angelegtes, nach drei Seiten geschlossenes Terrarium, das vorne eine Gazetüre hat, um den Frischluftaustausch zu gewährleisten?
    Jedenfalls würde hier nur eins helfen: sprühen, sprühen, sprühen - mehrmals am Tag, und die Verwendung eines Ultraschallneblers wäre sicher auch zu überlegen.
     
    #3 25. Juni 2003
  5. Gitti
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    Furcifer pardalis

    Hi Admin.

    - hiermit oute ich mich - :spin:

    - auch ich habe in meinem Schlafzimmer 2 Terrarien stehen ... aber keine 30°c Raumtemparatur *gg*

    Eines davon ist offen ... für mein Chamäleon calyptratus
    - das funktioniert auch ausgezeichnet
    (ausser das mein Schlafzimmer "lebt" und ständig irgendwelche Insekten nachts mein Bett überqueren :help: )
    Mein Jemen-Männchen braucht zwar hohe Temparaturen, was man mit Spots leicht hinbekommt, aber nicht eine so hohe Luftfeuchtigkeit wie ein Furcifer pardalis.

    Absolut notwendig ist halt, wie du auch schreibst
    -da man die Luftfeuchtigkeit nur schwer auf einem so hohen Stand halten kann-
    oftmaliges Sprühen und das zusätzliche Tränken mit Hilfe einer Pipette.

    Grundsätzlich gilt für alle großen Chamäleons die freie Raumhaltung schon als empfehlenswert.

    Allerdings kontrollieren kann man das Klima (Temparatur und Feuchtigkeit) und auch die Ernährung besser in einem (Gaze-) Terrarium.
    Eben deshalb bin ich etwas von der freien Haltung abgekommen, und überdenke gerade, wie ich meine offenen Terrarien eingrenzen könnte.


    liebe Grüße

    Gitti
     
    #4 26. Juni 2003
  6. Jürgen Ha
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    Furcifer pardalis: das Bild zum Thema

    Hallo,


    hier mal ein Bild des Chamäleons um das es in dem Thema geht:

    [​IMG]

    Besser kann ein Chamäleon kurz nach dem Transport eigentlich gar net ausschaun,
     
    #5 26. Juni 2003
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